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Kölner Denkmalposse : Macht das Flügelauto endlich die Fliege?

Eine Kommune zeigt dem Gesetzgeber den Vogel: Um das Flügelauto des Aktionskünstlers HA Schult, das auf dem Dach des alten Zeughauses in Köln steht, ist ein Streit entbrannt. Darf das Auto wieder landen?

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          Ende dieses Monats geht der Kölner Stadtkonservator Ulrich Krings in den Ruhestand. Seinen letzten Arbeitstag aber hatte er bereits am vergangenen Freitag, und da hat er der Stadt noch ein kleines Kuckucksei ins Nest gelegt.

          Andreas Rossmann

          Freier Autor im Feuilleton.

          Ihr Vogel nämlich, das Flügelauto des Aktionskünstlers HA Schult auf dem alten Zeughaus, ist gerade ausgeflogen. Anfang letzter Woche ließ es das Stadtmuseum von seinem Turm nehmen, um es wegen Rostschäden zu Ford in die Werkstatt zu geben, wo sich zwölf Azubis daran vier Wochen lang die ersten Sporen verdienen.

          Der Stadtkonservator sah eiskalt seine Chance und untersagte durch einen Bescheid gemäß § 9 Denkmalschutzgesetz Nordrhein-Westfalen die Wiederaufstellung, weil es sich - so seine Begründung in Kürze - bei der erstmaligen Installation 1991 einvernehmlich um eine „befristete“ Duldung gehandelt habe, die nach volksbelustigenden Hakeleien vor allem mit dem ehemaligen Regierungspräsidenten Franz-Josef Antwerpes zwar mehrere Verlängerungen, aber keine über die - vertraglich fixierte - Genehmigung zum 31. Oktober 2000 hinaus erfahren habe.

          „Illegaler Zustand“

          Die Demontage biete nun, so heißt es in dem Bescheid weiter, „kostenneutral“ die Möglichkeit, diesen „illegalen Zustand“ zu beenden und das denkmalgeschützte „ehemalige Zeughaus der Freien Reichsstadt Köln“, einen schlichten Ziegelbau von 1606, wieder in seinen ursprünglichen Zustand zurückzuführen. Dazu angeregt wurde Krings von Landeskonservator Udo Mainzer, für den „neben den einbaubedingten Substanzverlusten im Turmabschluß“ die Beschädigung der Treppe schon Grund genug darstellen, endlich einzuschreiten.

          Daß sich die populäre Anmaßung des Museums, der Stadt den Vogel zu zeigen, zu der es sich in Folge der 1989 zum sechzigjährigen Bestehen der Fordwerke veranstalteten Ausstellung „Fetisch Auto“ erdreistet hatte, damit erledigt hat, aber ist im kunstsinnigen Köln eher unwahrscheinlich. Nicht nur, weil sich das zweifelhafte Wahrzeichen einiger Beliebtheit erfreut, sondern auch weil sein Erfinder, der selbstdarstellungsgewiefte HA Schult, der sich gern stammtischgemäß als den einzigen Künstler ausgibt, der der Stadt Geld bringt und sie keines kostet, den Nimbus eines Ortsheiligen genießt.

          Reise nach Brüssel

          So ist ihm Oberbürgermeister Fritz Schramma kürzlich, als Schult seine Müllmänner auf der Grande Place in Brüssel inszenierte, eigens - und da fielen für die Stadt dann doch einige Spesen an - nachgereist, um dem Kölner Kunstbotschafter im dortigen Rathaus seines lobrednerischen Beistands zu versichern. Die Posse um die kuriose Landegenehmigung wird also weitergehen, schon hat sich Regierungspräsident Jürgen Roters, im eklatanten Widerspruch zu seinem Vorgänger, für die Erhaltung des goldenen Vogels - denn „das Flügelauto hat sich als Tourismus-Magnet entpuppt“ - ausgesprochen und der Stadt „meine Unterstützung“ zugesichert.

          Die „kölsche Lösung“ ist mithin anberaumt. Daß die öffentliche Hand mit dem Denkmalschutz laxer verfährt, als sie es dem privaten Hausbesitzer zumutet, gehört zwar nicht nur in Köln fast schon zur Tagesordnung, hier aber dürfte es erstmals so weit kommen, daß eine Kommune mit ausdrücklicher Billigung der Aufsichtsbehörde, dem Gesetzgeber den Vogel zeigt.

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