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Debatte um Raubkunst : So schnell restituieren die Preußen nicht

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Rückgaben oft nicht im Sinne der Regierenden

Allerdings dürfte das gar nicht so einfach sein. Denn man muss die Partner erst einmal finden. Wie bereits gesagt, hat die Bundesregierung bislang kaum offizielle Anfragen nach der Restitution von Kulturgütern erhalten. Das hängt mit der ethnischen Vielfältigkeit der aus den ehemaligen Kolonien hervorgegangenen Staaten zusammen. Ihr Kulturerbe ist alles andere als einheitlich. So dürften die muslimisch geprägten Eliten aus dem Norden Nigerias, die über Jahrzehnte die Staatsoberhäupter des Landes gestellt haben, nur geringes Interesse daran haben, die Götterstatuetten, Ahnenfiguren und Geistermasken der nach islamischer Doktrin als „heidnisch“ geltenden Völker aus dem Süden des Landes zurückzufordern. Anders verhält es sich mit den von der britischen Strafexpedition gegen Benin 1897 geraubten Bronzen. Bei ihnen handelt es sich um Zeugnisse einer bis ins zwölfte Jahrhundert zurückreichenden höfischen Kunsttradition. Sie stehen daher nicht nur für das Nigeria unter der Kolonialherrschaft angetane Unrecht, sondern auch für die Größe seiner kulturellen Vergangenheit.

Doch gibt es auch in den unabhängig gewordenen ehemaligen Kolonialstaaten immer noch an den Rand gedrängte und rechtlose ethnische Minderheiten. Das gilt nicht nur für Afrika. Häufig sind es solche Lokalkulturen, die in relativer Abgeschiedenheit ihren jeweils eigenen Kunststil entwickelten, von denen die Glanzstücke ethnologischer Museen stammen. Würden sie selbst Rückgabeforderungen vortragen und so auf ihre prekäre Lage aufmerksam machen, wäre dies durchaus nicht im Sinne der derzeit Regierenden.

Vertuschung der sozialen Ungleichheit?

Bereits wenige Wochen nach der Wahl Donald Trumps meldeten sich in den Vereinigten Staaten einige prominente Intellektuelle aus dem linksliberalen Lager zu Wort und machten für die Niederlage der Demokraten deren Identitäts- und Diversitätspolitik verantwortlich. Die aus der immer größer werdenden sozialen Ungleichheit resultierenden Probleme seien dadurch lediglich vertuscht worden. Man ist versucht, hier eine Parallele zu den gegenwärtigen Vorgängen in der Berliner Kulturpolitik zu ziehen. Kaschieren die Schuldeingeständnisse und Wiedergutmachungsgesten womöglich nur die ökonomische Abhängigkeit von den westlichen Industriestaaten und alten Kolonialmächten, in die die ehemaligen Kolonien infolge der Globalisierung erneut geraten sind?

Als die Berliner Raubkunstdebatte ihrem Höhepunkt zustrebte, erklärte der französische Präsident Macron in Ouagadougou, sein Land sei bereit, das afrikanische Kulturerbe aus seinen Museen an die Herkunftsländer zurückzugeben. Die Ankündigung kam überraschend. Soweit bekannt, war ihr keine unmittelbare Forderung vorangegangen. Einige afrikanische Intellektuelle reagierten denn auch skeptisch. Sie mochten hierin nur ein Manöver sehen, das von der neokolonialen Politik Frankreichs gegenüber den westafrikanischen frankophonen Staaten ablenken sollte. Es erscheint in der Tat paradox: Während Millionen von Wirtschaftsflüchtlingen des ausgebeuteten Kontinents nach Europa drängen, schickt Europa sich an, das kulturelle Erbe Afrikas den umgekehrten Weg gehen zu lassen. Zweideutiger könnte eine Geste eigentlich nicht sein.

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