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Comic-Zeichner Hauck und Bauer : Vom Rande der Gesellschaft ins Museum

Haben Ihre Schulzeit auch ohne Comics überstanden: Elias Hauck (rechts) und Dominik Bauer Bild: Frank Röth

„Am Rande der Gesellschaft“ heißt ihr bekanntester Comic-Strip in der F.A.S.. Fortan hängen sie auch im Caricatura Museum für Komische Kunst in Frankfurt. Im Interview erzählen Elias Hauck und Dominik Bauer, wie es so weit kommen konnte.

          3 Min.

          Half Ihnen das Karikaturen-Zeichnen, die Jahre an einem humanistischen Gymnasium in Unterfranken zu überstehen?

          Christian Riethmüller

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Hauck: Ach, die Zeit haben wir noch ganz gut ohne Karikaturen überstanden.

          Bauer: Da war die Welt noch in Ordnung. Wir hatten ja kein Internet damals, nur unseren Humanismus.

          Wer von Ihnen beiden hat eigentlich das Prinzip der Arbeitsteilung eingeführt? Hauck? Bauer? Oder hat sich das wegen der Wohnorte zwangsläufig ergeben?

          BAUER: Es hat sich zwangsläufig ergeben. Elias kann zwar schreiben, ich aber nicht zeichnen.

          Was kommt bei Ihren Strips zuerst? Der Text oder das Bild?

          Hauck: Zuerst denkt sich Dominik in Frankfurt was aus, dann zeichne ich in Berlin.

          Bauer: Andersherum wäre es ja auch eher ein Bilderrätsel: Was denkt dieser Autofahrer, der gerade eine Katze überfahren hat?

          Wissen Sie noch, von wem oder was die allererste Hauck&Bauer-Karikatur handelte?

          Hauck: Das war wahrscheinlich ein Mann, der beim Bier sitzt und sich was denkt...

          Bauer: Mit Kneipenwitzen fing alles an. Und zwar im doppelten Sinne, weil die ersten Cartoons tatsächlich auch in einer Kneipe entstanden sind

          Hauck: Genau, im "Zwiebelfisch" in Berlin.

          Und von wem oder was handelte Ihre erste veröffentlichte Karikatur?

          Hauck: Das war "Die Preisverleihung". Mit einer Art Thomas-Gottschalk-Figur, die bis heute nie wieder aufgetaucht ist.

          Wo ist die denn erschienen? Und wie ist später der Kontakt zur Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung zustande gekommen, der in der Verpflichtung für die heute legendären Strips "Am Rande der Gesellschaft" gipfelte?

          Bauer: Unsere allererste Veröffentlichung als H&B war tatsächlich auch gleichzeitig die erste Folge unseres Comicstrips "Am Rande der Gesellschaft" in der Sonntagszeitung. Wir hatten Alexander Marguier, dem damaligen Leiter des Gesellschafts-Ressorts der F.A.S., einfach ein paar Cartoons geschickt, weil wir dachten: Gesellschaft ist doch unser Thema. Hauck: Und dann hatten wir das große Glück, dass er unsere Sachen lustig fand und den Mut hatte, uns einfach so ins Blatt zu nehmen. Da läuft der Strip jetzt im achtzehnten Jahr.

          Wie wichtig sind Karikaturenpreise? Hagelt es danach Angebote von Film, Funk und Fernsehen?

          Bauer: Nein. Einmal hat es am Abend vor der Preisverleihung gehagelt.

          Hauck: Ich hab' neulich überlegt, einen Preis wegzuschmeißen, weil er kaputtgegangen ist.

          Bauer: Was hast du gemacht?

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          Hauck: Nee, hab' ich ja nicht. Aber fast. Wo stellt man einen kaputten Preis hin?

          Bauer: Das muss doch zu reparieren sein.

          Hauck: So etwas sagt mein Vater auch immer. Und danach kommt dann lange nix.

