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Bilder des Gothaer Kunstraubs : Woran die Echtheit Brueghels zu erkennen war

Nur grün ist echt: UV-Fluoreszenzaufnahme des Brueghel-Gemäldes „Landstraße mit Bauernwagen und Kühen“ von etwa 1610. Die Aufnahme zeigt zahlreiche Retuschen (dunkle Flecken) und bei früheren Restaurierungen nicht entfernte Firnisreste (der grüngraue Schleier). In der Mitte der rechten Bildhälfte sieht man einen retuschierten und restaurierten Riss in der Holztafel. Bild: SMB/Rathgen-Forschungslabor/SPK

Raffinierte Verhandlungen haben die fünf 1979 geraubten alten Meister für Gotha zurückgewonnen. Bei den anschließenden Untersuchungen ihrer Echtheit machte das Berliner Labor eine enttäuschende Entdeckung.

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          Eduard Zimmermann hätte einst an einem kaltnebligen Freitagabend den Gothaer Fall fünf geraubter Altmeister in „Aktenzeichen XY“ nicht fesselnder aufbereiten können: Am 14. Dezember 1979 wurden fünf wertvolle Bilder, darunter die „Heilige Katharina“ Hans Holbeins des Älteren und ein Frans Hals, aus dem Gothaer Schloss Friedenstein gestohlen, nachdem akrobatische Diebe mittels Steigeisen in zehn Metern Höhe von der Außenseite in die Säle des Schlosses eingedrungen waren. Es war der größte Kunstraub in der DDR. Wer die Diebe waren, konnte nie aufgeklärt werden. Die Gemälde galten lange als verschollen. Im Sommer 2018 wurden sie dann dem damaligen Stiftungsratsvorsitzenden und Oberbürgermeister Gothas, Knut Kreuch, für fünf Millionen Euro durch den Anwalt von Erben einer ostfriesischen Familie mit einer dubiosen Provenienzgeschichte angeboten.

          Stefan Trinks

          Redakteur im Feuilleton.

          Dass es sich tatsächlich um die Gothaer Bilder und keinen Bluff handelte, zeigte sich an vorgelegten Farbfotografien, da es bis zum Diebstahl der Bilder im Jahr 1979 nur Schwarzweißaufnahmen von den Gemälden gab. Oberbürgermeister Kreuch führte die Verhandlungen in enger Abstimmung mit Martin Hoernes von der Ernst-von-Siemens-Stiftung, die bereits mehrfach in derartigen Fällen etwa für das Aachener Suermondt Ludwig Museum vermittelt hatte und die eine erfahrene Anwältin stellte. Krimihaft spannend wie „Aktenzeichen XY“ waren dabei die langwierigen aber geheim zu haltenden Verhandlungen mit dem Anwalt der Gegenseite und der juristische Kniff, dass die in Deutschland rechtlich mögliche Ersitzung der Bilder durch Verjährung nach dreißig Jahren abgewendet wurde, da immer klar war, dass es sich um gestohlene Bilder handelte, was dem Anwalt der „Erbenseite“ auch deutlich signalisiert wurde. Um die Bilder nicht zu verlieren, wurde das Rathgen-Institut der Staatlichen Museen in Berlin als Ort der Prüfung vorgeschlagen, die dortigen Untersuchungen konnten als Grund für das Verstreichen einer Frist genutzt werden. Das Forschungslabor war dabei auch eine rechtlich sichere Adresse für die Übergabe der Bilder. 

          Glückliche Rückkehr, leise Zweifel 

          Nach langen Verhandlungen kehren die Werke nun also nach Gotha zurück, ohne die ursprünglich geforderte Zahlung eines Ausgleichs durch die Ernst-von-Siemens-Stiftung an die Erbengemeinschaft, in deren Besitz sie sich zuletzt befanden: für insgesamt knapp fünfzigtausend Euro Rechtsanwalts- und Transportkosten.

          Jetzt ist Holbeins Katharina zusammen mit drei Männerporträts von Frans Hals, Jan Lievens (oder Ferdinand Bol, einem anderen Rembrandt-Schüler) und Anthonis van Dyck (eine Kopie seines Selbstbildnisses) sowie einer Landschaft Jan Brueghels des Älteren bis zum 26. Januar im Niederländersaal des Herzoglichen Museums in Gotha zu sehen. Danach werden die Werke restauriert, da sie teils markante Schäden wie etwa weiße Farbspritzer vom Wändestreichen in der westdeutschen Wohnung aufweisen.

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