https://www.faz.net/-gqz-91jc1

„British Queer Art“ in London : Die Privatsphäre wird Bekenntnis

  • -Aktualisiert am

Verwirrung um das ständig wachsende Akronym LGBTQ+

Die Kampagne wurde allerdings mittlerweile gekapert von einer ideologischen Bewegung des Andersseins, deren doktrinäre Identitätspolitik diejenigen liberalen Kräfte in Verlegenheit bringt, die sich für die Gleichstellung von Homosexuellen einsetzten, bei dem Regierungsvorhaben, die Selbstbestimmung des Geschlechts auf amtlichen Dokumenten zu erlauben, jedoch nicht mehr mithalten können.

Die Verwirrung der in dem ständig wachsenden Akronym LGBTQ+ gebündelten Regenbogen-Vorstellungen findet auch Niederschlag in der großen Ausstellung „Queer British Art“, mit der Tate Britain aus gegebenem Anlass auf die Vielfalt künstlerischer Stellungnahmen zur sexuellen Identität zwischen der Abschaffung der 1533 eingeführten Todesstrafe für Sodomie im Jahr 1861 und der Reform von 1967 aufmerksam machen will. In diesem Zeitraum wurde das Wort „queer“ seltsam abschätzig auf Homosexuelle angewandt, um deren als abweichend empfundenes Wesen zu kennzeichnen. Inzwischen haben sich nicht nur Teile der Schwulenbewegung den Begriff trotzig zu eigen gemacht. Er dient auch als Synonym für LGBTQ.

Angesehener Angehöriger der kriminellen Klasse

In diesem Sinne wird er von Tate Britain verwendet, obwohl sich damit aktivistische Tendenzen verbinden, die damals nicht geläufig waren, selbst wenn die ihnen zugrundeliegenden Empfindungen so alt sind wie die Menschheit. „Queer British Art“ vermischt Sozial- und Kunstgeschichte mit ergreifenden Einzelschicksalen und Anekdoten. Neben den Kunstwerken sind auch Memorabilien ausgestellt, die ikonischen Charakter bekommen haben, etwa die Tür zu Oscar Wildes Zelle im Gefängnis zu Reading und die verhängnisvolle Visitenkarte, auf der ihn der Vater seines Geliebten Alfred Douglas der Sodomie bezichtigte, der scharlachrote Morgenmantel des Dramatikers, Schauspielers und Chansonniers Noël Coward und eine alte Keksdose, gefüllt mit mehr als zweihundert Uniformknöpfen, jeder Knopf die Erinnerung des Künstlerpaares Richard Chopping und Denis Wirth-Miller an eine sexuelle Begegnung mit einem der Soldaten, die in ihrer Nähe stationiert waren.

Die Ausstellung macht deutlich, wie unterschiedlich einzelne Figuren, bedingt durch Umstände und Temperamente, mit ihrer Sexualität umgingen zu einer Zeit, in der die Freiheit des künstlerischen Ausdrucks gehemmt war durch die Angst, der Strafverfolgung und Schande preisgegeben zu werden. Simeon Solomon, dessen parfümierte präraffaelitischen Bilder sich wie verschlüsselte Botschaften lesen, ging daran zugrunde. Keith Vaughan quälte der Gedanke, dass seine Beschäftigung mit der männlichen Figur stets „den Makel einer homosexuellen Konzeption“ trage und dass er trotz seines Ansehens „der kriminellen Klasse“ angehöre. Francis Bacon betrachtete die Homosexualität als Krankheit, David Hockney zelebrierte sie bereits, als sie noch strafbar war.

Weitere Themen

Wir wollen Diversität anders leben

Ufa verpflichtet sich selbst : Wir wollen Diversität anders leben

Die Produktionsfirma Ufa erlegt sich eine Selbstverpflichtung in Sachen „Diversity“ auf. Dabei geht es um Gender, LGBTIQ, People of Color und Menschen mit Beeinträchtigungen. Geschäftsführer Nico Hofmann erläutert, was es damit auf sich hat. Wird jetzt alles quotiert?

Topmeldungen

 Der Sarg des getöteten Wissenschaftlers am Sonntag in der iranischen Stadt Mashhad

Mord an Atomwissenschaftler : Ein Stich ins iranische Herz

Der „Vater“ des iranischen Atomprogramms wird Opfer eines Anschlags. Kaum jemand zweifelt daran, dass Israel dahinter steckt. Das Attentat ist auch ein Fingerzeig für Joe Biden und seinen Umgang mit Iran.

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.