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Französischer Kulturminister : Ist Notre-Dame „fast gerettet“?

  • Aktualisiert am

„Seit Jahrzehnten zieht sich der Staat politisch und finanziell aus dem Erbe zurück“, beklagen französische Experten. Bild: AFP

Eine Woche nach dem verheerenden Brand von Notre-Dame verkündet Frankreichs Kulturminister gute Nachrichten. Fachleute drücken sich anders aus – und sehen Kulturdenkmäler im ganzen Land in Gefahr.

          Die schwer beschädigte Kathedrale Notre-Dame ist nach Auskunft des französischen Kulturministers „fast gerettet“. Alle sensiblen Teile seien mittlerweile gesichert und stabilisiert worden. Es gebe zwar noch einige Schwachstellen am Gewölbe, insgesamt seien das aber „großartige Neuigkeiten“, sagte Franck Riester bei einer Konzertgala für den Wiederaufbau.

          In der Zeitung “Le Figaro“ kündigte der Minister außerdem an, den Brandschutz in den vielen staatlichen Kathedralen Frankreichs zu überprüfen. „Aber ich widerspreche dem Zusammenhang, den einige Leute zwischen angeblich zu wenig Investitionen des Staates und dem Ausbruch des Brandes herstellen“, so Riester.

          „Der Staat zieht sich zurück“

          Zuvor hatten französische Kulturerbe-Experten in einem offenen Brief gemahnt, dass Denkmäler im ganzen Land vom Verfall bedroht seien. „In jedem Dorf in Frankreich gibt es eine 'Notre-Dame', die manchmal in den Flammen der Gleichgültigkeit verbrennt.“

          Die Fachleute sehen große Mängel in der Finanzierung von Kulturdenkmälern und verlangen mehr Engagement von der Regierung. „Seit Jahrzehnten zieht sich der Staat politisch und finanziell aus dem Erbe zurück“, so der Wortlaut der Stellungnahme, die der Sender Franceinfo auf seiner Webseite veröffentlichte. Mit dem vorhandenen Geld könnten an den Gebäuden nur die schlimmsten Notfälle behoben werden, aber nicht einmal die Instandhaltung finanziert werden. Sie fordern eine Art Notfallplan für Frankreichs gesamtes Kulturerbe. „Es hat eine internationale Katastrophe gebraucht, bis unsere gewählten Vertreter die Dringlichkeit der Situation erkannt haben“, heißt es in der Stellungnahme.

          Präsident Emmanuel Macron und die Verantwortlichen mahnten die Experten zu Sorgfalt: Es wäre schade, wenn an Notre-Dame Jahre nach Beendigung der Arbeit Mängel entdeckt würden. Das würde bei den Franzosen und in der Welt auf Unverständnis stoßen. Macron hatte kurz nach dem Brand angekündigt, die Kathedrale innerhalb von fünf Jahren wiederaufzubauen – und zwar schöner als zuvor.

          „Demut für die Vergangenheit“

          In Frankreich wird gestritten, ob die Kathedrale originaltreu oder im modernen Stil wiederaufgebaut werden soll. Der Kulturgut-Beauftragte Stéphane Bern
          sprach sich für einen originalgetreuen Wiederaufbau aus und forderte „Demut für die Vergangenheit“. Macron wünschte sich bei der Wiederrichtung des
          zerstörten Vierungsturms eine „zeitgenössische architektonische Geste“ und hatte einen internationalen Architekturwettbewerb ausgerufen.

          Unterdessen kamen am Ostersonntag Gläubige zur Ostermesse in der Pariser Pfarrkirche Saint-Eustache zusammen, die traditionell in Notre-Dame stattfindet. In seiner Predigt würdigte Erzbischof Michel Petit die Leistung der  Feuerwehrleute, die den Brand gelöscht hatten, und überreichte dem Pariser Feuerwehrchef Jean-Claude Gallet ein Buch mit biblischen Lesungen, das bei dem Brand gerettet worden war.

          Die Ursache für das am Montagabend ausgebrochene Feuer ist bisher nicht geklärt. Ermittler gehen davon aus, dass die Katastrophe auf einem Unfall beruht. Die Ermittler vernahmen Zeugen - darunter auch Arbeiter, die vor dem Feuer an Renovierungsarbeiten beteiligt waren.

          Als Konsequenz aus dem Brand will Frankreich der Europäischen Union einen „Kooperationsmechanismus für das gefährdete europäische Erbe“ vorschlagen, der auf gegenseitige Hilfe und Wissensaustausch abzielt. Über den Vorschlag soll am 3. Mai bei einem Treffen der Minister für Kultur und europäische Angelegenheiten in Frankreich gesprochen werden.

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