https://www.faz.net/-gqz-7ztx7

Juergen Teller im Gespräch : Paar schöne Stunden waren das

  • -Aktualisiert am

Bei Ihnen schauen die Leute oft sehr besonders in die Kamera. So eine Mischung aus erschöpft und auf irgendwas wartend. Ist das ein Moment, wo Sie schon ganz viele Fotos gemacht haben – und dann ist bei denen auf einmal die Spannung raus und sie sind kurz ohne eigene Idee?

Schauen die so besonders?

Ja, da ist oft so ein Verharren im Blick. Als wäre gerade etwas Entscheidendes gesagt worden, und jetzt ist die Pause danach.

Das ist halt die Kommunikation, die ich mit der Person habe. Weiß ich jetzt auch nicht.

So gucken Leute Sie halt an?

Ich sage jedenfalls niemandem, dass er so oder so gucken soll. Und ich hab ja auch viele Fotos, wo Leute lächeln. Oder traurig sind. Ist ja alles da. Aber stimmt schon, mich zieht schon was Bestimmtes an. Vielleicht so ’ne certain seriousness. Aber für das neue Buch wollte ich eine fröhliche Energie. Das war einfach auch ein super Jahr, 2014.

Das Buch ist toll prollig und so gut gelaunt, dass es gute Laune macht. Unter anderem sind mehr als 100 Fotos darin zu sehen, auf denen Sie mit Ihrem Sohn und anderen in einem Pub das WM-Endspiel anschauen.

Die hat zum Beispiel meine Assistentin gemacht. Da braucht man ja jemanden, der sich nicht so fürs Spiel interessiert.

Sie haben schon mal ein Buch über Fußball gemacht, 2002, „Nackig auf dem Fußballplatz“. Warum wieder?

Weil Deutschland wieder im Endspiel war. Als das feststand, war für mich klar, das muss ich fotografieren, schon als Zeitdokument. In zwanzig Jahren schaut sich das mein Sohn an, oder ich schau’s mir an und freue mich wieder.

Es sind auch Fotos von der Siegerehrung auf der Fanmeile. Sind Sie dafür extra nach Berlin geflogen? Ganz normale Fotografenakkreditierung?

Am Sonntag war das Endspiel. Am Montag schaue ich mir die englischen Zeitungen an, völlig verkatert, und dann lese ich, dass die Mannschaft mit einem Siegerflieger in Berlin ankommt. Und da dachte ich, Mensch, da muss ich hin. Es war eigentlich schon viel zu spät, aber irgendwie hab ich noch eine Akkreditierung gekriegt. Schnell Kamera, Reisepass, ab nach Berlin. Gerade noch so den letzten Flieger gekriegt, total aufgeregt, die ganze Nacht nicht geschlafen, ich war fix und fertig, dass ich gleich die Weltmeister fotografiere. Ich fotografiere ja viele Celebrities, aber so starstruck bin ich normalerweise nie. Mit Joan Didion: Hallo, grüß Gott, I like your work, alles normal. Aber da war ich echt fertig. Ich hatte schon fast Minderwertigkeitskomplexe. Ich war ja unten mit den ganzen anderen Fotografen, und die hatten alle so Riesenobjektive und Leitern. Und ich steh da mit der kleinen Kamera. Und dann war das aber genau richtig so, weil du willst ja mit denen gar nicht Hand in Hand sein. Die anderen haben mit der langen Linse Paparazziaufnahmen gemacht, und ich halt so Leni-Riefenstahl-mäßig von unten. Aber das war dann genau gut, Fan-Perspektive halt.

Juergen Teller: „Siegerflieger“. Steidl-Verlag, 400 Seiten, 29,80 Euro

Weitere Themen

„Ein Tag in...“ Video-Seite öffnen

Trailer : „Ein Tag in...“

„Ein Tag in...“ läuft am Sonntag, 24.Februar um 19:30 im ZDF.

Topmeldungen

Straßenszene in Pjöngjang

Pjöngjang fordert Hilfe an : Nordkoreaner müssen hungern

Die Tagesration von Reis, Weizen oder Kartoffeln wird halbiert. Die Welthungerhilfe spricht von einer „bedenklichen“ Lage. Pjöngjang soll schon Hilfe erbeten haben.

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.