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Neue Hinweise : Mafia-Opfer Caravaggio

Vor bald fünfzig Jahren wurde in Palermo ein Gemälde gestohlen. Nun gibt es neue Zeugenaussagen zu diesem Fall – wurde der Caravaggio vielleicht doch nicht zerstört?

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          Das Verbrechen liegt fast ein halbes Jahrhundert zurück. In der Nacht vom 17. auf den 18. Oktober 1969 wurde aus dem Oratorio di San Lorenzo in Palermo, der neben der Kirche San Francesco liegenden Kapelle in der Kalsa, ein Hauptwerk von Caravaggio gestohlen. Lange stand zu befürchten, dass das Gemälde „Geburt Christi mit den Heiligen Laurentius und Franziskus“ (1609) anschließend zerstört worden war. Das nämlich hatte ein Ex-Boss der Cosa Nostra, der von dem (1992 ermordeten) Anti-Mafia-Richter Giovanni Falcone verhört worden war, behauptet und noch vor kurzem einer seiner Handlanger von damals bekräftigt. Doch nun hat ein alter Pentito, ein geständiger Kronzeuge, dieser Darstellung widersprochen und so dafür gesorgt, dass der Fall eine überraschende Wendung genommen hat.

          Andreas Rossmann

          Freier Autor im Feuilleton.

          Vor der parlamentarischen Anti-Mafia-Kommission in Rom hat, so berichtet die Zeitung „La Repubblica“, Gaetano Grado in einer ausführlichen Zeugenaussage zu Protokoll gegeben, dass das 2,68 auf 1,97 Meter große Gemälde an einem Ort im Ausland versteckt gehalten werde und, damit es leichter ausgeführt und auf den Schwarzmarkt gebracht werden konnte, in sechs oder acht Teile zerlegt worden sei. Schon 1970 habe es der damalige Capo der Cupola, des Konvents der Mafia-Oberhäupter, für einen hohen Preis wahrscheinlich in die Schweiz verkauft.

          Ein Symbol von Prestige und Macht

          Die Darstellung entspricht bis in Details der Aussage eines anderen Pentito, der dem Fall schon einmal eine neue Wendung gegeben hatte. Vor Jahren hatte er berichtet, dass die Cosa nostra dem Caravaggio eine hohe Wertschätzung entgegengebracht habe: So hätten die Bosse das Bild bei einem Treffen der Cupola ausgestellt und es als Symbol von Prestige und Macht angesehen. Den Diebstahl hätte, so der Pentito, damals nicht die Mafia, sondern eine Bande von Kleinkriminellen begangen; nachdem ihnen Bedeutung und Wert des Werks bewusstgeworden seien, hätten die Bosse der Cosa Nostra die Sache schnell an sich gezogen und das Werk für sich beansprucht.

          Caravaggios „Geburt Christi“ steht auf der Fahndungsliste des FBI, auf der es als eines der zehn meistgesuchten Kunstwerke der Welt geführt wird. Die Vorsitzende der parlamentarischen Anti-Mafia-Kommission, Rosy Bindi, kündigte „eine Zusammenarbeit auf internationaler Ebene“ an, die allen Spuren nachgehen werde, um das Kulturgut aufzuspüren. Die Ermittlungen werden von der Staatsanwaltschaft in Palermo geleitet.

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