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Frankfurter MMK feiert Jubiläum : Kunst ist Glück

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Auch ein Parcours durch verschiedene Kunstbegriffe, die man wie in einer Expedition entdecken kann: Bei der Ausstellung zum zwanzigjährigen Bestehen des Museums für Moderne Kunst in Frankfurt ist selbst das Café ist ein Kunstwerk.

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          In den achtziger Jahren kursierte ein Witz über die Eigenheiten der europäischen Nationen und die Frage, wie sie am besten miteinander harmonieren. Der Himmel, hieß es, sei dort, wo die Briten die Polizisten sind, die Franzosen die Köche, die Italiener die Liebhaber, die Deutschen die Mechaniker und die Schweizer die Organisatoren. In der Hölle kochten dagegen die Briten, die Franzosen kümmerten sich um die Mechanik, die Italiener um die Organisation, die Deutschen um das Polizeiwesen und die Schweizer waren die Liebhaber.

          Die Struktur dieses Witzes lässt sich auch auf die Kräfte übertragen, die in einer Stadt wirken: Die Hölle ist, wo Investoren die Stadtplanung übernehmen, Architekten nur Fassaden gestalten und Kunst ausschließlich im Museum hängt. Und der Himmel? Einen Zipfel davon kann man von morgen an im Rahmen der Jubiläumsschau des Frankfurter Museums für Moderne Kunst besichtigen, das seinen zwanzigsten Geburtstag feiert: Tausend Werke von mehr als hundertfünfzig Künstlern aus der Sammlung werden gezeigt. Und weil die Ausstellungsfläche des Museums in der Braubachstraße dafür nicht reicht, hat man noch das ehemalige Degussa-Gebäude auf dem Main-Tor-Areal hinzugefügt, das nach Ende der Schau abgerissen werden soll. Im temporären Frankfurter Himmel stellt also die Investorengruppe DIC ein Gebäude zur Verfügung, ein Künstler hat ein Café mit Sonnenterrasse eingerichtet und Architekten sind ins Museum eingezogen.

          Aber von vorne: Das Museum für Moderne Kunst hat sein zwanzigjähriges Bestehen zum Anlass genommen, die reichen Bestände auszubreiten, die ansonsten im Depot lagern. Gezeigt werden zwar nur etwa vierzig Prozent der Sammlung – allerdings ist Masse ja auch kein Qualitätskriterium. Mit Blick auf einige Sammlungsstücke ist ihr Fehlen eher Glück als Schaden: Nicht vertreten ist beispielsweise Nobuyoshi Araki mit seinen grässlichen Bondage-Fotografien, die sich zwischen Kitsch und Pornographie bewegen und die das Museum leider in Hülle und Fülle gesammelt hat.

          Mehr als nur Werkstatt und Büro

          Aber das MMK, dessen Pforten 1991 der Gründungsdirektor Jean-Christophe Ammann öffnete, besitzt vor allem große Schätze – und pünktlich zum Geburtstag sind auch noch einige hinzugekommen. Im Degussa-Gebäude empfängt den Besucher eine Rauminstallation von Tobias Rehberger, die als Café fungiert. Sie stammt aus der ehemaligen Sammlung der Dresdner Bank und diente den einstigen Mitarbeitern als Kantine, aufgegliedert in mehrere Sitzgruppen, die nach Städten benannt wurden, in der das Bankhaus Filialen unterhielt. Fünf davon sind wie Inseln in der Ausstellung installiert, darunter Moskau, Dubai oder Mailand. Ursprünglich waren die Deckenlampen über eine Fotozelle mit der jeweiligen Stadt verbunden, so dass das Licht gedimmt wurde, wenn in Mailand oder Schanghai die Sonne unterging. Die Übertragung des Tagesrhythmus findet im Degussa-Gebäude nicht mehr in Echtzeit statt, sondern wurde gespeichert und nun abgespielt.

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