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Kunstszene in Beirut : Das Geld muss an der Regierung vorbei

Kalt erwischt: die Galerie Sfeir-Semler in Beirut ist von der Explosion gezeichnet. Bild: Galerie Sfeir-Semler

Nicht nur die Stadt, auch das kulturelle Leben in Beirut ist von der Explosion schwer getroffen. Nun leisten Partner aus Brüssel und Paris erste Hilfe.

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          Die Bilder der Zerstörung Beiruts haben Jack Lang schockiert. Der Achtzigjährige ist seit bald sieben Jahren Präsident des Institut du monde arabe (Institut der arabischen Welt), einem Kulturinstitut in Paris. Er war unter mehreren französischen Regierungen Kulturminister, darunter in allen Kabinetten der Präsidentschaft François Mitterrands. Seine Beziehung zum Libanon sei keine rein berufliche, er habe das Land bereits in seiner Jugend besucht, erzählt er im Gespräch mit dieser Zeitung. „Als ich zum ersten Mal in den Libanon gereist bin, war ich gerade einmal siebzehn Jahre alt“, erinnert er sich. „Es war ein großartiges, ein einladendes, ein gastfreundliches Land. Das war eine Art goldenes Zeitalter, das überhaupt nichts mit der aktuellen Katastrophe zu tun hat.“

          Als Lang 2013 Präsident des Instituts wurde, das im fünften Pariser Arrondissement unweit der Seine liegt, sei das auch für ihn etwas Besonderes gewesen. 1980 beschloss Frankreichs damaliger Präsident Mitterrand den Bau des Instituts, 1987 wurde es eröffnet. Das Institut steht im engen Kontakt mit Partnern in beinahe allen arabischen Ländern. Es bietet unter anderem eine feste Ausstellung sowie verschiedene wechselnde Ausstellungen, eine Bibliothek, ein Kino, das neue wie alte Produktionen der arabischen Welt zeigt. Die Beziehungen zur Kultur des Libanons seien von Beginn an eng und umfangreich gewesen. Regelmäßige Ausstellungen, Konzerte libanesischer Musiker, Kolloquien und Treffen hätten zum mehr oder weniger festen Repertoire des Instituts gehört.

          „Erst kürzlich hatten wir eine Ausstellung zu libanesischen Fotografen“, sagt Lang. In einigen Monaten biete das Institut eine Ausstellung zu arabischen Diven. Bei diesen habe selbstverständlich auch Fairuz Platz, eine libanesische Sängerin, deren Musik bis heute eine feste Größe über die Grenzen des kleinen Landes hinaus ist.

          Viele Theater beschädigt

          Wie Lang war auch Krystel Khoury von den Ereignissen betroffen. Die siebenunddreißigjährige Libanesin ist in der Metropole am Mittelmeer geboren und aufgewachsen, heute unterrichtet sie an der Académie royale des Beaux-Arts in Brüssel. Nebenbei arbeitet sie als Koordinatorin für Spenden bei Mophradat, einer Initiative mit Sitz in Brüssel, die Künstler in der arabischen Welt unterstützt. Khoury sagt, dass sie über eine Whatsapp-Gruppe von dem schlimmen Ereignis erfahren habe. „Jemand hat mir eine Audionachricht geschickt. Auf der habe ich einen Knall gehört, aber nicht verstanden, was los war“, sagt sie. Als sie dann erfahren habe, was geschehen war, habe sie es kaum glauben können. „Wir sind vieles gewohnt, aber eine solche Explosion, die auch Gebiete erfasst, die ich besuche, war neu“, sagt sie nachdenklich. Der Knall habe nicht nur viele getötet und verletzt, sondern auch Dinge zerstört, die Teil ihrer Erinnerung gewesen seien.

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