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Interview mit Daniel Richter : „Die meisten Maler sind doof“

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Es gibt ja auch von Peter Doig so Figuren, da werden Sie sicher häufiger drauf angesprochen . . .

. . . hmm, ja, ja, öfter . . .

. . . die gehen in eine ähnliche Richtung. Und jetzt gibt es die auch von dem jungen Henning Kles . . .

. . . der arme Henning . . .

Was sagen Sie dazu?

Nix.

Und was sagt Doig dazu?

Das Gleiche. Was soll der sagen?

Vor zwei Jahren gab es dann ganz merkwürdige Bilder, Farbfliesen, die eher nach Richter, Gerhard aussahen als nach Richter, Daniel, verängstigte Harlekine . . . Was war da los?

Die stehen gewissermaßen mit der Stirn vor einer Kunst, die sie ausweglos macht, aber sie stehen auch als soziale Figuren davor. Das ist natürlich eine Auseinandersetzung mit mir gewesen, ich hatte da, glaube ich, ein relativ psychotisches Jahr.

Zur gleichen Zeit wurde im neuen Leipziger Bildermuseum ein regelrechter Heldensaal eingerichtet: nur Daniel Richter und Neo Rauch.

Also, da muss man natürlich sagen: Das muss auch so bleiben. Man müsste sonst ja zwei andere benennen aus der Generation, die da hängen sollen. Viel Spaß. (Lacht.)

Die neuen Malerfürsten.

Ich sehe das Fürstenhafte nicht. Ich sehe einfach nur Bilder. Ich bin Demokrat.

Wie sehen Sie sich denn . . .

. . . in Bezug auf Neo Rauch? Ich bringe ja immer den lauen Gag von der linken und der rechten Hand des Teufels. Und ich muss dann fairerweise sagen, dass auch Neo da sehr herzhaft drüber lachen kann. Lustigerweise nennt sich der Rauch ja gerne einen Konservativen.

Wie eng sind Sie, als „Linker“, und Neo Rauch, als „Konservativer“, denn miteinander?

Ich bin schon befreundet, und ich schätze das Werk. Und ich finde auch interessant, wie das Werk sich entwickelt hat, aus diesem Ernst-Jünger-Arbeiter-Ingenieur-Offiziers-Denken in so ein verrücktes Robert-Williams-Barock-Comicfiguren-Theater. Die Eindeutigkeit, die es da vorher gegeben hat in der Staffage, die ist verlorengegangen, das ist zu so einem opulenten Hollywood-Epos geworden, die Geschichten, das Geheimnis, auch die geheimnisvolle Aura, der Irrsinn, das ist so ein bisschen aus dem Ruder gelaufen. Wie es sich aus diesem senfgelben Muffpott entwickelt hat zu so einem riesigen Halligalli der Farbigkeit, der Multiperspektiven, Oberansichten, Unteransichten - Auffalten das Bild, Zusammenfalten das Bild, Farbverläufe, Himmel in siebzehn Farben . . . Das finde ich schon stark.

Von diesem Lob des Disparaten, Verrückten, Enthomogenisierten, kurz: des guten alten Verlusts der Mitte schließen wir jetzt mal auf Ihre eigenen ästhetischen und bildnerischen Präferenzen - und auf das, was daran tatsächlich strukturell „links“ sein könnte. Aber wenn man schon politisch denkt und so ein Medium zur Verfügung hat, reizt dann nicht die direkte Botschaft? Früher hätten manche eine Verpflichtung zur politischen Wirksamkeit abgeleitet.

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