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Gehry-Bau in Paris : Die Gewalt des Auftritts

Dekonstruktion als Dekoration: Der amerikanische Architekt Frank Gehry baut in Paris der Fondation Louis Vuitton ein Ausstellungshaus, das Centre Pompidou widmet ihm eine große Retrospektive.

          Aus der Entfernung sah das, was in dieser Woche im Pariser Bois de Boulogne stattfand, aus wie Bilder einer sehr aufwendigen Modeschau. Es traten vor einem leuchtenden Riesenbauwerk, dessen Glasflächen an tausendfach vergrößerte Insektenflügel erinnern, unter den glitzernden Riesenbuchstaben „LV“ Karl Lagerfeld mit Anna Wintour, Pierre Bergé und Alain Delon auf. Dann aber kamen der Künstler Jeff Koons, mehrere Picassos, die Kunsthändler Thaddaeus Ropac und Larry Gagosian und erinnerten daran, dass es hier vor allem um Kunst gehen sollte.

          Niklas Maak

          Redakteur im Feuilleton.

          Nach siebenjährigen Bauarbeiten eröffnete der französische Präsident François Hollande im reichsten Stadtteil von Paris den Neubau der Fondation Louis Vuitton. Ein „Kristallpalast“ sei entstanden, jubelte Hollande, ein „Wunder der Intelligenz, Erfindungsgabe und Technologie“, der Bau ein Geschenk an die Stadt Paris. Bezahlt hat das Geschenk der Milliardär Bernard Arnault, Chef des Luxuskonzerns LVMH, der auf 3500 Quadratmetern Ausstellungsfläche vor allem seine eigene Kunstsammlung präsentiert, zu der Werke von Olafur Eliasson und Thomas Schütte gehören. Es gibt dazu noch ein großes Auditorium, elf Galerien und einige Aussichtsplattformen, um die sich die aufwendige Außenhaut aus Stahl, Holz und Glas wie ein ungelenk zersplitterter Chitinpanzer legt.

          Entworfen hat das Haus der 1929 geborene amerikanische Architekt Frank Owen Gehry. Die aufwendige Form der Fondation Vuitton will er als „Schiff unter vollen Segeln“ verstanden wissen, eine Metapher, die unter kunstsammelnden Milliardären für Freude sorgt: Die Riesenyachten der Großkunstsammler ankern bei jeder Kunstbiennale vor den Kaimauern von Venedig, wo Arnaults ärgster Konkurrent, François Pinault vom Luxuskonzern PPR, sich gleich zwei historische Großbauten zu Privatmuseen hat umbauen lassen.

          Endloses, spielerisches Basteln

          Das allergrößte Schiff, und dazu noch mitten in einem Pariser Park, hat jetzt aber Arnault, der im „Power 100“-Ranking der einflussreichsten Personen des Kunstbetriebs, dass das Kunstmagazin „Art Review“ gerade veröffentlichte, auf Platz 23 vor dem auf Platz 34 abgeschlagenen Pinault liegt, was immer das bedeuten mag. Die Entwürfe und Modelle des neuen Pariser Privatmuseums kann man sich in einer großen Retrospektive zum Werk von Frank Gehry anschauen, die das Centre Pompidou gewissermaßen als Begleitprogramm zu den Eröffnungszeremonien des Museums zeigt mit prachtvollen und ungeheuer aufwendigen Modellen und Filmen. Gesponsert wurde die Schau maßgeblich vom Baukonzern Vinci, der die Fondation Vuitton errichtete.

          Die Ausstellung beginnt chronologisch mit dem Frühwerk des Architekten aus den sechziger Jahren. Es sind Zeichnungen und Modelle des kleinen Wohnhauses in Los Angeles zu sehen, mit dem Gehry berühmt wurde: Über Jahre hatte der Architekt an seinem konventionellen Spitzdachhaus immer wildere Anbauten angesetzt, bis es ein schrilles, scheinbar hin- und her kippendes, mit dem fortschreitenden Leben immer weiter wachsendes, immer komplexeres und verworreneres Objekt wurde.

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