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Impressionisten-Ausstellung : Vorsicht vor geisterhaft weißen Wolken über der Bretagne!

Wanderer, kommst du in die Bretagne, vergiss die Impressionisten nicht: Im Regionalmuseum in Quimper ist zu sehen, was die sogenannte „Bande Noire“ auszeichnete. Fünf Maler gilt es zu entdecken. Es lohnt sich.

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          Fünf französische Maler, Freunde und künstlerische Weggefährten zugleich, fanden sich im späten neunzehnten Jahrhundert unter dem Namen „La bande noire“ zusammen. Drei von ihnen – Charles Cottet, Lucien Simon und André Dauchez“ – waren mit der Bretagne vertraut, René-Xavier Prinet mit der Normandie, und der Fünfte, Emile-René Ménard, fand seine Motive im Mittelmeerraum.

          Tilman Spreckelsen
          (spre), Feuilleton

          Dieser damals einflussreichen, heute nur noch Fachleuten bekannten Vereinigung gilt nun eine Schau im Musée Breton in Quimper. Sie ist der abschließende Teil einer Ausstellungsreihe, die unter dem Titel „Les Derniers Impressionistes“ in Holland, der Auvergne und der Bretagne abgehalten worden ist. Und sie fragt danach, was denn über die Freundschaft der Maler hinaus an Gemeinsamkeiten ihrer Kunst festzustellen ist, ob Einflüsse sichtbar hin und her gingen.

          Tatsächlich verfolgen die Maler ganz unterschiedliche Strategien, und auch der Wille, am damaligen Impressionismus teilzuhaben oder eher neue Wege zu gehen, zeigt sich bei jedem von ihnen anders. René Ménard etwa, der den Anfang der Ausstellung macht, schwelgt in antiken Stoffen, stellt Herakles oder den urteilenden Paris in mediterrane Landschaften, die allerdings nur selten mehr sind als redlich aufgenommen. Wo das anders ist, wo also etwa eine Wolke ein Eigenleben gewinnt, da drückt sie die Figuren leichthin an die Wand, und eine dann tatsächlich impressionistische Ansicht aus Venedig bezaubert weniger durch Originalität als dadurch, wie sie zeittypisch, aber gekonnt die Bauten der Stadt mit Wasser und Himmel reagieren lässt.

          Die Figuren von René Prinet dagegen sind sehr viel konturierter, manchmal geradezu wuchtig in die mondänen Strandszenen hineingesetzt, und es sind die Gesten der Vornehmen, die auf diesen Promenaden und Stränden der Normandie die einfachen Leute unsichtbar machen – es ist schwer, den Gedanken an Prousts Schilderungen derselben Welt nicht aufkommen zu lassen. Lucien Simon dagegen sucht die Kontraste in einer oft bewusst groben Pinselführung, wenn es um die Erde geht, und einem glatten grauen Himmel, so wie die Wasserlandschaften mit Bäumen, die André Dauchez malt, von klar konturierten Bäumen geprägt sind, die vor einem verwischten Hintergrund herausstechen.

          Die eigentliche Entdeckung dieser Ausstellung aber ist der fünfte Maler, dem klugerweise der letzte Raum zugewiesen ist. Da ankern im Hafen Schiffe mit hervorstechend roten Segeln, würdevoll und fragil zugleich. Da gibt es eine riesige Steilküstenlandschaft der Bretagne, deren Farben die des Meeres aufnehmen, aber vertiefen und verklären, da ist ein Lichterfeuerwerk vor schwarzen, gleichwohl flirrenden Schatten auf dem bewegten Wasser. Und schließlich sieht man eine Reihe von winzigen Seeleuten, die vor dem Sturm fliehen, der sich über dem Meer aufbaut und umso bedrohlicher wirkt, je geisterhaft bleich die Wolken am Himmel sind.

          Von ihm, Charles Cottet, hätte man gern viel mehr gesehen. Und sei es auf Kosten seiner Malerfreunde.

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