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Exat51 in Krefeld : Deko-Bomben vom Balkan

  • -Aktualisiert am

„Komposition IV“ von Ivan Picelj aus dem Jahr 1957 Bild: Museum of Contemporary Art, Zagr

Im Mies-van-der-Rohe-Haus Lange in Krefeld ist die jugoslawische Künstlergruppe Exat51 als Exit-Strategie aus dem Sozialistischen Realismus zu sehen. Wir waren für Sie da.

          4 Min.

          Die Abstraktion als Ausdruck kultureller Freiheit, schon gar als „Weltsprache“ mutet heute einigermaßen suspekt an, zumal wenn außer Acht gelassen wird, durch welche Art von Public Relation sie in den fünfziger Jahren des vorigen Jahrhunderts in der westlichen Welt nach vorn geschoben worden war. Ausgerechnet der amerikanische Nachrichtendienst CIA förderte die ungegenständliche Kunst – in geheimer Mission – als Ausweis demokratischer Ideale und flocht dafür ein dichtes Netz der Finanzierung von Ausstellungen, Symposien und Publikationen. Mag dies auch schon länger bekannt gewesen sein, so überraschen doch die Ausmaße der verdeckten Geheimdienst-Aktivitäten, wie sie derzeit in der Ausstellung „Parapolitik“ im Berliner Haus der Kulturen des Welt sichtbar gemacht werden.

          In eben jenen fünfziger Jahren konstituierte sich in Zagreb eine Avantgarde im Zeichen der Abstraktion. Als Antwort auf den sozialistischen Realismus, vor allem aber als adäquate Sprache für gesellschaftlichen Fortschritt, den der Zusammenschluss aus Architekten, Designern und Künstlern in der Synthese der Genres anstrebte: „Exat 51“ – für „Experimental Atelier“, begründet 1951. Eine sehenswerte Ausstellung im Krefelder Haus Lange erinnert an die künstlerische Allianz. Entstanden ist die Schau in Zusammenarbeit mit dem Museum für zeitgenössische Kunst in Zagreb, dem ersten Museum in Europa, das, 1954 eröffnet, die „zeitgenössische Kunst“ in seinem Namen führte.

          „Balkanische Dekorationsexplosion“ in Hannover

          Exat 51 kam zusammen, nachdem Tito als Staatschef das Kunststück fertiggebracht hatte, die Sozialistische Föderative Republik Jugoslawien aus dem Warschauer Pakt fernzuhalten und das Land als blockfrei zu behaupten. Die Frage drängt sich auf, ob auch die Exat-Gruppe, womöglich ohne eigenes Wissen, aus amerikanischen Budgets unterstützt worden ist – was offenbar nicht der Fall war, wie man mit einer gewissen Erleichterung feststellt, ist damit wenigstens diese Utopie einer sozialen Erneuerung historisch nicht mit dem fragwürdigen Support kontaminiert. Dies bleibt deshalb bemerkenswert, weil der junge Staat Jugoslawien zielstrebig den Anschluss an den Westen suchte.

          Synthese der Künste im Jugoslawien der Nachkriegszeit,  Mies-van-der-Rohe-Haus Lange, 2017

          Ein kurzes, aber hochinteressantes Kapitel bleibt der Exat-Vorstoß nicht zuletzt deshalb, weil er sich unorthodox zwischen den Polen von ideologischer Figuration und bürgerlichem Modernismus verortete. Architektur, Wohnraumgestaltung und Design galten als ebenso wichtig wie Malerei, Bühnenbild, Typographie und Trickfilm. Somit reaktivierte die Gruppe wesentliche Elemente des Bauhaus-Gedankens ganz konkret in der gesellschaftlich-ökonomischen Realität der Nachkriegszeit. Zu den weithin beachteten Betätigungsfeldern der Künstler und Architekten zählte der Messebau. Mehrfach machten Bernardo Bernardi, Zdravko Bregovac, Božidar Rašica, Vjenceslav Richter oder Aleksandar Srnec in den fünfziger Jahren mit vielbeachteten, teils preisgekrönten jugoslawischen Pavillons auf Tourismus- und Handelsmessen oder Weltausstellungen in Chicago, Paris, Mailand und Turin auf sich aufmerksam.

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