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Götz Adriani zum Achtzigsten : Der Kunstvolkstribun

Götz Adriani in der Ausstellung „Cézanne, Renoir, Picasso & Co“ vor Cézannes Bild „Haus mit rotem Dach, das Anwesen Jas de Bouffan“, entstanden in den Jahren 1886 bis 1888. Bild: Picture-Alliance

Er kuratierte legendäre Ausstellungsreihen und lockte Scharen auf den Grünen Musen-Hügel über Tübingen: Dem großen Museumsverführer Götz Adriani zum achtzigsten Geburtstag.

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          Auffällig häufig werden Kunsthistoriker gefragt, was denn der Auslöser der Entscheidung für dieses Studium gewesen sei. Ein nobler Grund, den nicht wenige der Kunsthistorikerinnen der Generation Ü40 lauteren Herzens angeben können, heißt Götz Adriani. Als Gründungsdirektor stand er seinem Grünen Musen-Hügel, der Tübinger Kunsthalle, vierunddreißig Jahre lang vor, von 1971 bis 2005. Schon beim Aussteigen am Tübinger Hauptbahnhof wusste man sofort, welche Mitreisenden dasselbe Ziel haben würden, erst recht, wenn im Bus die Hügel hoch zur Kunsthalle der Hölderlin-Stadt gefahren wurde.

          Stefan Trinks

          Redakteur im Feuilleton.

          Eine der legendären Ausstellungsreihen Adrianis zu den überwiegend französischen Wegbereitern der Moderne liest sich heute noch wie ein Who-is-who der Kunst: Toulouse-Lautrecs graphisches Werk (1976). Cézanne (1978), Giacometti (1981), Degas (1984), Ingres und Delacroix, (1986), Renoir (1996), Rousseau (2001), Picasso (2002). Diese wissenschaftlichen wie logistischen (allein die Versicherungssummen waren horrend) Ausstellungs-Kunststücke sind umso erstaunlicher, weil die meisten dieser Retrospektiven mit Musée-d’Orsay-Anspruch im überschaubaren Tübingen zudem ihre Deutschlandpremieren hatten. Die 2005 eröffnete Ausstellung „Bordell und Boudoir als Schauplätze der Moderne“ erscheint angesichts der im aktuellen Infektionsschutzgesetz vorgenommenen Gleichsetzung des Kulturbetriebs mit derlei Etablissements gar als weit vorausahnend. Von all diesen Ausstellungen trug man jedenfalls stolz die Museumskataloge den Tübinger Grünen Hügel hinunter.

          Insofern hat sich Adriani mit seiner Frau Franziska Ende Oktober diesen Jahres selbst beschenkt, als beide die Gründung einer nach ihnen benannten Stiftung bekannt gaben, deren Zuwendungen an die Staatsgalerie Stuttgart für wissenschaftliche Publikationen fließen werden. Adriani begründete die recht ungewöhnliche Förderung von Publikationen durch die Stiftung eines dezidierten Museumsmannes damit, dass er über vierzig Jahre Ausstellungen und eben auch wichtige Begleitpublikationen zu den Kunstschauen verwirklichen konnte. Ihm sei es im Humboldtschen Sinn wichtig gewesen, aktuelle wissenschaftlichen Erkenntnisse rasch zu veröffentlichen und damit einem größeren Publikum zugänglich zu machen. Seine Frau, die von 1965 bis im Jahr 2010 als Fotografin an der Staatsgalerie tätig war, und er selbst, der 1940 in Stuttgart geboren wurde und an der dortigen Staatsgalerie 1965 Volontär war, sind speziell diesem Haus bis heute eng verbunden, weshalb das wissenschaftliche Publizieren dort künftig mittels der Stiftung besonders gefördert werden soll. Diese bleibende Stiftung wie auch Dutzende unvergesslicher Ausstellungen kann Götz Adriani heute an seinem achtzigsten Geburtstag feiern.

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