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Ausstellung in Arles : Späte schwarze Sonne

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Die Fondation Vincent van Gogh in Arles zeigt Kunst im Zeichen des alles versengenden Zentralgestirns. An den jeweiligen Darstellungen der Sonne lässt sich viel über Brüche und Wanderbewegungen innerhalb der modernen Kunst ablesen.

          Es war die Sonne. So erklärte der Protagonist in Albert Camus’ Roman „Der Fremde“ den grundlosen Mord an einem ihm Unbekannten. Diese Erklärung könnte auch vielen der Künstler dienen, deren Werke in Arles, in der Fondation van Gogh, unter der Überschrift „Hot Sun, Late Sun. Untamed Modernism“, also „Sengende Sonne, späte Sonne. Ungezähmte Moderne“, versammelt sind. Die Sonne figuriert als Motiv, als Inspiration für Farb- und Stimmungsexperimente und als Bild für Phänomene, die mit dem Süden verbunden sind. Die Sonne dient aber auch als Metapher für den Zenit der Moderne, die um 1970 in das kippt, was nicht immer wohlwollend als Postmoderne bezeichnet wird.

          Eine unerwartete Konstellation bildet den Auftakt der ambitionierten und dennoch kulinarischen Schau und schlägt zugleich deren Thema an: das Ungezähmte, Unbezähmbare der Moderne, die sich, nimmt man sie denn ernst, eben nicht als geradlinige Hurra-Geschichte einer zunehmenden Abstraktion schreiben lässt. Auf der einen Seite van Gogh mit Werken, die in Arles entstanden sind, in glühenden Farben und mit erhitztem Pinselduktus gemalt, auf der anderen Adolphe Monticelli.

          Der in Marseille geborene Maler gehört kaum in die Riege derjenigen Maler, die in den Augen strenger Modernisten als Gründungsväter gefeiert werden. Monticelli hatte sich aus deren Perspektive durch gefällige galante Szenen entwertet, die sich mit sichtbaren, den Gegenstand auflösenden Pinselstrichen modernistisch aufzuhübschen versuchten. Hier aber sind ganz andere Bilder zu sehen, Landschaften aus wilden, sonnentrunkenen Farben, Bilder, aus denen sich unmittelbar erschließt, was van Gogh an diesem Maler geschätzt hat. Und zugleich zeigen diese Bilder die Verlagerung der Moderne vom Zentrum Paris in die Peripherie des Südens an, dessen Licht erst zu derartigen Farbexperimenten inspirierte.

          Generationenwechsel und Geschlechterdifferenz

          In den Folgeräumen finden sich weitere erhellende Zusammenstellungen, die Sprünge, Brüche und Wiederaufnahmen als diejenigen Verfahren vor Augen stellen, durch die moderne Kunst gekennzeichnet ist, zumindest von der Postmoderne her gesehen. Schlagend und zugleich voller Witz wird dies in der Konfrontation zweier Bilder deutlich: Einerseits Picassos spätes, 1970 entstandenes Porträt eines alten Mannes mit grellgelbem, wie von Auflösung bedrohtem Strohhut und wild gekräuseltem, lichten Barthaar, ein Bild, das als Hommage an van Gogh eine Rückkehr zu den Anfängen des jüngeren Malers anzeigt.

          Andererseits ein frech spottendes Frühwerk Sigmar Polkes, „Moderne Kunst“ von 1968, eine heitere Versammlung modernistischer Versatzstücke, seien es Farbkleckse, heftige Pinselstriche, geometrisierte Linien oder unmotivierte Spiralen, die sich gleich um die Ecke auch bei Picasso finden. Einen ganz anderen Umgang mit den „Vätern“ der Moderne zeigt die malerische Rage der amerikanischen Malerin Joan Mitchell. Sie übersetzt den expressiven Gestus von van Gogh in eine Rhythmik, die gerade nicht als individueller Ausdruck, sondern als bildnerische Erkundung erscheint.

          Steht hier der Generationenwechsel im Vordergrund, dreht sich die Zusammenstellung von Picasso und Germaine Richier um Geschlechterdifferenz. Ihre Tauromachie ist – ganz im Gegensatz zur erotisch virilen Phantasie Picassos – eine melancholisch fragile Figuration, in der der Matador an Stelle eines Kopfes sein Werkzeug trägt. Richiers zartgliedrige Verschmelzungen von Frauen, Tieren und Instrumenten rufen gleichermaßen surrealistische Figurationen und die Blumenfrauen Picassos auf. Richier, in der Nähe von Arles geboren, dann nach Paris gezogen, hat immer wieder Motive des Südens wie etwa Zikaden und Mandolinen zu zittrigen Zwitterwesen verbunden.

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