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Getty Trust : Die schmutzigen Hände der weißen Ritter

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Ein Kunstkrimi: Die Hinweise, der amerikanische Getty Trust habe Kunstobjekte aus Raubgrabungen angekauft, verdichten sich. Im Zentrum des Skandals steht Marion True, die Kuratorin für griechische, römische und etruskische Altertümer.

          Hoch oben auf einem Hügel über Los Angeles thront das strahlend weiße Getty Center. Seit seiner Eröffnung vor acht Jahren ist der weitläufige Kunst-Campus immer wieder mit einer Festung verglichen worden. Mancher Kritiker spekulierte schon fröhlich, hinter den gewaltigen Sandsteinwänden des Museums würden sich dereinst, nach dem nächsten großen Beben oder dem nächsten Ghettoaufstand, die Reichen von L. A. verschanzen und den unvermeidlichen Untergang der brennenden Megalopolis betrachten. Noch aber ist es nicht so weit. In den Armenvierteln herrscht dieselbe angespannte Ruhe wie immer, und bei Redaktionsschluß lagen keine Meldungen über „The Big One“ vor, den verheerenden Erdstoß, mit dem hier alle ständig rechnen. Und doch gleicht das Getty dieser Tage mehr denn je einer belagerten Festung.

          In einem seitenlangen Artikel hat die angesehene „Los Angeles Times“ gerade die Ankaufspolitik des immens reichen Getty Trust kritisiert und massive Vorwürfe erhoben, die Kuratoren und Direktoren der Stiftung hätten über Jahre hinweg wissentlich antike Altertümer aus Raubgrabungen in Süditalien erworben, also vorsätzlich internationales und amerikanisches Recht gebrochen. Sollten sich die Informationen bestätigen, wäre das für die exquisite Stiftung, die das Erbe des Ölmilliardärs J. Paul Getty verwaltet, ein Schlag, der verheerender sein könnte als jedes Erdbeben.

          Eine Vielzahl höchst zweifelhafter Aquisitionen

          In dem Text der „L. A. Times“, der Hunderte Dokumente aus den vergangenen zwanzig Jahren ausbreitet, darunter handgeschriebene Notizen führender Getty-Mitarbeiter, interne Memoranden der Stiftungs-Juristen, Polaroid-Fotos von antiken Statuen und kostbaren Vasen, an denen noch Erdklumpen hingen, weil die Kunstwerke gerade eben erst von Grabräubern ausgebuddelt worden waren, werden detailliert eine Vielzahl von höchst zweifelhaften Akquisitionen dargelegt. Es entstehe das Bild einer „jungen, aggressiven Institution“, heißt es in dem Artikel, die darauf fixiert gewesen sei, „eine erstklassige Sammlung aufzubauen, während sich gleichzeitig Regierungen in aller Welt bemühten, den illegalen Kunsthandel mit Antiken zu bekämpfen.“

          So soll das Getty 1993 für weit über eine Million Dollar einen goldenen Lorbeerkranz, eine feingearbeitete Grabbeigabe griechischer Herkunft, gekauft haben, Warnungen der zuständigen Kuratorin zum Trotz, die das Objekt anfangs als „zu gefährlich“ bezeichnet hatte. Zwei Jahre später, so die „L. A. Times“, habe das Museum für insgesamt 60 Millionen Dollar die rare Antiquitäten-Sammlung des New Yorker Ehepaars Lawrence und Barbara Fleischman erworben, obwohl für die Mehrzahl der Artefakte eine dokumentierte Herkunftsgeschichte fehlte, was nach den internen Richtlinien des Getty einen Ankauf eigentlich hätte ausschließen müssen.

          Italien verlangt schon 42 Objekte zurück

          In vielen der beschriebenen Fälle ermitteln längst die italienischen Behörden - gegen Grabräuber, Kunsthändler, Zwischenmänner und deren Abnehmer. Insgesamt 42 Objekte verlangen die Italiener derzeit von Getty zurück, darunter antike Vasen, Urnen und eine bedeutende Marmorstatue des Gottes Apoll, die Mitte der siebziger Jahre aus einem Grab in Süditalien gestohlen worden sein soll. Darüber hinaus zitiert die „L. A. Times“ jetzt aus Papieren von Getty-Juristen, nach deren Auffassung sogar über 80 Kunstwerke, darunter einige der kostbarsten Stücke in den Sammlungen des Museums, aus Geschäften mit Händlern stammten, gegen die in Italien ermittelt werde.

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