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Gemäldegalerie Berlin : Entdeckt sie neu!

Droht ein Kurswechsel in der Berliner Museumspolitik, wird die Gemäldegalerie doch nicht auf die Museumsinsel umziehen? So lautete das Gerücht. Bei genauerem Hinsehen wird offensichtlich, dass man hier nur etwas vernünftiger plant, als man es in der Berliner Kulturpolitik gewohnt ist.

          Große Aufregung in Berlin: Nachrichtenagenturen melden, der neue Generaldirektor der Staatlichen Museen zu Berlin, Michael Eissenhauer, habe einen entscheidenden Kurswechsel in der Museumspolitik der Hauptstadt angekündigt: Keine „durchreisenden Glamour-Events“ wie die große MoMA-Ausstellung mehr, kein Umzug der Gemäldegalerie vom Kulturforum auf die Museumsinsel. Ist hier eine Revolte im Gange? Schließlich ist die Konzentration der über Berlin verteilten Kunstschätze auf der Museumsinsel eines der großen Vermächtnisse von Eissenhauers Vorgänger Peter-Klaus Schuster.

          Niklas Maak

          Redakteur im Feuilleton.

          Wenn man die Quelle der Meldungen, ein Interview in der „B.Z.“, genau liest, relativiert sich die Aufregung schnell: Eissenhauer distanziert sich zwar von der Sammlungsammelleidenschaft seines Vorgängers, der seinen Museen auch qualitativ durchwachsene Privatsammlungen einverleibte, die nun teuer unterhalten werden müssen („Da ticke ich etwas anders. Nicht jeder Sammler um jeden Preis“), zum Umzug sagt er aber nur, dass es „im Moment“ niemandem verständlich zu machen sei, „für 50 Millionen Euro eine neue Gemäldegalerie bauen zu wollen, und für den Umbau der alten 20 Millionen Euro zu brauchen“.

          Lametta und Moder

          Im Moment: Das ist keine endgültige Absage, sondern nur ein realistischer Blick ins Portemonnaie einer Institution, deren Etat seit einem Jahrzehnt nicht erhöht wurde und die auf der Museumsinsel nun auch noch über eine halbe Milliarde Euro für den Bau eines schloss-identischen Gebäudes benötigt. Was die Kultur in Berlin, den kulturpolitischen Aktionismus von Wowereit und Tiefensee oft prägte, war eine seltsame Mischung aus Lametta und Moder, eine Sehnsucht nach kulturellen Olympiamedaillen (Museen, größer als der Louvre! Neue Kunsthallen! Teuer! Golden! Viel!), kombiniert mit einer erstaunlichen Nonchalance im Umgang mit Inhalten und Geld. Eissenhauer ist hier wohltuend bedächtig, plant langfristig, verlangt von Großprojekten eine inhaltliche und finanzielle Solidität, die man in Berlin so noch gar nicht kannte.

          Das Wichtigste ist denn auch seine Ankündigung, die Sammlungen besser ins Bewusstsein rücken und sie in thetischen Ausstellungen neu vor Augen führen zu wollen. Tatsächlich birgt die Gemäldegalerie Schätze, die, obwohl die Besucherzahlen nicht so schlecht sind wie behauptet, viel besser präsentiert werden müssen. Ein Umbau ihres Eingangs, den man als Ortsunkundiger hinter dem zerstreuselten Fußgängerzonenidyll kaum vermuten würde, wäre ebenso wichtig wie der Ausbau der Neuen Nationalgalerie zu einem Museum des zwanzigsten Jahrhunderts.

          Und der Umzug der Gemäldegalerie auf die Museumsinsel? Nach aktuellen Plänen würde sie gar nicht auf, sondern in wichtigen Teilen neben die Insel aufs alte Kasernengelände ziehen, das mit einer Brücke angedockt würde – keine optimale Lösung. Dass Eissenhauer nicht hektisch aufs Gaspedal drückt, gibt den Planern die Chance, die Museumslandschaft mit Kulturforum und Schlossplatz ganz neu zu denken. Bis dahin lohnt sich der sommerliche Besuch von Rubens und Rembrandt in der Gemäldegalerie. Auch wenn der Eingang wirklich scheußlich aussieht.

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