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Valie Export zum Achtzigsten : Der Körper nimmt Maß

  • -Aktualisiert am

Valie Export Bild: Picture-Alliance

Eine Rebellin wird achtzig: Die österreichische Künstlerin Valie Export gilt heute als Ikone feministischer Kunst. Wie viel ihr konzeptuelles Werk zu bieten hat, wurde von der Öffentlichkeit reichlich spät entdeckt.

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          Sie kann getrost als wichtigste österreichische Künstlerin des zwanzigsten Jahrhunderts bezeichnet werden: Valie Export hat Generationen von Nachfolgerinnen geprägt. Ihre radikalen Werke fehlen in keinem Kompendium zur feministischen Kunst. So etwa das Performancefoto „Aktionshose: Genitalpanik“, für das Valie Export 1968 als Revoluzzerin mit Waffe und im Schritt zerschnittenen Jeanshosen posierte. Wer sich in das Œuvre der 1940 in Linz geborenen Künstlerin vertieft, erkennt jedoch schnell, dass es sich nicht in Attacken auf das Patriarchat erschöpft.

          Bereits früh fand Valie Export in der Trias „Körper, Konzept, Medien“ ihr Bezugsfeld. Dabei orientierte sich die ausgebildete Textildesignerin am amerikanischen Experimentalfilm und der Conceptual Art. Die ab 1966 in Zeichnungen und mit Schreibmaschine penibel festgehaltenen Konzepte kreisen um Blickbeziehungen, Selbst- und Fremdwahrnehmung sowie Fragen der Semantik. So etwa die heute im Museum of Modern Art in New York befindliche Fotoserie „Sehtext-Fingergedicht“, bei der die Künstlerin einen Satz des Philosophen Martin Heideggers in Gebärdensprache darstellt.

          Die „Frauenfrage“ verlor die Künstlerin nie aus den Augen. So bei ihrer Straßenaktion „Tapp- und Tastkino“ im Rahmen eines Münchner Filmfestivals 1968. Valie Export trat dabei mit einem um den Oberkörper geschnallten Kasten auf, durch dessen Öffnungen Passanten die Hände strecken und sekundenlang ihre nackten Brüste berühren durften. Die provokante Aktion konnte als Spott auf die Pornoindustrie ebenso gelesen werden wie als Beitrag zum damaligen Trend des „Expanded Cinema“, das die herkömmliche Filmprojektion überschreiten wollte. Dennoch entstanden ab den späten siebziger Jahren auch reguläre Spielfilme wie „Unsichtbare Gegner“ (1977), „Menschenfrauen“ (1980) oder „Die Praxis der Liebe“ (1985), die auf Filmfestivals Preise gewannen.

          Immer wieder zog es Valie Export in den öffentlichen Raum, wo auch ihre Fotoserie „Körperkonfigurationen“ entstand. Der Körper der Künstlerin „vermisst“ darin die gebaute Umwelt, indem sie sich an Hausecken oder Treppen schmiegt. Die Fotografien wurden zuletzt in einer Einzelausstellung der Salzburger Galerie Thaddaeus Ropac gezeigt, die Valie Export seit 2017 vertritt. Die lange vom Kunstmarkt verschmähte Wienerin hat viele Jahre an Kunsthochschulen in Amerika und Deutschland unterrichtet. In ihrer Geburtsstadt Linz wurde 2017 das Valie Export Center eröffnet, das den Vorlass der Künstlerin aufarbeitet.

          Im Vorjahr erhielt die mehrfache Documenta-Teilnehmerin in Zürich den hochdotierten Roswitha Haftmann-Kunstpreis. In den letzten Jahren hat sich Valie Export vor allem mit der Realisierung großer Videoinstallationen und Skulpturen beschäftigt. Dass die Ziele des Feminismus noch lange nicht erreicht sind, hat die Künstlerin abermals während der Metoo-Debatte bekräftigt. An diesem Sonntag feiert Valie Export ihren achtzigsten Geburtstag.

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