          Was kommt nach F.A.S., "Titanic", SPAM bei Spiegel Online sowie Büchern im Antje-Kunstmann-Verlag? Oder geht schon nichts mehr darüber?

          Hauck: Unser Freund Kristof Magnusson ist Theaterautor und meinte mal, dass man aus unseren Geschichten eine "schöne Revue" machen könnte. Das können wir uns zwar nicht so richtig vorstellen. Aber wer Lust darauf hat: bitte melden. Die Aufführungsrechte sind noch frei.

          Mit den Büchern gehen Sie ja auch auf Lesetour. Wie liest man denn Comicstrips vor?

          Hauck: Rattelschneck zum Beispiel liest seine Comics mit Weizenbier vor, ich lieber mit Wein...

          Bauer: Jedenfalls mit verteilten Rollen und sehr albernen Stimmen. Dazu projizieren wir die Bilder an die Wand. Es ist ein bisschen wie ein Dia-Vortrag, nur dass niemand im Urlaub war.

          Im Herbst gibt es eine große Hauck-&-Bauer-Ausstellung im Caricatura Museum für Komische Kunst in Frankfurt? Ist das so etwas wie ein Ritterschlag?

          Hauck: Ja, das wird so eine Veranstaltung, auf die man mit einem lachenden und einem weinenden Auge geht. Weil, was soll denn danach noch kommen?

          Bauer: Es ist schon eine große Ehre, eine Einzelausstellung in diesem Haus gewidmet zu bekommen. Und dass Anke Engelke die Laudatio halten wird.

          Hauck: Ritterschlag ist aber gut, coronamäßig eine sichere Sache.

          Welche Rolle spielen die Buchveröffentlichungen für Ihr Auskommen? Ist das ein wichtiges Standbein oder eher ein "Goodie" für die Fans?

          Bauer: Die Haupteinnahmequelle sind schon die regelmäßigen Veröffentlichungen in Zeitungen und Zeitschriften. Aber wenn man so schöne Bücher machen darf wie wir mit dem Kunstmann Verlag, gibt es nix zu meckern.

          Gibt es eigentlich Sammler, die nach den Hauck-&-Bauer-Originalen lechzen?

          Hauck: Die werden erfreulicherweise immer mehr. Vor allem das Vorweihnachtsgeschäft läuft ganz gut.

          Könnten Hauck und Bauer eigentlich die Rollen tauschen und den anderen zeichnen beziehungsweise texten lassen?

          Hauck: Wieso nicht, wir könnten doch jetzt mal.

          Bauer: Nein!

          Von 1. Oktober 2020 an ist dem Karikaturisten-Duo Hauck & Bauer unter dem Titel "Hauck & Bauer: Cartoons" eine große Einzelausstellung im Caricatura Museum für Komische Kunst in Frankfurt, Weckmarkt 17, gewidmet. Mehr unter: www.caricatura-museum.de

          Das Interview erschien zuerst in unserem regionalen Magazin Metropol. Die aktuelle Ausgabe findet sich hier.

          Hauck & Bauer

          Elias Hauck (bartlos) und Dominik Bauer (mit Bart) sind beide im Jahr 1978 im unterfränkischen Alzenau zur Welt gekommen. Am dortigen Spessart-Gymnasium machten sie Abitur. Im Jahr 2003 wurden sie schlagartig als Karikaturisten bekannt, als in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeiung zum ersten Mal ihr Comicstrip "Am Rande der Gesellschaft" erschien. Eine Auswahl der seither wöchentlich erscheinenden Strips fand sich 2007 in einer ersten Buchveröffentlichung, der mittlerweile fünf weitere gefolgt sind. Außer in der F.A.S. und seit gut einem Jahr in Metropol erscheinen Cartoons des Duos auch in Publikationen wie dem Satiremagazin "Titanic". Elias Hauck, der die Strips und Cartoons zeichnet, lebt in Berlin. Dominik Bauer sorgt für die Texte. Er lebt in Frankfurt.

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