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Museumsdirektor Max Hollein : Wir werden uns wieder umarmen

Max Hollein im Metropolitan Museum of Art, New York Bild: The NewYorkTimes/Redux/laif

Das Metropolitan Museum ist das größte Kunstmuseum der Vereinigten Staaten. Wegen Corona entfällt die Party zum Hundertfünfzigsten. Direktor Max Hollein erklärt, wie es nun weitergeht.

          8 Min.

          Herr Hollein, eine gemeine Einstiegsfrage: Welches ist Ihr Lieblingsobjekt unter den mehr als zwei Millionen Kunstwerken im Haupthaus, welches im ausgelagerten Mittelaltermuseum Cloisters in Nord-Manhattan, welches im Met Breuer?  

          Stefan Trinks

          Redakteur im Feuilleton.

          Ja, das fängt wirklich gleich einmal mit einer unbeantwortbaren Frage an. In einer derart enzyklopädischen Sammlung wie der des Met, lässt sich das nicht abschließend ausmachen - und andererseits schaut natürlich jeder von unseren über 150 Kuratoren, die für unterschiedlichste Sammlungsbereiche zuständig sind, darauf, was ich jetzt antworte. Ebenso verändert sich stets der eigene Blick, die eigenen Fragen an die Sammlung. Ich bin auch während der Museumsschließung derzeit oft im Met, und wenn ich dann alleine durch unsere Galerien im Halbdunkel gehe – ein manchmal nahezu unheimliches Gefühl – dann ist mir zuletzt eine Smiling Figure aus Mesoamerika  ins Auge gefallen. Sie hat einen fröhlichen Gesichtsausdruck, grinst vom einen bis zum anderen Ohr und richtet eine Hand nach oben, wie zu einem High Five. In dieser Zeit großer Ungewissheit und schlechten Nachrichten ist diese Figur wieder mit neuer Bedeutung aufgeladen und ein Zeichen sich auf die Tage zu freuen, an denen wir alle wieder zusammenkommen können. In der Sammlung des Met Cloisters beschäftige ich mich derzeit intensiv mit unseren prachtvollen Einhorn-Wandteppichen, die wir, sobald der internationale Leihverkehr wieder möglich ist, in einer Sonderausstellung mit den Pendants aus dem Musée de Cluny zeigen – zum ersten Mal seit fast fünfhundert Jahren werden die beiden Zyklen am selben Ort zu sehen sein. Und im Met Breuer, das so gesehen keine eigene Sammlung hat, war ich zuletzt besonders fasziniert von Gerhard Richters neuem Glasobjekt „House of Cards“, welches wir in umfassenden Ausstellung zu seinem Gesamtwerk zeigen – und nach zehn Tagen Laufzeit schließen mussten.

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