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Ausstellung in Duisburg : Kohlenstoff und Kohleauge

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Er verstand es, Materialien wie Stahl und Kohle zu poetisieren: Im Museum Küppersmühle in Duisburg ehren große Künstler den verstorbenen Jannis Kounellis und seine „arme Kunst“ mit ihren Werken.

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          Die bevorzugten Ausstellungsorte für Jannis Kounellis waren aufgelassene Industriehallen, die wie Resonanzkörper sein Werk als Ausdruck des industriellen Zeitalters verstärken. Entsprechend freute er sich, als ihm vor zweieinhalb Jahren Walter Smerling eine Ausstellung im Museum Küppersmühle in Duisburg vorschlug.

          Der Ort, wie sein Name besagt, eine ehemalige Mühle, ist ein großes gründerzeitliches Backsteingebäude auf dem ehemaligen Industriegelände an der Hansegracht. Der Weg dorthin führt über holperiges Kopfsteinpflaster mit eingelassenen Schienen für Transportfahrzeuge. Durch den plötzlichen Tod des Künstlers im letzten Jahr wurde daraus eine „Hommage an Jannis Kounellis“, in deren Zentrum sein poetisch hermetisches Œuvre steht. Da er die Räume nicht mehr wie Bühnen selbst inszenieren konnte, wurde daraus eine Ausstellung mit Einzelwerken, Leihgaben aus Museen, Galerien und Privatbesitz. Ergänzt wird dieses Magnetfeld Kounellis von sechs Künstlern, die in unterschiedlichster Weise auf sein Werk reagieren. Das geschieht mit Installationen, Aktionen, Fotodokumentationen und einem mit Kohle gezeichneten Animationsfilm über die Bergwerkssituation in China – ein künstlerisch und intellektuell anspruchsvoller Beitrag.

          Sie kannten ihn persönlich

          Er schildert andere Zustände als der gezeichnete Bergwerksfilm des Südafrikaners William Kentridge, der parallel dazu im benachbarten Lehmbruck Museum gezeigt wird. Mit Ausnahme dieses Pekinger Künstlers Sun Xun kannten sie alle noch Kounellis persönlich. Bernar Venet erwarb in seiner Verehrung sogar zwei Werke von ihm, die jetzt in der Ausstellung zu sehen sind.

          Jannis Kounellis im Jahr 2014.

          „Hommage an Jannis Kounellis“ ist Teil des großen Ausstellungsprojekts der Ruhr-Kunst-Museen zum Thema „Kunst und Kohle“, das gleichermaßen Vergangenheit und Gegenwart befragt. Anlass gibt das Ende der Steinkohleförderung in Deutschland, das speziell das Ruhrgebiet betrifft. Was sich mit dem Material Kohle alles verbinden, wahrnehmen und assoziieren lässt, wird viele Besucher erstaunen. Gerade das titellose Werk von Jannis Kounellis steht für viele verborgene Sinnzusammenhänge.

          „Lacrimosa“ könnte diese herausragende Ausstellung heißen, und das keinesfalls rein vordergründig, weil einer der Künstler, Michael Sailstorfer, zu Ehren von Jannis Kounellis und wohl auch als Hommage an das Material und seine Geschichte einen „Tränenraum“ entwarf. Es ist der Ort der Tränenproduktion. Vorgeführt wird dort der hydraulische Prozess, wie aus Kohlenstaub Tränen erzeugt werden können, und sei es auch nur gepresste Kohle nicht in Brikett-, sondern Tränenform, die am Ende der Ausstellung wieder in Brennstoff verwandelt werden soll. Dafür steht das kleine alte gusseiserne Öfchen bereit. Aus dem hohen Ofenrohr wird dann zumindest symbolisch zum letzten Mal schwarzer Rauch aufsteigen. Rauch, das war auch eines der Mittel, zu denen Kounellis griff, wenn er ihn nicht mit Kohlestift zeichnete, sondern real ins Bild setzte.

          Man könnte in Sailstorfers Produktionsstätte schnell ein Augenzwinkern wahrnehmen, drängte sich da nicht die Assoziation zu einer Kohlefiguration auf, dem glänzenden schwarzen Gagat. Wegen seines auffallend blau schimmernden Glanzes wurde aus dem Kohlestein seit dem Mittelalter nicht nur Trauerschmuck gefertigt. Künstler nutzten ihn wegen seines symbolträchtigen saphirähnlichen Lichts selbst für die intarsierten Augen von Christusdarstellungen aus Elfenbein. Die Anregung dazu gab eine Verszeile aus dem Hohelied des Salomon.

          Der Tränenraum artikuliert sich entscheidend aber erst durch seine Nachbarräume: den Raum von Ayse Erkmen, der dem Feuer bringenden Prometheus gewidmet ist, einen weiteren mit der beklemmenden Installation der Lazarettbetten von Jannis Kounellis, Betten, in denen zerschossene Metallteile von Kriegsgerät wie menschliche Körper in Militärdecken gehüllt liegen. Als gedankliches Scharnier liegt dazwischen der bühnen-, ja etwas allzu kulissenhaft pathetische Raum von Anselm Kiefer – „Klingsors Garten“ als verwüstete menschenleere Landschaft mit Kohleresten auf dem Boden, denen raumhohe verkohlte Sonnenblumen aus Eisen entsteigen.

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