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Kulturgutverluste : Die Suche nach Raubkunst geht weiter

Die Suche nach NS-Raubgütern in Museen, Archiven und Bibliotheken ist die größte Aufgabe des Deutschen Zentrums Kulturgutverluste. Uwe M. Schneede, der Vorstand der Stiftung, zieht nach dem ersten Jahr im Gespräch Bilanz.

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          Herr Schneede, Sie sind Vorstand des Deutschen Zentrums Kulturgutverluste. Wie fördert die Stiftung die Suche nach Raubkunst?

          Regina Mönch

          Freie Autorin im Feuilleton.

          Ein Förderbeirat, dem Hermann Simon vorsteht, entscheidet über die Förderung der von Museen, Bibliotheken und Archiven vorgeschlagenen Forschungsprojekte. Später muss jede Institution ihre Resultate an uns übermitteln, das ist neu. Wir stellen sie ins Netz, damit andere Provenienzforscher sie nutzen können. Und wir konnten die Provenienzforschung stark erweitern, auch auf kleinere Museen. Wir wollen aber alle Museen, die eine ältere Sammlung haben, auch die der Universitäten, bewegen, sich dieser Aufgabe zu stellen.

          Ein Versprechen bei der Gründung der Stiftung war die Intensivierung der Forschung auch außerhalb von Museen.

          Wir fördern zum Beispiel das Zentralinstitut für Kunstgeschichte in München, das den Fund der Geschäftsbücher von Adolf Weinmüller untersucht. Oder das Kunsthistorische Seminar der Universität Hamburg, in dem über die Kunsthändler Alex Vömel – Mitarbeiter von Alfred Flechtheim, der dessen Düsseldorfer Galerie übernahm – und Karl Buchholz geforscht wird. Buchholz war einer der Kunsthändler, den die Nationalsozialisten beauftragt hatten, als entartet stigmatisierte Kunst im Ausland zu verwerten.

          Wird inzwischen auch zu Enteignungen in der DDR und der Sowjetischen Besatzungszone geforscht?

          Das ist eine Aufgabe, die bereits im Koalitionsvertrag festgelegt ist. Dabei geht es für uns nicht um Restitutionen, wir unterstützen die Forschung dazu. Die Fälle sind sehr unterschiedlich und komplex. Privatleute wurden auf verschiedene Weise enteignet, aber immer mit einem Ziel: die Objekte über den staatlichen Kunsthandel ins westliche Ausland, auch in die Bundesrepublik zu verkaufen, um Devisen zu beschaffen. Das muss endlich aufgearbeitet werden.

          Rechtsfragen kamen in der Provenienzforschung lange nur am Rande vor. Wird sich das ändern?

          Das ist schwierig, weil sich die Anwälte der Erben und der Museen häufig gegenseitig blockieren und mit vielerlei Vorurteilen begegnen. Wir haben uns mit einer Gruppe von Anwälten verabredet, um zu erörtern, wie man zu einer sinnvollen Zusammenarbeit kommen kann. Das Zentrum kann eine Mittlerrolle spielen.

          Ist es gelungen, die Provenienzforschung auch an Universitäten zu etablieren?

          Das braucht seine Zeit, zumal es auch Grundlagenforschung zum Kontext von Kunstraub geben soll, die Museen nicht betreiben können. Etwa zur Rolle des Kunsthandels, zu den Biographien der Sammler, die betroffen waren, oder zu den in Kunstraub verstrickten Museumsdirektoren. Ich habe inzwischen einen Stifter gefunden, der eine Professur finanzieren wird; und es gibt eine weitere Stiftung, die Interesse bekundet, einen oder zwei Lehrstühle mitzufinanzieren. Es wird zentral um die Provenienzforschung zu NS-Raubgut gehen, aber natürlich müssen auch andere Kunstraubzüge, von Napoleon bis ins heutige Syrien, in den Blick genommen werden.

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