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Schätze Heinrichs II. in Basel : Des Kaisers Gespür für Ruhm

In fünf säulengerahmten Arkaden stehen mittig der fast einen Kopf größere Christus mit Sphaira, dem goldenen Weltenapfel; zu seiner Rechten, der heraldisch herausgehobenen Seite, der Anführer der Erzengel Michael und Benedikt von Nursia, Gründer des nach ihm benannten Mönchsordens. Zu seiner Linken flankieren ihn die Erzengel Gabriel und Rafael. Die Aufnahme Benedikts in das Bildprogramm überrascht, da im von Heinrich gestifteten Basler Münster kein Altar für diesen Heiligen existierte und insbesondere Altarantependiumsstiftungen sich stets an den Patroziniumsheiligen der Kirche oder an den Altären orientierten. Zudem irritiert die auch auf größere Distanz gut lesbare intarsierte Inschrift auf dem Altar in sorgfältiger Kapitalis-Schrifttype.

Nur aus Engelsperspektive zu sehen

Dort steht in einem ungewöhnlichen Mix aus den drei heiligen Sprachen der Bibel, Latein, Griechisch und Hebräisch, ein Lobpreis auf Christus und Benedikt gleichermaßen als Medicus-Arzt und „Soter“, Retter. Die kostbare Goldtafel, jahrhundertelang dem Hauptaltar des Basler Münsters vorgeblendet, war ursprünglich also gar nicht für die Bischofskirche vorgesehen: Sie war für einen Altar des heiligen Benedikt gedacht, sehr wahrscheinlich, da dieser als legendenumworbener „Arzt“ Heinrich von seinen Gallensteinen erlöste. Auch diese Heilung von dem potentiell todbringenden Leiden war unbezahlbar; das Beste, also fast sechs Kilo Gold und viele antike Gemmen und Edelsteine aus dem kaiserlichen Schatz für die Ornamentierung deshalb gerade gut genug.

Aus beiden Stiftungen des Kaisers spricht wie aus allen mittelalterlichen Schenkungen die pragmatische Haltung eines „do ut des“: Ich gebe, damit Du – durchaus auch Gott und seine Heiligen – mir gibst. Oder zum Dank, weil „Er“ gegeben hatte. Vermutlich in Bamberg entstanden, der von Heinrich 1007 auf sieben Hügeln mit je einer Kirche in Form eines nur aus Engelsperspektive zu sehenden großen Stadtkreuzes errichteten Planstadt, war der goldene Altarvorsatz möglicherweise für das benediktinische Urkloster Montecassino in Oberitalien vorgesehen.

Eine Phalanx an Meisterwerken

Weil aber der damalige Abt des gigantischen Klosterkomplexes auf einem Bergrücken als korrupt galt, rückte der Kaiser offenbar von dem Plan einer Stiftung an dessen Kloster ab. So gelangte das Antependium zwar mit den „falschen“ Heiligen, aber goldrichtig als symbolpolitische und für jedermann verständliche Stärkung des Grenzbischofs Adalbero in das Baseler Münster, wo es selbst während der Bilderstürme der Reformationszeit von 1529 bis 1827 in der dortigen Sakristei versteckt blieb. Erst im neunzehnten Jahrhundert wurde es über die Zwischenstation des Basler Goldschmieds Handmann, der vom Vater Jakob Burckhardts einen flammenden Werbetext dafür schreiben ließ, an den französischen Oberst Theubet verkauft. Dieser konnte es nach fünfzehn langen Jahren Mitte des Jahrhunderts an das Musée de Cluny veräußern.

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