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Maler Günter Rittner ist tot : Populärer Porträtist

Behielt den Durchblick: Der Maler Günter Rittner schaut in seiner Münchner Wohnung durch einen leeren Bilderrahmen, während rechts im Hintergrund eine Bleistiftstudie von Ex-Kanzler Ludwig Erhard zu sehen ist. Bild: dpa

Er malte sie alle, ob Schauspieler, Kanzler oder Theologen. Zum Tod des umtriebigen Bildniskünstlers Günter Rittner.

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          Mit dem 1927 in Breslau geborenen Günter Rittner ist mit weit über tausend bekannten Porträts einer der fleißigsten deutschen Maler der Gegenwart gestorben. Der Künstler war vor allem mit seinen markanten Bildnissen Prominenter wie Heinz Rühmann, Curd Jürgens, Paul Verhoeven oder Therese Giehse populär geworden, hatte aber auch zahlreiche Politiker wie Walter Scheel oder Franz Josef Strauß verewigt. Mit Rittners spätexpressionistischen Porträts von Ludwig Erhard und dessen Nachfolger Kurt Georg Kiesinger begründete Bundeskanzler Helmut Schmidt 1976 die Kanzlergalerie im Bundeskanzleramt.

          Stefan Trinks

          Redakteur im Feuilleton.

          Anders aber als bei Helmut Schmidts durch den DDR-Maler Bernhard Heisig angefertigtem Kanzlerporträt gab es bei Rittners Bildnissen keine Kritik, obwohl er beispielsweise Ex-Kanzler Erhard mit weit hochgezogenen Augenbrauen einen äußerst skeptischen Blick mitgegeben hatte, der so gar nicht zum Rest des Porträts mit dem zigarrerauchenden und stets gelassene Zuversicht verströmenden Kanzler im dunkelblauen Anzug und ebensolcher Krawatte mit bunten Einsprengseln passen wollte.

          Nie ohne seine Zigarre: Mit dem Porträt Ludwig Erhards von Günter Rittner begann Helmut Schmidt 1976 die sogenannte Kanzler-Galerie.
          Nie ohne seine Zigarre: Mit dem Porträt Ludwig Erhards von Günter Rittner begann Helmut Schmidt 1976 die sogenannte Kanzler-Galerie. : Bild: Jens Gyarmaty

          Van Gogh als Vorbild

          Eine leise mitschwingende Melancholie war fast allen seinen Bildern abzulauschen und so verwundert es nicht, dass Rittner auf die Frage nach seinen künstlerischen Vorbildern meist die großen Skeptiker Vincent van Gogh, Edvard Munch und Käthe Kollwitz nannte. Nicht zuletzt war seine Entscheidung für die Kunst wie bei so vielen Altersgenossen durch den Zweiten Weltkrieg geprägt: 1945 in britische Kriegsgefangenschaft geraten, malte er - auch dies ein Topos der „Berufung“ künftiger deutscher Künstler im Krieg - reihenweise Mitgefangene auf Toilettenpapier sowie die Lagerwachen und den Kommandanten in Pastell. Durch bezahlte Porträts von Angehörigen der amerikanischen Besatzungsmacht konnte er nach der Gefangenschaft ein Studium an der Akademie der Bildenden Künste in München finanzieren, wo er bis zu seinem Tod lebte und arbeitete.

          Nach schwerer Krankheit hatte Rittner in den letzten Jahren nur noch wenig malen können. Nun ist er im Alter von dreiundneunzig Jahren in einem Münchner Seniorenheim verstorben, wie sein Sohn am Donnerstag bestätigte.

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