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Kathedrale in Reims : Imi Knoebels Seelenfenster

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Ob sie auch bei Nacht leuchten? Zumindest vermitteln die Fenster, die Imi Knoebel für die Kathedrale in Reims entworfen hat, diesen Eindruck. Ein farbenprächtiges Symbol deutsch-französischer Freundschaft

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          Die Bundesrepublik Deutschland hat am Montag in der Kathedrale von Reims der Republik Frankreich offiziell ein Geschenk gemacht: drei neue Fenster in einer Seitenkapelle neben dem Chor. Gestaltet wurden sie von dem Düsseldorfer Künstler Imi Knoebel, der 2011 bereits sechs Fenster um den Altarraum der Kathedrale entworfen hatte.

          Der Staatsakt fand im Beisein des Künstlers, des Erzbischofs von Reims, Thierry Jordan, und der französischen und deutschen Außenminister Laurent Fabius und Frank-Walter Steinmeier statt. In ihren Reden knüpften alle an die symbolisch verpflichtende Kraft dieser Kathedrale an, in der sich 1962 Präsident Charles de Gaulle und Bundeskanzler Konrad Adenauer getroffen hatten. De Gaulle hatte seinerzeit den Bundeskanzler gerade in diese Kathedrale zur gemeinsamen Teilnahme an einer Messe eingeladen, weil sich hier die französischen Könige hatten krönen lassen. Im Allerheiligsten des französischen Staates sollte die Aussöhnung zwischen den Völkern gestiftet werden.

          Aber in diesem Allerheiligsten gibt es einen Ort von noch größerer nationaler Bedeutung. Das ist die Kapelle, die Jeanne d’Arc geweiht ist. Hier beabsichtigte jetzt umgekehrt die Bundesrepublik Deutschland, eine versöhnende Geste zu zelebrieren, auch in Erinnerung an die Beschießung der Kathedrale 1914 durch deutsche Truppen. Das Gotteshaus war am Montag brechend voll, Besucher aus ganz Europa und Hunderte Schüler aus Frankreich und Deutschland waren deshalb angereist. Staatsgeschenke wollen auch entgegengenommen sein. Da ist es gerade heute ein ausgesprochener Glücksfall, dass sich Steinmeier und sein französischer Kollege Fabius so gut verstehen. Das war bei dem Festakt in der Kathedrale spürbar. Hier trafen sich zwei, die nicht mehr versöhnt werden müssen, um in geradezu überpolitischer Gelassenheit dem Künstler und seinem Werk ihren Tribut zu zollen.

          Imi Knoebel hat drei Fenster entworfen, die, obwohl die Kapelle nach Norden ausgerichtet ist, in der abstrakten Farbwahl von Gelb, Orange, Grün, Rot, Violett und Blau geradezu überirdisch aufglühen. Die Farbsegmente sind von der Glashütte Lamberts in Waldsassen und dem Glasatelier Derix in Taunusstein den Wünschen des Künstlers entsprechend raffiniert ausgeführt und verbleit worden, so dass man den unabweisbaren Eindruck haben muss: Diese Fenster leuchten auch dann noch, wenn draußen Nacht ist. Was hier Farbe in Glas geworden ist, hat eine seelische Leuchtkraft, deren Bann sich der Betrachter kaum entziehen kann, denn jeder Abbruch der Betrachtung wird Akt einer profanen Sünde.

          Dass Imi Knoebel und Frank-Walter Steinmeier beim anschließenden Empfang im Hotel de Ville aus den Händen des Bürgermeisters von Reims zu Ehrenbürgern der Stadt ernannt wurden, war für die Besucher aus ganz Europa die Einladung zu einer sanften Landung auf dem Boden der politischen Realität: Der Champagner floss in Strömen. Die versöhnende Geste von de Gaulle und Adenauer hat in der Kunst von Imi Knoebel eine Wirksamkeit erreicht, die sich von jetzt an auch mit einem gefüllten Kelch in der Hand fundamentaldemokratisch realisieren lässt.

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