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Hans Hartung in Paris : Das beste Mittel, um den Tod zu besiegen

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Ohne die typische Titulierung und Numerierung: Gouache von Hans Hartung aus dem Jahr 1940 Bild: Fondation Hartung-Bergman, Antibes / ADAGP, Paris, 2019 / Photo: Fondation Hartung-Bergman

Das frisch renovierte Pariser Museum für moderne Kunst zeigt die bislang größte Retrospektive von Hans Hartung. Wie ausschlaggebend das Licht für den 1904 geborenen Maler gewesen ist, wird in dieser Ausstellung bewusst.

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          Hans Hartungs intensives Schaffen mit fünfzehntausend Werken hat seinem Nachleben nicht nur gutgetan. Auf Kunstmessen und in teuren Sekundärmarkt-Galerien hängen seine Gemälde, fast zu einer dekorativen Künstler-Marke degradiert, an allzu zahlreichen Wänden. Es ist an der Zeit, dem deutsch-französischen Maler einer expressiven, lyrischen Abstraktion auf den Grund zu gehen, und seine wie besessene Suche nach der Emotion von Licht, Farbe und der malerischen Geste in den kunsthistorischen Kontext des zwanzigsten Jahrhunderts zu stellen.

          Hartung hat es als bedeutender Wegbereiter der Abstraktion nahezu ganz durchquert. Bislang sind in Ausstellungen immer wieder Teilaspekte seiner Arbeit beleuchtet worden, wie im vergangenen Jahr im Kunstmuseum in Bonn, wo der Schwerpunkt auf die zweite Lebenshälfte gelegt wurde. Ansonsten gab es 1969 und 1980 Retrospektiven in Paris oder 1975 in Berlin – notwendig unvollständig, denn der Maler lebte noch. Nun zeigt das Pariser Museum für moderne Kunst, das gerade neu gestaltet wiedereröffnet hat, die erste komplette Retrospektive. Mit dreihundert Arbeiten und hundert Archivdokumenten, von der „Fondation Hartung-Bergman“ in Antibes mit zahlreichen Exponaten unterstützt, bietet sie eine intensive Reise durch Leben und Werk, auch einen aufschlussreichen filmischen Einblick in sein Atelier.

          Nachahmung, nur etwas anders

          Wie wichtig, sogar ausschlaggebend das Licht für den 1904 in Leipzig geborenen Maler gewesen ist, wird in dieser Ausstellung bewusst. Die Phänomene des Lichts und seiner Reflexe faszinieren ihn schon als Jugendlichen. Er bemalt die Seiten ganzer Schulhefte mit Gewitterblitzen – „Blitzbücher“ werden sie von seinem Vater genannt – und bastelt ein Teleskop, um den Himmel zu untersuchen. Mit seiner ersten Kamera fotografiert er den Mond. Licht ist bei Hans Hartung mit tiefer Emotion verbunden.

          Flausch, geschabt: Hans Hartungs „T1962-U8“ aus dem Jahr 1962 Bilderstrecke

          Ein Leben lang wird er mit dem Fotoapparat Lichtreflexe und motivische Strukturen im Bildraum einzufangen suchen. Die Fotografien von Wolken, schillernden Wasserflächen oder den im Nachtlicht gleißenden Wasserstrahlen eines aufschießenden Springbrunnens geben ihm ein visuelles Repertoire von Mustern, Formen und dynamischen Linien. Die Hartung-Stiftung in Antibes bewahrt 35.000 Negative auf. Die hochkreative Zeit nach dem Ersten Weltkrieg prägt den angehenden Maler nachhaltig. In den ersten, noch figurativen Ölgemälden der zwanziger Jahre zeigen sich Anspielungen an expressionistische Künstler wie Franz Marc, Wassily Kandinsky oder Oskar Kokoschka.

          Hartung bewundert große Meister wie Rembrandt und kopiert Goya in einer groben, aber das Licht besonders herausarbeitenden Farbfeldtechnik. Mit achtzehn stellt er sich in einem Selbstporträt mit übermütiger Selbstsicherheit dar. Noch im selben Jahr 1922 löst sich Hartung, zunächst noch experimentierend, von der Figuration und betreibt expressive Farbstudien in Aquarell oder zeichnet wenig später abstrakte Formen auf kleinformatige Blätter. 1926 geht Hartung zum ersten Mal für längere Zeit zum Studium nach Paris. Dort lernt er die norwegische Malerin Anna-Eva Bergman kennen. Die beiden heiraten, lassen sich zehn Jahre später scheiden und heiraten 1959 ein zweites, nun definitives Mal.

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