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Karl Lagerfeld : Der Sonnenkönig, den Deutschland nie hatte

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Nicht nur im Kampf gegen die Schwerkraft hat er Siege davongetragen: Einzig Karl Lagerfeld bestimmt, wer Lagerfeld ist. Sein Name gleicht einem Denkmal, das die Zeit überdauern wird. Eine Verbeugung.

          Seine neue Wohnung am Pariser Quai Voltaire bezeichnet Karl Lagerfeld als Weltraumschiff. Mit siebzig Jahren scheint er über allem zu schweben. Auch das „Mobile Museum“, das er für Chanel bei Zaha Hadid in Auftrag gab, hat die flache Form eines Ufos. Als er es Anfang des Jahres in Hongkong eröffnete, hing die internationale Presse wie ein Bienenschwarm an ihm. Doch niemand sprach ihn an, während er würdevoll einen Schritt vor den anderen setzte. Die surreale Szene glich halb einem Staatsbesuch und halb einer Geiselnahme. Als konnten sich die zierlichen asiatischen Moderedakteurinnen in ihren aparten Chanel-Ensembles nicht sicher sein, ob hinter der dunklen Brille, die der Gast auch am Abend trägt, nicht doch ein grünes Männchen steckte. Gewiss war nur eines: dass sie nach diesem Superstar noch ihre Kindeskinder fragen werden. Die Antwort wird nicht einfach sein, denn wie Madonna ist der Couturier allen Festlegungen erfolgreich entkommen. Doch er ist zwanzig Jahre länger als sie im Rennen und läuft und läuft und läuft.

          Eine genaue Vorstellung vom Ergebnis

          Lagerfelds Willensstärke ist phänomenal, und es fehlt nicht viel, dass er sich aus eigener Kraft wie ein Shaolin-Mönch in die Luft erhöbe. Auch er verbindet klösterliche Askese mit jenem Titanismus, der seit zwei Jahrhunderten damit beschäftigt ist, die Träume der Romantik zu Tatsachen zu machen. Inzwischen hat dieser proteische Wille selbst die Grenzen der Biologie überwunden. Gen-Technik, Medizin und plastische Chirurgie arbeiten daran, der Menschheit die Stachel von Verfall und Sterblichkeit zu ziehen. Doch kaum jemand weiß ein Mittel gegen die Langeweile, die die ewig Heutigen bei sich und den anderen auslösen. Karl Lagerfeld jedoch gehört zum kleinen Kreis einer Elite, die ihren Erfolgen nicht zum Opfer fiel, nie dauerhaft aus der Mode kam, dem Ennui der Arriviertheit entging und für ihre Siege nicht zu alt geworden ist.

          Der Couturier begann als phantasiebegabter Romantiker. Ein Schulfreund erzählte, dass mit ihm nur spielen konnte, wer sich zum Tagträumen mit ihm traf. Doch schon als der Teenager nach Paris umzog und dort bald mit einem Mantelentwurf neben Yves Saint Laurent einen ersten Preis im Wettbewerb des Internationalen Wollsekretariats gewann, machte er aus Möglichkeiten Taten. Lagerfeld senior hatte es als Direktor von Glücksklee in Hamburg weit gebracht, doch den entscheidenden Einfluss auf die Karriere des Sohnes nahm seine Mutter, die er als ungeduldige und von kindlichem Gebaren wenig erbaute Dame schildert. In der Hoffnung, Gnade vor ihr zu finden, wurde er nicht nur zu einem Unterhaltungsgenie, er entfaltete auch jene Kaltblütigkeit, die ihn bis heute daran hindert, dem eigenen Narzissmus die Zügel schießen zu lassen. Drohende Selbstgefälligkeit unterläuft bei ihm sofort das faustische „Nun aber zu was Neuem!“ Er verstehe gar nicht, sagte Lagerfeld, als er die Werbekampagnen für die von ihm betreuten Modehäuser selbst in die Hand nahm, warum andere Fotografen Tage brauchen und ewig experimentieren. Er selbst sei in ein paar Stunden fertig, denn er habe eine genaue Vorstellung vom Ergebnis, und wenn man ihn nach anderen Optionen frage, laute die Antwort: Es gibt keine zweiten Optionen.

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