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Ausgrabungen in Israel : Frühe Kirche in Galiläa

Zeugnis der Vergangenheit: bei Ausgrabungen auf einer Anhöhe der Kleinstadt Kfar Kama im Norden Israels entdeckten Archäologen Teile eines knapp 1300 Jahre alten Klosters. Bild: dpa/Alex Wiegmann/ Altertumsbehörde Israel

Bauen kann im Norden Israels eine Herausforderung sein. Der Boden ist voller Artefakte. Archäologen haben nun am Fuß des Bergs Tabor Reste eines Klosters gefunden.

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          In Nazareth wuchs Jesus auf, am wenige Kilometer östlich gelegenen Berg Tabor erhielt er nach den Evangelien sein göttliches Antlitz, und Jahrhunderte später sollten sich weite Teile Galiläas christianisieren. Forscher vermuten rund hundert Kirchen aus byzantinischer Zeit in diesem Teil des heutigen Israels. Galiläa ist seit Jahrhunderten durchpflügt und sein Grund so voll sakraler Artefakte, dass vor nahezu jedem neuen Bauvorhaben die israelische Antikenbehörde den Boden durchsuchen lässt.

          Jochen Stahnke

          Politischer Korrespondent für Israel, die Palästinensergebiete und Jordanien mit Sitz in Tel Aviv.

          Jetzt haben Archäologen bei Erkundungen für den Bau eines Kinderspielplatzes auf einer Anhöhe der Kleinstadt Kfar Kama die Reste einer weiteren Kirche gefunden. Nach Angaben der leitenden Archäologin Nurit Feig handelt es sich um einen Bau aus dem sechsten oder siebten Jahrhundert, einer Zeit, in der in Galiläa viele Kirchen gebaut wurden. Doch am Fuße des Tabors seien Kirchen selten gewesen, sagt Feig. Der Durchmesser des Grundrisses von zwölf und 36 Metern deutet auf einen mittelgroßen Bau. Bemerkenswert seien die drei Apsiden und das teils gut erhaltene Bodenmosaik. Eine steinerne Reliquientruhe stellte sich als leer heraus. Eine ähnliche Truhe mit menschlichen Knochen hatten Wissenschaftler in einer in den sechziger Jahren in Kfar Kama freigelegten Kirche entdeckt.

          Der nun gefundene Kirchenkomplex scheint größer zu sein. Untersuchungen mit Bodenradar deuten auf weitere Räume hin. Die Forscher vermuten, dass es sich um ein Kloster am Rande eines Dorfes gehandelt hat, dessen alter Name nicht mehr bekannt ist. Die Kirche sei bald nach ihrem Bau verlassen worden, vermutet Feig, denn an ihre Stelle trat keine andere Besiedlung: Artefakte aus anderen Epochen fanden die Archäologen nicht. Gleichwohl fällt der Zeitpunkt des Verlassens grundsätzlich in die Zeit der Ankunft der Omajjaden in der Gegend, wie unweit von Kfar Kama gefundene frühislamische Relikte zeigen.

          Wird die Ausgrabungsstätte mit Spielplatz verbunden?

          Nach ihrer Entdeckung und Erforschung werden die Mosaike möglicherweise bald wieder mit Erde zugeschüttet. Denn nach derzeitiger Planung soll über ihnen weiterhin der neue Kinderspielplatz entstehen. Feig schlägt vor, die archäologische Stätte zu erhalten und mit dem Spielplatz zu verbinden. Heute leben in der Umgebung vornehmlich aus dem Kaukasus stammende muslimische Tscherkessen. Sie kamen Ende des neunzehnten Jahrhunderts nach Kfar Kama, einem von heute zwei tscherkessischen Orten in Israel.

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