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Bronzegott von Giambologna : Mars bleibt in Sachsen

Nach vielen Irrwegen ist mit dem „Dresdner Mars“ eines der Hauptwerke der Renaissance-Kleinplastik zurück in Sachsen. Was heißt das für die deutsche Kulturpolitik?

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          Als am Mittwochabend im Freiberger Bergbaumuseum sächsische Steiger in ihrem traditionellen Kopfputz vor der Vitrine mit dem schimmernden Bronzegott Mars standen, wirkte die Szenerie wie eine nachgeholte Anbetung der Könige.

          Stefan Trinks

          Redakteur im Feuilleton.

          Freiberg ist die erste Station einer Tour der Statuette Giambolognas durch Sachsen, die unter dem Titel „Ein Gott auf Reisen“ firmiert. Die kostbare Bronzefigur des Renaissancebildhauers, die vor dem drohenden Verkauf ins Ausland gerettet werden konnte, wird bis zur Wiedereröffnung der Dresdner Sempergalerie im Dezember in insgesamt drei sächsischen Museen gezeigt.

          Damit feiern die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden die gerade noch geglückte Rettung national wertvollen Kulturguts. Denn der sogenannte „Dresdner Mars“ ist mit Sachsen zurück an dem Ort, den sein Schöpfer Giambologna, neben Donatello und Michelangelo wohl der bedeutendste Bildhauer der Renaissance, vor über vierhundert Jahren bestimmt hat.

          Persönliche Gabe an den Herrscher

          Die Bayer AG, in deren Kunstsammlung die Statuette gelangt war, wollte den „Dresdner Mars“ im Sommer 2018 bei Sotheby’s in London versteigern lassen. Im Katalog war die knapp vierzig Zentimeter hohe Skulptur mit drei bis fünf Millionen Pfund bewertet. Nach öffentlichem Protest aus Kunstwelt und Politik zog Bayer den Auktionsauftrag bei Sotheby’s in letzter Minute zurück. Auch Kulturstaatsministerin Monika Grütters hatte den Konzern kritisiert.

          Der Rückerwerb wurde schließlich von Bund und Freistaat Sachsen, der Ernst von Siemens Kunststiftung, der Kulturstiftung der Länder und dem Freundeskreis der SKD finanziert. Über den Preis wurde Stillschweigen vereinbart. Dabei hatte der erste Käufer der Statuette, Theodor Plieninger, den „Mars“ einem Mitglied des Bayer-Vorstands geschenkt. Dessen Erbe schenkte ihn 1988 dann der Bayer AG, verbunden mit der Auflage, ihn repräsentativ zu zeigen.

          Der „Mars“ war Giambolognas persönliche Gabe an den Herrscher, als der toskanische Großherzog Francesco I. de’ Medici 1587 Kurfürst Christian I. von Sachsen drei andere Kleinbronzen des Künstlers zum Regierungsantritt sandte. Der bedankte sich für den Kriegsgott mit einer kostbaren Goldkette beim Künstler.

          Ein internationales Kulturgut

          Das „Fürstengeschenk“ gehört damit zum ältesten Bestand der einstigen Dresdner Kunstkammer und zu den wichtigsten Schätzen der Skulpturensammlung. Werke wie die „Schlafende Venus“, der „Fliegende Merkur“ und eben Giambolognas „Mars“ bildeten den Anfang des Sammelns damals hochgeschätzter Kleinplastik am sächsischen Hof. 1924 war der „Mars“ unter den Stücken, mit denen Sachsens Herrscher abgefunden wurden. Die Wettiner veräußerten ihn im Kunsthandel.

          Giambolognas Werk sei „ein herausragendes Werk des internationalen Manierismus und der politischen Ikonologie“ sowie „ein Beispiel des souveränen, transregionalen Austausches zwischen Künstlern und Höfen“, sagt der Berliner Kunsthistoriker Horst Bredekamp. Die Skulptur sei wegen ihres Status und als Dokument einer internationalen Kultur- und Sammlungsgeschichte, die sich um nationale Grenzen nicht kümmerte, ebenso bedeutend wie als Symbol für die kulturelle Bildung von Industrie und Kapital.

          Laut Bredekamp steht der „Dresdner Mars“ im 21. Jahrhundert dafür, „dass Zuwiderhandlungen gegen diese kulturelle Bestimmung in gemeinsamer Anstrengung überwunden werden können“. Nach seiner Präsentation in Freiberg bis zum 31. März wird der „Mars“ nach Torgau und Chemnitz weiterziehen. Ab dem 7. Dezember wird er wieder an seinem ursprünglichen Dedikationsort Dresden zu bewundern sein: in der dann neu eröffneten Sempergalerie.

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