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Hockney in London : Formatfüllende Farbfeste

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Mit neuster Technik findet David Hockney späten Zugang zur Schönheit der englischen Landschaft. In der Londoner Royal Academy wird der Heimkehrer gefeiert.

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          Im Frühsommer 1967 hat David Hockney eines seiner berühmtesten Bilder gemalt: „A Bigger Splash“, mit englischer Buchstäblichkeit so benannt, weil die Leinwand größer war als kleinere Varianten des gleichen Motivs. Das Gemälde ist geradezu emblematisch für jenes befreiende, sich in strahlenden Farben vermittelnde Gefühl von Licht, Raum und Sinnlichkeit, das Hockney, aus dem beengten England kommend, damals in der kalifornischen Sonne entdeckte.

          Fünfundvierzig Jahre später nimmt er mit dem Titel seiner jüngsten Ausstellung Bezug auf dieses Bild. Die große Betrachtung seiner Landschaftsgemälde in der Londoner Royal Academy heißt: „A Bigger Picture“, womit freilich nicht nur das riesige Format gemeint ist, sondern im übertragenen Sinne auch das umfassende Raumgefühl, das Hockney damit erzeugen will. In diesem Sinne bedeutet „A Bigger Picture“ auch das große Ganze. Der inzwischen vierundsiebzig Jahre alte Künstler will die Natur in ihrer Unendlichkeit erfassen und dem Betrachter das Gefühl geben, als stünde er mittendrin.

          Zurück zum Rhythmus der Natur

          Die Ausstellung zelebriert Hockneys Heimkehr aus dem selbstgewählten Exil zu den Stätten seiner Kindheit in Yorkshire. Sie stellt ihn in die Tradition der englischen Naturmalerei und versucht durch ausgewählte Beispiele aus dem früheren Werk nachzuweisen, dass er im Grunde schon immer in die Nachfolge von Constable und Turner einzureihen war. Die vor Energie sprühenden Bilder stammen größtenteils aus einem kreativen Stoß der letzten acht Jahre, seitdem Hockney sich in dem Nordseebad Bridlington, etwa hundert Kilometer von seinem Geburtsort, niedergelassen hat. Sie füllen die repräsentativen Räume der Royal Academy und wollen nicht nur als Triumph der Malerei sondern auch als demonstratives Bekenntnis zur gegenständlichen Darstellung verstanden sein.

          Neben den persönlichen Motiven, die Hockney zur Rückkehr nach England bewogen haben, reizte ihn als Künstler die Vorstellung, den in Kalifornien weniger ausgeprägten Rhythmus der Natur wieder in seiner vollen Intensität erleben und malen zu können. So beginnt die Schau mit dem vor altmeisterhaft pompejianisch-rotem Hintergrund gehängten Folge von vier fast fünf Meter breiten Gemälden, „Three Trees near Thixendale“ aus der Sammlung Würth, die denselben Landschaftsfleck im Wechsel der Jahreszeiten zeigt und in diesem Rahmen wirkt wie eine programmatische Ankündigung dessen, was folgt.

          Für technische Neuerungen aufgeschlossen

          Ein ums andere Mal hält er, sich vor dem von ihm verehrten Monet verneigend, das gleiche Motiv unter variierenden Konstellationen in den glühenden Farben des Fauvismus fest - einen Niederwald an einer Weggabelung, üppig blühender, wie Monster aus der Vorzeit anmutende Weißdornsträucher, gefälltes Holz, zur Abholung gestapelt, oder ein von Bäumen, Wiesenkerbel und Waldröschen gesäumter Pfad. Obwohl er am Meer lebt, sucht er seine Motive bezeichnenderweise stets im Landesinneren. Purpurne Straßen und orange Wege schlängeln sich an schieferblauen, giftgrünen oder violetten Baumstämmen vorbei durch die Wald- und Ackerlandschaft des Hügelzuges im Osten Yorkshires, dessen Felderpatchwork Hockney, an van Gogh, Seurat, aber auch an Dufy und Matisse anklingend, mit Farblinien unterschiedlicher Länge und Form wiedergibt.

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