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Maya-Ausstellung : Wer grub den Maya das Wasser ab?

Wäre ein Diät-Gulasch nicht heute genau das Richtige? In Speyer lernen Kinder, wie die Mayas sich ihre Speisen zubereiteten. Bild: Michael Ruppel

Eine große Ausstellung in Speyer lüftet manches Maya-Rätsel: wie sie lebten und, vor allem, warum ihre Kultur doch unterging. Am Klimawandel kann es nicht gelegen haben.

          Am 4. September 731 n. Chr. ging es dem Herrn von Calakmul noch bestens. Siebzehn Tage zuvor hatte Yukno’m Took’ K’awiil aus der ruhmreichen Dynastie von Kaan ein Kalenderfest begangen, das nur alle 7200 Tage - fast zwanzig Jahre - wiederkehrt. Es war nicht sein erstes Mal. Seit 702 n. Chr. gebot er über den Stadtstaat im tiefen Südwesten des heutigen Mexiko und hatte seither seiner Stadt nach der schmachvollen Niederlage gegen den Rivalen Tikal im Jahr 695 ein wenig von dem Glanz der Zeit seines Amtsvorgängers Yukno’m des Großen (ca. 600 bis 686) zurückgegeben, als ein großer Teil der Maya-Städte vom Hause Kaan abhängig gewesen waren.

          Ulf von Rauchhaupt

          verantwortlich für das Ressort „Wissenschaft“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Nun wurden wieder Stelen zu Ehren Yukno’m Tooks aufgestellt. Eine ist jetzt im Historischen Museum der Pfalz in Speyer zu sehen, als eines von 250 Objekten einer Ausstellung über die faszinierende Kultur der Maya. Diese Faszination hat viele Quellen: Ihre vom Dschungel überwucherten Tempel, ihre Kunst, die Hieroglyphen, die als einziges voll entwickeltes Schriftsystem Altamerikas einen historischen und mythologischen Kosmos erschließen, wie er aus keiner anderen präkolumbianischen Hochkultur erhalten ist. Hinzu kommen moderne Forschungsergebnisse, die langsam Licht auf das vielleicht größte Faszinosum der klassischen Maya-Kultur werfen: ihr rätselhafter Untergang, mehr als sechshundert Jahre vor der Eroberung der Region durch die Spanier.

          Besiedelt und bewaldet

          Auch wer sich für die Maya nur aus einem dieser Gründe interessiert, wird von der Speyerer Ausstellung begeistert sein. Das Dschungelmotiv umfängt einen gleich beim Betreten, Kalender und Schrift werden auf liebevoll programmierten interaktiven Stationen erklärt, und auch die Kunst kommt nicht zu kurz: von filigran bemalter Keramik bis hin zur monumentaler Plastik. Eines der schönsten Stücke ist das Relief einer Königin aus spätklassischer Zeit, vielleicht eine Zeitgenossin Yukno’m Tooks. Dessen Stele ist deutlich schlechter erhalten - der Kalkstein in Calakmul war von miserabler Qualität -, doch für die Speyerer Ausstellungsmacher und ihren wissenschaftlichen Berater Nikolai Grube von der Universität Bonn ist sie ein zentrales Objekt. Ein ganzer Raum ist um sie gruppiert - und ein zweiter um einen hölzernen Türsturz aus Tikal, mit dem Reliefbild von Yukno’m Tooks Widersacher Yik’in Chan K’awiil, von dem hier allerdings wenig mehr als die Nase erhalten ist. Warum die beiden Herrschaften wichtig sind, hat mit einer Leitfrage der Ausstellung zu tun, die bei allem Objektreichtum thematisch scharf fokussiert ist. Es geht vor allem um zwei Motive: wie es sich in den Maya-Städten der klassischen Zeit lebte und warum sie untergingen.

          Die Ausstellung erklärt für junge Besucher anschaulich, wie die kunstvollen Schriftzeichen der Maya zu lesen sind. Bilderstrecke

          Damit haben sich die Ausstellungsmacher vor eine gewisse Herausforderung gestellt, sind beide Fragen doch nicht so einfach durch Kunstwerke zu veranschaulichen. „Das alltägliche Leben lässt sich am besten über die virtuelle Schiene einfangen“, sagt Grube. Und tatsächlich zieht man hier in Speyer alle Register. Zwei computeranimierte Filme erzählen anhand der mittelgroßen Siedlung Uxul, wie man sich das Leben in den Maya-Städten vorstellen kann - Städten von Menschen, die weder Rad noch Lasttiere nutzten und denen daher zum Beispiel das Konzept einer Straße weitgehend fehlte. Nicht einmal den Unterschied zwischen Stadt und Land gab es. Die Maya unterschieden stattdessen besiedelt und bewaldet. Ihre Städte waren weitläufige Agglomerate aus Höfen, Feldern und Gärten rings um die oft ebenfalls nicht sehr kompakten Bezirke der Tempel und Herrscherpaläste.

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