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Katharina Fritsch kuratiert „Wrong“ : Neben dem Strom

  • -Aktualisiert am

Das Richtige im Falschen: Katharina Fritsch, von diesem Semester an Professorin für Bildhauerei an der Düsseldorfer Akademie, versucht sich als Kuratorin. Ihre Schau „Wrong“ versammelt Querdenker und Grenzgänger.

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          Alles begann mit einem Popsong. In „Wrong“ singt die britische Band Depeche Mode davon, wie es ist, zur falschen Zeit aus den falschen Gründen am falschen Ort zu sein und überhaupt ein Leben zu führen, in dem so ziemlich alles falsch läuft. In der Kunst markiert die Beurteilung als „falsch“, also irgendwie neben dem Trend, der Zeit oder den Erwartungen liegend, häufig das Ende einer Karriere. Derart stigmatisierte Künstler landen am Rand der Szene, oder sie hören auf. Oder: Sie machen weiter, wenig daran interessiert, was die Welt über ihre Arbeit denkt.

          Katharina Fritsch hat jetzt gemeinsam mit Gertrud Peters einige dieser Künstler, deren Biographien und Werke nicht reibungslos den Erfordernissen eines Mainstreams entsprechen, in ihrer Ausstellung „Wrong“ im Düsseldorfer „Kunst im Tunnel“ versammelt. Ein Bezug zum Düsseldorfer Akademieumfeld scheint naheliegend bei der Künstlerin Fritsch, die dort studierte und von diesem Semester an Professorin für Bildhauerei an der Düsseldorfer Akademie sein wird. Wer jedoch ausschließlich einen einvernehmlichen Reigen von Freunden und Weggefährten erwartet, wird überrascht: Düsseldorf steckt den Rahmen, doch reicht die bewusst subjektive Künstlerauswahl darüber hinaus.

          Beinahe zufällig erfand sie eine neue Gattung

          Im Zentrum der Schau steht eine Wiederentdeckung: Mit fragilen, winzigen Skulpturen ist die lange Zeit vergessene Künstlerin Elsa von Freytag-Loringhoven vertreten; darunter das erste Objet trouvé der Kunst: „Enduring Ornament“, ein auf der Straße gefundener, rostiger Eisenring, der ihr als Ehering diente oder ein aus Abfällen gemachtes Ohrring-Objekt, das aussieht wie das Modell einer kinetischen Skulptur. 1874 in Polen geboren, studierte Elsa von Freytag-Loringhoven Kunst und Schauspiel in Berlin, ging nach New York und wurde dort im Umfeld von Man Ray und Marcel Duchamp mit ihren dadaistischen Performances und erotischen Gedichten bekannt. Sie, die sich auf kein Genre festlegen ließ, erfand beinahe zufällig eine neue Gattung: Sie erklärte ein auf der Straße liegendes Abflussrohr zum wohl ersten Readymade überhaupt. Dies wurde von den berühmten Männern, die um sie herum Geschichte schrieben, nicht vermerkt - Elsa von Freytag-Loringhoven starb im Jahr 1927 isoliert und verarmt in Paris.

          Freytag-Loringhovens grenzgängerischer Aplomb wird in „Wrong“ umringt von jungen Künstlerinnen, für die sie als eine Ahnherrin fungiert. Die Skulpturen der 1987 geborenen Mercedes Neuss irritieren zunächst in ihrer Theatralität: Neuss zeigt zwei ineinander verkeilte Schuhe, eine Vogelspinne im Vogelkäfig und einen Fisch mit gebrochenen Beinen. Wem diese Werke gänzlich „wrong“ erscheinen, sollte kurz zurückdenken: Sie erinnern an die Mannequins der Surrealisten aus den dreißiger Jahren, etwa an eine Dame im Käfig von André Masson. Und in ihrer Nähe zum Surrealen scheinen Neuss' Arbeiten wiederum auch den fotografischen Stillleben von Wols ganz nah, die von der Wand gegenüber grüßen, wie ein „Hase mit Kamm und Mundharmonika“ aus dem Jahr 1939.

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