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Japanische Holzschnitte : Verherrlicht, verfemt, verrucht

Es ist eine kleine Sensation aus eigenen Mitteln: Das Kölner Museum für Ostasiatische Kunst präsentiert eine hinreißende Ausstellung zum japanischen Holzschnitt.

          Tu felix Colonia! Im Museum für Ostasiatische Kunst ist eine Ausstellung zu sehen, die allem die Schau stiehlt, was in den letzten Jahren zum Thema gezeigt wurde. Und das war nicht wenig, denn der japanische Farbholzschnitt ist mit seiner für damalige europäische Augen unerhörten Bildsprache der entscheidende Einfluss auf die moderne Malerei. Impressionismus, Art Nouveau und Expressionismus sind ohne ihn nicht denkbar, und selbst das Bauhaus hat die geometrische Abstraktion aus Hokusais Lehrbüchern der Zeichenkunst gelernt. Aber gerade weil die Bedeutung so groß ist, die Faszination so gewaltig war, scheint es in Kunstgeschichtsschreibung und Ausstellungswesen auch schon alles gegeben zu haben, was dazu allgemein zu sagen wäre. Längst sind deshalb Präsentationen einzelner Künstler oder von Motivgruppen Trumpf, die Spezialisierung ist in vollem Gange. Und da wagt sich ein vergleichsweise kleines Museum noch einmal an eine Gesamtübersicht?

          Andreas Platthaus

          Verantwortlicher Redakteur für Literatur und literarisches Leben.

          Wobei das Kölner Haus eine große Geschichte hat, es war das erste seiner Art in Europa überhaupt, als es 1913 eröffnet wurde. Jetzt findet die Schau „Das gedruckte Bild“ aber – leicht verspätet wegen nicht ganz planmäßig beendeter Renovierung – zum vierzigsten Geburtstag des Museums statt. Wie das? Nun, gefeiert wird das Gebäude, ein modernistisches Kleinod des japanischen Architekten Kunio Maekawa, nicht die Institution. Denn deren erstes Domizil fiel im Zweiten Weltkrieg den Bomben zum Opfer. Für die Sammlung galt das gottlob nicht.

          In Europa geschätzt, in Japan missanchtet

          Sie geht in ihrem Kern auf jene Objekte zurück, die das Ehepaar Adolf und Frieda Fischer 1909 der Stadt übergab, als die dem Wiener Industriellen-Erben und seiner Berliner Gattin ein eigenes Museum versprach. Die Fischers waren seit 1897 immer wieder gemeinsam nach Ostasien gereist und hatten dort zielstrebig eingekauft, auch japanische Holzschnitte, die damals in Europa groß in Mode waren, im Herkunftsland aber als populärer Kunstzweig verachtet wurden.

          „Die Museen ignorieren ihn gänzlich“, notierte Frieda Fischer 1898 in ihr Tagebuch: „Tag für Tag fahren wir mit den kleinen Jinrikschas, einer hinter dem andern, von Buchladen zu Buchladen und hocken Stunden um Stunden mit den Händlern beim üblichen Schälchen Tee auf den Matten ihrer bescheidenen Behausungen und wählen aus dem aus allen Gegenden des Landes herbeigetragenen Vorrat Perle auf Perle... Die japanischen Museen werden es schwer haben, Versäumtes nachzuholen. Dass sie eines Tages ihre Anschauungen über diesen Kunstzweig ändern werden, bezweifele ich keinen Augenblick.“ Prophetische Worte. Ein Vierteljahrhundert später musste das Nationalmuseum in Tokio die Sammlung eines Franzosen kaufen, um an einen nennenswerten Bestand zu gelangen.

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