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Kleider des Orients : Was blieb, war der Schleier

  • -Aktualisiert am

In Frankreich ist seit wenigen Tagen das Tragen der Burka verboten. Eine Ausstellung in Paris präsentiert jetzt die Pracht orientalischer Mode vergangener Zeiten. Das Thema Verschleierung aber bleibt weitgehend außen vor.

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          Diese Schau beginnt im dreizehnten Jahrhundert. Es war die Zeit, in der die Mamelucken gegen die Maroniten zu Felde zogen, irgendwo im Qadisha-Tal im Norden vom Libanon. Frauen und Kinder versteckten sich vor den Angriffen der islamischen Krieger in Höhlen, die, wenn sie ungünstig lagen, zur Falle werden konnten. Wenigstens einmal ist das auch geschehen. Erst im Jahr 1991 haben Archäologen in einer der vielen Grotten des Hochtals die Leichen von fünf Frauen und drei kleinen Mädchen gefunden - vollständig mumifiziert und so gut erhalten, dass man heute sogar eines der Kleider, die ein Mädchen zum Zeitpunkt seines Todes trug, in Paris betrachten kann. Es ist kaum einen Meter lang und aus weißer Baumwolle, es fällt kegelförmig bis zum Boden und weist am Kragen Stickereien aus roter und blauer Seide auf. Ein spektakulärer Fund ist es aber nicht nur aus archäologischer Sicht; auch modehistorisch ist das Kleid eine Sensation, da es beweist, dass die Frauen des Orients über Jahrhunderte einen gleichbleibenden Stil pflegten.

          Lena Bopp

          Redakteurin im Feuilleton.

          Der T-Schnitt des Kleids zieht sich durch die gesamte Ausstellung, die das Musée du Quai Branly den Trachten dieser Frauen gewidmet hat. Zusammengestellt wurden Kleider aus dem Nahen Osten, die sich im Schnitt gleichen, deren Farben, Muster und Stickereien aber höchst unterschiedlich ausfallen. Gleichgültig, ob sie in Jordanien, Syrien oder Palästina lebten, ob sie als Beduininnen über das Land zwischen Sinai und Negev zogen oder in den Städten wohnten, ihre Kleider waren von einer auf den ersten Blick erschreckenden Uniformität: Sie alle reichen bis zu den Knöcheln und sind so weit geschnitten, dass die Silhouetten der Körper verschwinden. Die Ärmel gehen bis zu den Handgelenken und sind nicht selten derart verlängert, dass sie - wie die Flügel von Vögeln - auf dem Boden schleifen. Der Stoff der gut vier Dutzend Kleider, die an Bügeln im Dämmerlicht hängen, ist schwer und warm und scheint kaum tauglich für den Alltag in einer Gegend, in der die Sommer heiß und lang sind.

          Ein ehrenvolles Anliegen

          Auf den zweiten Blick ist natürlich alles ganz anders. Denn selbstverständlich liegen auch bei diesen Kleidern die feinen Unterschiede im Detail. Vor allem den Stickereien gilt das Augenmerk dieser Schau, was nicht verwundert, da doch der französische Designer Christian Lacroix mit der „künstlerischen Leitung“ betraut wurde. Er dürfte dafür verantwortlich zeichnen, dass die Kleider hier allein unter modischen und handwerklichen Gesichtspunkten betrachtet werden, eine Beschäftigung mit den gesellschaftlichen und natürlich auch religiösen Kontexten, in denen sie existierten, aber vollständig ausbleibt. Bemerkenswert ist jedenfalls, dass in der Schau so gut wie keine Schleier zu sehen sind, kaum etwas von jenen textilen Accessoires, die eine Debatte über die religiösen Gebote in Gang bringen könnten, mit denen sich die Frauen im Orient in der Wahl ihrer Kleidung seit Jahrhunderten beschäftigen mussten - und nach wie vor müssen.

          Das ist umso befremdlicher, als das Musée du Quai Branly gerade dafür ein sehr geeigneter Ort gewesen wäre. Zwar ist richtig, worauf das Museum verweist, dass sich die Ausstellung nämlich in einem kleinen Abschnitt eigens der Kopfbedeckung der Beduininnen widmet - allerdings präsentiert man die reich mit Gold- und Silbermünzen verzierten Schleier, die oftmals über Mund und Nase reichten, hier wie reinen Kopfschmuck - und weicht der Frage nach ihrem religiösen Symbolcharakter damit aus.

          Eine vergebene Chance

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