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Kölner Möbelmesse : Gas geben in der Küche für den Mann

Wenn Porsche für Poggenpohl eine Küche für den echten Mann entwirft, darf das Ergebnis schon was kosten. Impressionen von der Kölner Möbelmesse, die für jeden Trend, den sie ausruft, auch das Gegenteil im Angebot hat.

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          Der Teppich ist neu. Doch wurde er nur in Halle 11 der Internationalen Möbelmesse (imm) verlegt, in der - und dafür wurde eigens eine unabhängige, vierköpfige Jury eingesetzt - unter der Kennung „imm pure“ das „qualitätvolle Produktdesign“ Parade steht und, so der Prospekt, „komplette Wohnphilosophien“ ausbreitet. In den zehn anderen Hallen ist es bei dem unscheinbaren graumelierten Bodenbelag geblieben, hier aber befedern bunte, nieren- bis tropfenförmige Kringel in Rot, Orange, Lila und Lindgrün den Schritt des Besuchers, die auch die Setzstufen der Treppen dekorieren oder gar zur Tapete werden und senkrecht die Wand hoch gehen. Der Teppich als Distinktionsmerkmal.

          Andreas Rossmann

          Freier Autor im Feuilleton.

          Die Kölner Möbelmesse scheint es nötig zu haben. Denn um den „exklusiven Anspruch“, den die Halle elf, die früher - in den alten Rheinhallen - noch an erster Stelle stand, war es schon besser bestellt. Sonderlich kritisch scheint die Jury nicht verfahren zu sein, aber womöglich lag es auch an einem nicht durchweg hochkarätigen Bewerberfeld. Jedenfalls fällt auf, dass diesmal gleich mehrere Hersteller, auf die hier bisher Verlass war, nicht angetreten sind: Thonet etwa, um den bedeutendsten zu nennen, glänzt erstmals durch Abwesenheit, und Nils Holger Moormann genügt es offenbar mit einer Werkschau, die ihm das Museum für Angewandte Kunst ausrichtet, am Rhein präsent zu sein.

          Zwar ist Köln nach wie vor die größte Plattform der Branche, doch verliert es qualitativ gegenüber der Konkurrenz in Mailand, wo gleich mehrere designambitionierte deutsche Hersteller vergeblich auf Zulassung warten, weiter an Boden. Darüber kann auch ein neuer Teppich nicht hinwegtäuschen, selbst wenn den nicht irgendjemand, sondern der niederländische Architekt Ben van Berkel, der mit dem Museum für Mercedes-Benz in Stuttgart bekannt geworden ist, entworfen hat. Nur sieht er, popig wie für ein Fernsehstudio von MTV, aus wie von irgendjemandem: Jeder halbwegs talentierte Azubi eines Dekorationshandels hätte das phantasievoller hingekriegt.

          Für knapp die Hälfte eines Cayenne. Mindestens

          Aber der hätte eben keinen Namen, und auf Namen, große und prominente Namen, kommt es, auch wenn es oft dieselben sind, auch im Möbeldesign zunehmend an. Ein solcher Name ist in diesem Jahr Porsche, der sich hier auf Poggenpohl stabreimt. Denn der Herforder Möbelfabrikant hat sich von der Design-Abteilung des Zuffenhausener Sportwagenbauers die Küche P'7340 entwerfen lassen und erobert damit die Pole Position. Denn hochwertiger und ausgeklügelter geht es nicht, teurer natürlich auch nicht. Handelt es sich hier doch, wie es ungeniert heißt, um die „Küche für den Mann“: Sachlich, großspurig, komfortabel, luxuriös, mit rechteckigen, „maskulinen“ (?) Grundformen - und idiotensicher.

          So kommt diese Küche ganz ohne Griffe, Knebel und Knöpfe aus: Ein sachtes Antippen genügt, und Türen, Klappen, Auszüge und Schubkästen öffnen sich. Wer nicht gleich daran denkt, sie wieder zu schließen, bekommt auch das abgenommen: Selbsttätig ziehen sie sich nach wenigen Sekunden (die Zeit ist individuell einstellbar) in die endgültige Position zurück. Noch gibt es nur den Prototyp, doch ab Mai wird der Küchenporsche vom Band rollen und mächtig Gas geben. Denn der Preis soll bei knapp der Hälfte dessen beginnen, was ein Cayenne kostet.

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