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Französische Gegenwartskunst : Vom Nutzen und Nachteil der Schwarzmalerei

  • -Aktualisiert am

Der Tod der französischen Kultur ist offenbar ein amerikanisches Medienphänomen. Die französische Kunst lebt jedenfalls. Davon zeugt eine Schau mit überwiegend schwarzen Werken in Karlsruhe.

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          Sie war schon fast totgesagt: Es ist noch nicht lange her, da titelte das amerikanische Nachrichtenmagazin Time: „The Death of French Culture“. Die französische Kultur habe international an Bedeutung verloren und spiele auf dem Markt höchstens noch am Rande eine Rolle. Die Schlagzeile schlug in Frankreich ein und hinterließ, wie jeder gelungene Terroranschlag, ein dumpfes Gefühl der Verunsicherung. Wie hatte es dazu kommen können, wo doch gerade die französische Kulturpolitik alles daran setzte, die „exception culturelle“ zu erhalten? Dass der Niedergang auch mit der krampfhaften Angst um die sogenannte „identité nationale“ zusammenhängen könnte, kam lange Zeit niemandem in den Sinn.

          Als sich das Time-Magazine also 2007 auf die Spuren der „french culture“ begab, war, was sie vorfanden, ein „french Trauerspiel“: Die Übersubventionierung habe die Entstehung alternativer Bewegungen oder Institutionen verhindert und der Kunst damit den kreativen Atem geraubt. Paris, bis Mitte des letzten Jahrhunderts Mittelpunkt der internationalen Kunst, habe den Anschluss an das globalisierte Kunstsystem verpasst. Was von der einst so florierenden Kunst zurückblieb, gleiche einer Mumie, der im Grunde nicht mehr viel übrigblieb, als sich selbst in den Louvre zu legen.

          Nun wird mit dieser tristen Stimmung aber abgeschlossen. Wie schon das Motto „Paris se réveille“ der letztjährigen Kunstmesse FIAC verkündete, ist die französische Kunstwelt erwacht. Erst kürzlich initiierte das Pariser Auktionshaus Cornette de Saint Cyr das Projekt AF20.1; hinter dem rätselhaften Kürzel stand die Idee, die wichtigsten französischen Künstler der sechziger bis achtziger Jahre in einer Auktion zu vereinen und damit, so die Hoffnung der Veranstalter, eine neue Basis für die jüngere Künstlergeneration zu schaffen. Im Vorwort des Kataloges bemerkt Stéphane Corréard, der Leiter der Abteilung für zeitgenössische Kunst, dass die französischen Künstler zur „Dritten Welt“ der Kunst verkommen sind und, mit Ausnahme des Dunstkreises um Christian Boltanski, Annette Messager und Sophie Calle, im Ausland weitgehend ignoriert werden.

          Der Kurator Alexander Eiling, dessen Ausstellung „Lumière Noire. Neue Kunst aus Frankreich“ derzeit in der Orangerie der Staatlichen Kunsthalle Karlsruhe gezeigt wird, sieht die Lage nicht ganz so schwarz, auch wenn die Farbe Schwarz sozusagen sein roter Faden ist. Im Katalog erklärt er, die französische Kunst sei wieder dynamischer geworden und auf dem besten Weg, ihren Platz auf dem internationalen Markt zurückzugewinnen. Präsentiert werden die Arbeiten von zwölf jungen Künstlern, anhand derer Eiling nicht nur einen Vorgeschmack auf die aufblühende Kunstlandschaft Frankreichs geben, sondern auch einen Bogen zur französischen Malerei des siebzehnten bis neunzehnten Jahrhunderts spannen will, die in der Sammlung der Kunsthalle stark vertreten ist.

          Ohne innere Logik

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