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Kunstausstellung in Teheran : Versammelt, was zusammengehört

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Teheran öffnet sich: Sechzig Meisterwerke aus einer der bedeutendsten Sammlungen der Moderne warten auf die Ausreise nach Berlin. Nun sind sie in Iran zu sehen und zeigen die jüngere Kunstgeschichte in neuem Licht.

          Mit aller Macht wollte die kurzlebige Pahlavi-Dynastie in Iran (1925 bis 1979) die islamische Zeitrechnung außer Kraft setzen und das Land in die Koordinaten weit auseinanderliegender Epochen einschreiben. Im Rekurs auf die vorislamische Kultur der Achämeniden im späten sechsten Jahrhundert vor Christus suchte sie nach einer großpersischen Genealogie und Ikonographie; in der Anpassung an den westlichen Lebensstil forcierte sie den unmittelbaren Anschluss an die Moderne. Das ist politisch nach innen oft unsensibel durchgesetzt worden und in seinen Konsequenzen letztlich desaströs gewesen. Mit den seit 1958 abgehaltenen Teheraner Biennalen oder dem zehn Jahre später eingerichteten Schiras-Kunstfestival aber hat Iran diesen kühnen Spagat mit teils bemerkenswerten Resultaten vollzogen und so eine frühe Form globaler Kunstpraxis erprobt, die heute in mancherlei Hinsicht exemplarisch wirkt. Die für Berlin und Rom geplante, kurzfristig abgesagte und nun in Teheran gezeigte Ausstellung aus den Beständen des Teheraner Museums für Zeitgenössische Kunst (TMoCA) erinnert daran.

          Die Künste haben in Iran seit der Revolution unter höchst wechselhaften Bedingungen operieren müssen; Reformperioden und bleierne Zeiten lösten einander ab. Eine bemerkenswerte Konstanz bewies dabei das 1977 eröffnete, erstaunlich gut gealterte TMoCA, mit dem Architekt Kamran Diba ein äußerst gelungenes Amalgam aus internationalem Stil und vernakulärer Bautradition geschaffen hatte. Die Sheddachkonstruktion korrespondiert mit dem gleichzeitig entstandenen Kölner Museum Ludwig von Busmann und Haberer, während der Zugang kongenial von einer Konstruktion nach Art der „Badgirs“ überragt wird, jener klimaregulierenden Windtürme in der Oasenarchitektur Irans.

          Eine Pulsader der iranischen Kunstszene

          Obschon ein Relikt der geächteten pahlavischen Kulturpolitik, hat die auffällig bildgestützte iranische Revolution den Bau zur Durchsetzung eines dezidiert antiwestlichen Kunst- und Bildungsprogramms genutzt. In der Reformperiode freilich, namentlich unter Präsident Mohammad Chatami (1997 bis 2005), sind durchaus auch die ursprünglichen Bestände des Museums ausgestellt worden, zumal die auf Initiative der Schahgattin Farah Pahlavi angelegte Sammlung moderner und zeitgenössischer Kunst aus Iran und dem Westen. Weltweit spüren Liebhaber der Moderne einen Phantomschmerz gegenüber einer der frühesten Sammlungen zur zeitgenössischen Kunst überhaupt und dazu der bedeutendsten ihrer Art außerhalb der Vereinigten Staaten und Europas. Man wusste, grosso modo, was dort lagerte, nur schien es dem Blick und dem Zugriff entzogen, auch wenn einige Werke international als Leihgaben unterwegs waren.

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