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Berliner Museumschef Parzinger : Wird die Teheraner Kunstsammlung doch noch in Berlin gezeigt?

Seit dem Wochenende hatte die Gemäldegalerie selten gesehene Rothkos, Warhols und Pollocks zeigen wollen. Der Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz über die diplomatischen Winkelzüge eines zunehmend kuriosen Ausstellungsprojekts höchsten Ranges.

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          Herr Parzinger, am vergangenen Wochenende sollte die Ausstellung mit Werken aus der Sammlung des Teheraner Museums für zeitgenössische Kunst (TMOCA) in der Gemäldegalerie eröffnen. Heute beginnt das Rahmenprogramm, doch ist bis jetzt nicht nur unklar, wann die Werke kommen, sondern zunehmend auch, ob die Ausstellung überhaupt noch statt findet. Haben Sie schon mal etwas ähnliches erlebt?

          Kolja Reichert

          Redakteur im Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          Nein. Uns war natürlich von Anfang an bewusst, dass das ein kompliziertes Projekt ist: politisch schwierig, aber auch, was die administrativen und technischen Abläufe angeht. Es ist ja das erste internationale Projekt des TMOCA seit vielen Jahrzehnten. Ein entscheidender Grund für die Verschiebung war aber auch der Wechsel im Amt des iranischen Kulturministers. Dadurch haben wir sicher drei, vier Wochen verloren. Das war genau die Zeit, die uns am Schluss fehlte, um im Dezember noch eröffnen zu können.

          Seit März 2008 ist Hermann Parzinger Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, zu der die Staatlichen Museen zu Berlin mit fünfzehn Sammlungen gehören.

          Der Wechsel allein kann den Aufschub aber nicht erklären. Man sollte ja erwarten, dass ein neuer Minister in laufende Projekte eingeführt wird, ohne dass es zur Unterbrechung kommt.

          Das mag bei uns so sein, im Iran ist das vielleicht nicht so einfach und so klar, wer mag das von hier aus beurteilen. Was dann im Hintergrund noch an Gesprächen und Erläuterungen notwendig ist, entzieht sich unserer Kenntnis.

          Letztlich sind ja auch dem Minister die Hände gebunden, wenn der Ajatollah nicht einverstanden ist. Es scheint, als könnten sich weder Sie noch Ihre Ansprechpartner auf Abmachungen verlassen.

          Klar, es gibt eine staatliche Hierarchie. Sowohl der bisherige Kulturminister Ali Dschannti wie der jetzige, Seyed Reza Salehi Amiri, zählen eher zu den liberalen Kräften. Aus dieser Richtung gibt es großes Interesse daran, dass die Ausstellung stattfindet.

          In dieser Woche reist der Kurator Joachim Jäger gemeinsam mit Andreas Görgen, dem Leiter der Abteilung Kultur und Kommunikation im Auswärtigen Amt, nach Teheran. Was erwarten Sie von der Reise?

          Ich glaube, sie wird wichtig sein, um die letzten offenen Fragen endgültig zu lösen. Es geht nicht nur darum, dass die Ausfuhrgenehmigung unterzeichnet wird, sondern auch um praktische Dinge, wie die Vorbereitungen und Beauftragungen für den Transport der Werke und vieles mehr. Damit muss man bald beginnen, wenn wir im Januar noch eröffnen wollen.

          Wenn Sie es so beschreiben, klingt auch Januar sehr knapp. Wie soll das alles in vier Wochen klappen?

          Wenn diese Dinge vor Weihnachten geklärt sind, dann ist das möglich.

          Unter Chatami, und vereinzelt auch unter Ahmadinedschad, waren immer wieder Leihgaben des TMOCA in internationalen Ausstellungen zu sehen. In Teheran gibt es schon lange den Wunsch, die Sammlung, die Farah Dibah in den siebziger Jahren aufbauen ließ und die nach der Revolution ins Depot wanderte, reisen zu lassen. Noch Ernst Beyeler hat 2003 versucht, sie nach Basel zu holen, Max Hollein wollte sie gerne in Frankfurt zeigen. Was hat jetzt zum Zuschlag für Berlin geführt?

          Der Leiter der Neuen Nationalgalerie Joachim Jäger hat vor zwei Jahren eine Otto-Piene-Ausstellung im TMOCA kuratiert und berichtete ganz fasziniert von der Möglichkeit, einen Teil dieser Sammlung in Berlin auszustellen, und auch, dass die Iraner mit anderen internationalen Partnern verhandeln. In den Medien kursierten damals völlig überhöhte Vorstellungen von Leihgebühren. Wir zahlen grundsätzlich keine Leihgebühren. Vielleicht hat das TMOCA durch die langen Verhandlungen mit unterschiedlichen Partnern gemerkt, was möglich ist und was nicht. Dann hat sicher auch die Unterstützung durch den Bundesaußenminister dazu beigetragen, dass wir den Vertrag mit dem TMOCA unterzeichnen konnten.

          Der Bundestag und das Auswärtige Amt finanzieren die Ausstellung mit 2,8 Millionen Euro. Was macht das Projekt so wichtig für den deutschen Staat?

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