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Frans-Post-Ausstellung : Frieden unterm Firmament

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Der Maler Frans Post fand sein Lebensthema in den exotischen Landschaften und Tieren Brasiliens. Das Amsterdamer Rijksmuseum widmet ihm nun eine Ausstellung.

          Museumsarchive sind in der Regel stille Orte. Eine kunsthistorische Sensation ereignete sich jedoch, als Alexander de Bruin, der im Nord-Holland-Archiv in Haarlem die Bildersammlung leitet, eines Tages dort 34 bis dahin völlig unbekannten Zeichnungen von hohem künstlerischen Rang aus dem frühen siebzehnten Jahrhundert entdeckte. Ein Aquarell zeigt einen „sehr übellaunigen“ Klammeraffen, der von Baum zu Baum enorm weit springen könne, wie die Inschrift lautet. Auf einem anderen Blatt ist ein prachtvoller Jaguar zu sehen, fälschlich als „Tiger, so groß wie ein normales Kalb, jedoch grausam und stark“ deklariert.

          Es war ein spektakulärer Fund, aber welcher Künstler hatte das faszinierende graphische Œuvre geschaffen? Wo waren die Darstellungen exotischer Tiere entstanden? Schließlich stellte der Kurator fest, dass der Klammeraffe und der Jaguar, die auf diesen Zeichnungen zu sehen sind, aber auch Faultiere, Tapire, Gürteltiere, Wasserschweine und Ameisenbären, ganz unverkennbar in den brasilianischen Landschaftsgemälden von Frans Post (1612 bis 1680) wiederzufinden seien, was sich nun in einer reizvollen Ausstellung im Rijskmuseum in Amsterdam nachvollziehen lässt. Zum ersten Mal sind dort all diese gezeichneten und aquarellierten Tierporträts von Frans Post öffentlich zu sehen – und auch die Entsprechungen in seinen berühmten Gemälden, die nicht immer leicht zu finden sind.

          Ein „Tiger, so groß wie ein normales Kalb“? Nein, es ist nur ein Jaguar. Leihgaben aus dem Naturalis Biodiversity Center in Leiden ergänzen die Zeichnungen und Gemälde. Bilderstrecke

          Wer war Frans Post? Eine Reise veränderte sein Leben nachhaltig. Bei der Überfahrt nach Brasilien im Jahr 1637 war der holländische Maler erst 23 Jahre alt. Damals befand er sich mit seinem Bruder, dem Architekten Pieter Post, sowie etlichen anderen Künstlern und Wissenschaftlern im Gefolge des Grafen Johan Maurits von Nassau-Siegen, der von 1637 bis 1644 Generalgouverneur der Kolonie Neu-Holland in Brasilien war. Nur kurz befand sich die Kolonie, die ansonsten von 1500 bis 1800 portugiesisch war, im Besitz der Holländer, die sie 1630 erobert hatten. Mit dem Grafen lebte auch Frans Post dort, und seit dieser Zeit bestimmten die unbekannte Landschaft und der Wechsel der Sujets sein Werk. Die Poesie des ganz Fremden war nun der Inhalt und die lebenslange malerische Herausforderung.

          Nur sechs Gemälde sind aus sieben Jahren in Brasilien überliefert: Das erste uns bekannte Bild, „Blick auf Itamarcá“, im Ankunftsjahr entstanden, hängt im Mauritshuis in Den Haag. Graue und braune Erdfarben dominieren, auch am verhangenen Himmel. Im Vordergrund sind zwei Reiter abgebildet. Der eine, holländisch gekleidet, ist von seinem Schimmel abgestiegen und schaut über das Wasser in eine ferne Landschaft, während ein schwarzer Sklave sein Pferd hält. Der zweite Reiter hat die Beine nach hinten angewinkelt – „so reiten die Portugiesen“, steht auf der Rückseite des Bildes. Mit der friedlichen Gemeinschaft dieser Menschen aus verschiedenen Bevölkerungsgruppen scheint Post weniger die Wirklichkeit abzubilden als vielmehr eine soziale Utopie zu entwerfen – wie in manchen seiner Gemälde.

          Ein großer Einzelgänger der Malereigeschichte

          Nach seiner Rückkehr entstanden von 1644 bis 1680 aus den zahlreichen südamerikanischen Zeichnungen und Skizzen die rund 140 Gemälde, die heute noch erhalten sind. Es sind Bilder der Erinnerung, die zu Schilderungen eines irdischen Paradieses werden. Eine idyllische Welt voller Frieden und Harmonie ist zu sehen, Panoramen in zauberischen Fernen unter hohem Himmel. Die wundersamen Blautöne der späten Postschen Firmamente wirken märchenhaft (falls sie nicht auf dem hässlichen Phänomem der Verblauung beruhen) und ebenso die sanften Farben seiner Vision eines schönen fernen Landes miteinander im Frieden lebender glücklicher Menschen.

          Frans Post gehört zu den zu Lebzeiten erfolgreichen, danach aber lange vergessenen Künstlern, die erst im zwanzigsten Jahrhundert späten Nachruhm erlangten. Seit 1930 erschienen erste kunsthistorischen Würdigungen des Malers. Zur gleichen Zeit begann man ihn in Brasilien als Nationalkünstler zu entdecken. 1950 trennte man sich im Frankfurter Städel von einem seiner Meisterwerke, dem 1647 entstandenen Gemälde „Die Wasserfälle von Alonso“, das heute im Museo de Arte in Sao Paolo hängt. 1990 wurde ihm in Basel und Tübingen die erste Einzelausstellung in Europa gewidmet. Sie machte auf einen großen Einzelgänger in der Geschichte der Malerei aufmerksam, der mit der Wahrnehmung des ganz anderen, Exotischen sein künstlerisches Lebensthema gefunden hatte.

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