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Gespräch mit dem Kunstsammler Reiner Speck : Ich bin ein Regulator meiner Obsessionen

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Ist es ein Skandalon in der Kunstszene? Der Kölner Kunstsammler Reiner Speck hat einen bedeutenden Teil seiner Sammlung verkauft. Im Interview erklärt er, warum er sich von kapitalen Werken trennt - und diese der Öffentlichkeit dennoch zugänglich bleiben.

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          Der Kölner Kunstsammler Reiner Speck hat einen bedeutenden Teil seiner Kunstwerke an die „Rheingold“-Gesellschaft verkauft. Im Interview erklärt der Arzt und passionierte Kenner, warum er sich von kapitalen Werken trennt - und diese der Öffentlichkeit dennoch zugänglich bleiben.

          Herr Speck, seit Mitte der sechziger Jahre sammeln Sie Kunst. Jetzt macht die Nachricht die Runde, dass Sie den größten Teil ihrer umfangreichen, von vielen Museen gezeigten und umworbenen Kollektion veräußert haben . . .

          . . . jedes Skandalon - und als ein solches werden ja der Verkauf einer Sammlung, deren Umschichtung oder gar Abzug aus einem Museum eigenartigerweise angesehen - ist mit Fehlinformationen verbunden. So wurde das Gerücht in die Welt gesetzt, die ganze Sammlung Speck habe den Besitzer gewechselt. Dabei geht es rein numerisch um ein Viertel der mehr als tausend Werke.

          Von einem Ausverkauf kann also keine Rede sein?

          Nein, allenfalls von einer Neuordnung. Das Leben geht weiter, und das Sammeln geht weiter.

          Von welchen Werken haben Sie sich getrennt?

          Ich habe mit den Interessenten ein bedeutendes Konvolut von großen und vor allem großartigen Werken zusammengestellt. Da mir immer eine Zeichnung ebenso wichtig war wie ein großes Bild oder eine raumgreifende Skulptur, wurde die Auswahl von diesem Kriterium mitbestimmt. In den eigenen vier Wänden verbleiben aber von jedem der Künstler wie Sigmar Polke, Günther Förg, Georg Herold, Hubert Kiecol, Albert Oehlen, Martin Kippenberger, auch von Jannis Kounellis und Mario Merz viele Papierarbeiten, Bilder und Skulpturen. Von den Amerikanern, zumal von Bruce Nauman, Walter de Maria, Lawrence Weiner und Cy Twombly, behalte ich alles.

          Was heißt das für Ihre Sammlung, die ja mehr als andere durch Kontextualitäten geprägt ist? Sie selbst haben Sie einmal mit einem Gobelin verglichen. Ist der jetzt zerschnitten?

          Ein Gobelin kann selbst für ein Schloss zu groß sein, dann muss er etwas aufgerollt präsentiert werden oder die Umgebung wechseln. Die dargestellten Motive geraten zwar ein wenig aus dem Blickfeld, aber in ihrer Gesamtheit, Kontextualität und Handschrift bleiben sie erhalten. Der Gobelin wurde nicht zerschnitten.

          Nach welchen Gesichtspunkten haben Sie entschieden?

          Ich habe zunehmend gemerkt, dass die großen Arbeiten mein Lager füllen und restauratorische Probleme mit sich bringen. Sie werden immer wieder für schöne Retrospektiven angefordert werden, aber es war absehbar, dass ich sie noch ein-, zweimal im Leben zu Gesicht bekommen würde. Das hat mich bestärkt in der Absicht, vorwiegend die großen Formate und zusammenhängenden Blöcke auszuwählen. Im Moment sind mehr als hundert Leihgaben in allen möglichen Museen unterwegs, und ebenso viele Anfragen liegen vor. Die Organisation einer Sammlung verschlingt - und das ist wenig bekannt - viel Zeit und Geld. Auch möchte ich nicht länger mein eigener Depotverwalter sein. Das raubt zu viele Kräfte, die ich endlich anderen Interessen widmen will.

          Die Einheit der Sammlung wird dafür aufgegeben?

          Große Teile der Sammlung Hahn erlitten ein ähnliches Schicksal, doch spürt man, wenn man den Werken daraus in Ausstellungen begegnet, immer etwas vom Geist und der Leidenschaft von Wolfgang Hahn. Es war gleichzeitig Opfer und Verpflichtung, ein gutes Konvolut zusammenzustellen, das weder selbst Torso sein noch einen solchen zurücklassen würde.

          Besteht nicht die Gefahr, dass die Sammlung frei nach Walter Benjamin mit ihrem Subjekt auch ihren Sinn verliert?

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