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Cézanne aus Gurlitt-Sammlung : Der Besitz dieses Bildes hatte eine gewisse Brisanz

  • -Aktualisiert am

Raus aus dem Versteck, rein ins Museum: Nina Zimmer, Direktorin des Kunstmuseums Bern, erklärt, warum Paul Cézannes Gemälde „La Montagne Sainte-Victoire“ von diesem Mittwoch an gezeigt wird.

          Das teuerste Werk aus dem Nachlass von Cornelius Gurlitt ist von diesem Mittwoch an im Kunstmuseum Bern zu sehen. Es handelt es sich um Paul Cézanne Gemälde „La Montagne Sainte-Victoire“. Es gehörte zum Bestand, den der NS-Kunsthändler Hildebrand Gurlitt seinem Sohn Cornelius vermacht hatte. Nachdem das Bild 2013 im Salzburger Haus von Cornelius Gurlitt entdeckt wurde, hatte die Familie Cézanne Anspruch darauf angemeldet. Es stand unter Verdacht, NS-Raubkunst zu sein. Nun konnte eine Einigung mit den Erben erzielt werden. Geld wurde nach Angaben des Museums dafür nicht bezahlt.

          Frau Zimmer, Cornelius Gurlitt hat bei seinem Tod im Mai 2014 seine Sammlung dem Kunstmuseum Bern vermacht. Im November 2017 hat das Kunstmuseum die Ausstellung „Bestandsaufnahme Gurlitt. Der NS-Kunstraub und die Folgen“ eröffnet. Was fehlte, war Paul Cézannes berühmtes Bild „La Montagne Sainte-Victoire“. Wieso kann es erst jetzt gezeigt werden?

          Auf das Gemälde hatte die Familie Cézanne einen Anspruch angemeldet. Solange über den Status des Gemäldes kein Einvernehmen bestand, konnten wir es nicht in der Ausstellung zeigen.

          Das Kunstmuseum Bern hat das Erbe von Cornelius Gurlitt angenommen, jedoch erklärt, nur Werke zu akzeptieren, die nachweislich keine NS-Raubkunst sind. Der Cézanne stand unter Verdacht, NS-Raubkunst zu sein. Was konnten Besucher bisher in der Ausstellung davon sehen?

          Wir haben innerhalb der „Werkstatt Provenienzforschung“ über das Gemälde anhand von Abbildungen informiert und mittels Dokumenten die Diskussion darum öffentlich gemacht.

          Nina Zimmer ist die Direktorin des Kunstmuseums Bern, das mit dem Cézanne aus Gurlitts Sammlung einen kostbaren Neuzugang erhalten hat.

          Das Gemälde befand sich, wie die Forschungen ergeben haben, bis 1940 in einem Safe in Paris. Der wurde von den Nationalsozialisten beschlagnahmt. Die Familie Cézanne erhielt aber ihre Werke zurück. Wie kommt das?

          Wir vermuten, basierend auf der Forschung des Projekts Provenienzrecherche Gurlitt, dass sich das Gemälde in einem Safe einer Pariser Bank befand, den sich die Familie Cézanne zusammen mit der Familie Renoir damals teilte. Er wurde von einem Devisenschutzkommando des deutschen Militärbefehlshabers beschlagnahmt. Der Inhalt des Safes wurde der Familie Cézanne – im Gegensatz zu jüdischen Familien, deren Besitz in solchen Situationen eingezogen wurde – jedoch wieder zur freien Verfügung übergeben.

          Was ist nach der Rückgabe der Bilder durch die Nationalsozialisten an die Familie Cézanne mit „La Montagne Sainte-Victoire“ passiert?

          Wir wissen es schlicht nicht. Wir wissen nur, dass sich das Gemälde 1947 im Besitz von Hildebrand Gurlitt wiederfindet. Außerdem fand sich im Nachlass von Cornelius Gurlitt ein Foto des Gemäldes das rückseitig eine – undatierte – Echtheitsbestätigung von Paul Cézanne fils und Marie Cézanne trägt.

          War das Bild also NS-Raubkunst?

          Da die Familie Cézanne nicht zu den Verfolgten des NS-Regimes zählte, handelt es sich in diesem Fall nicht um NS-Raubkunst.

          Beide Gurlitts, sowohl Hildebrand als auch sein Sohn Cornelius, wollten den Cézanne vor der Öffentlichkeit verstecken. Warum?

          Das wüssten wir natürlich auch sehr gerne. Wir leiten aus dem Verhalten der Gurlitts ab, dass der Besitz des Bildes für sie eine gewisse Brisanz hatte – Hildebrand Gurlitt hat das Gemälde nie ausgestellt, Cornelius bewahrte es im Salzburger Haus abgespannt zwischen Spanplatten auf –, aber zu dem, was genau in den entscheidenden Jahren im besetzten Paris geschah, können wir nur Mutmaßungen anstellen.

          Was ist der Schätzwert des Bildes?

          Dazu geben wir grundsätzlich keine Auskunft. Sie können aber mit einem Blick auf Auktionserlöse für vergleichbare Cézanne-Gemälde die Größenordnung erahnen.

          Die Familie Cézanne erkennt das Kunstmuseum Bern als rechtmäßigen Eigentümer an. Im Gegenzug räumt das Kunstmuseum Bern der Familie Cézanne das Recht ein, das Gemälde regelmäßig im Musée Granet in Aix-en-Provence, Cézannes Heimatstadt, zu zeigen. Wann reist das Bild das erste Mal nach Frankreich zurück?

          Das Gemälde ist diesen Sommer bei uns im Kunstmuseum Bern ausgestellt. Wann es das erste Mal im Musée Granet gezeigt wird, werden wir mit den Kollegen in Aix-en-Provence vereinbaren.

          Was passiert, wenn sich doch noch aufklären lässt, von wem Hildebrand Gurlitt das Werk kaufte?

          Dann bewerten wir die Situation neu und werden, gemeinsam mit der Familie Cézanne, den neuen Tatsachen entsprechend handeln.

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