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Frankfurter Kunstprojekt : Glitzerding am Straßenrand

Der Frankfurter Roßmarkt ist zugig, leer und uninteressant. Eine Jury aus 25 Schülern hat den Künstler Tomás Saraceno dazu bestimmt, etwas mit dem Platz zu machen. Das Ergebnis ist deprimierend und endlos langweilig.

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          Was für ein großartiges Projekt. Und was für eine Enttäuschung. Aber bevor man über dieses spiegelnde, glitzernde Ding reden kann, das etwas verloren an einer Ecke des sehr leeren Frankfurter Roßmarkts liegt, als sei es ein geheimnisvolles, beim Steigflug abgefallenes Bauteil eines A380, muss man über die Gattung sprechen, zu der es gehört. Wir haben es hier mit „Kunst im öffentlichen Raum“ zu tun. Seit den siebziger Jahren wird systematisch und meist mit staatlichen Fördergeldern Kunst im Stadtbild verteilt - und die Hoffnung, die sich damit meistens verband, war klar: Die Kunst sollte nicht mehr Privileg einer bildungsbürgerlichen Schicht sein, sondern hinein ins Alltagsleben.

          Niklas Maak

          Redakteur im Feuilleton.

          Das war der Plan. Und deswegen stellte man die Kunst meistens in die Problemzonen der Stadt. So tauchten auf undefinierten Grünflächen abstrakte Skulpturen, vor abweisenden Betonfassaden quietschbunte Reliefs auf - wo nichts passieren wollte, musste Kunst hin. Die lokale Kulturpolitik warf Kunstobjekte über der Ödnis ab, wie das Löschflugzeug eine Wasserbombe über einem Brandherd abwirft, und während klassische Reiterstandbilder noch die Leistungen angeblich bedeutender Figuren vor Augen führen sollten, führt die Kunst im öffentlichen Raum meistens nur vor, dass mit diesem etwas nicht stimmt.

          Nicht schon wieder „Kunst im öffentlichen Raum“

          Natürlich gibt es Ausnahmen. Und es ist ja auch nichts gegen Skulpturen in einem Park oder auf einem Platz zu sagen - aber wie viele Beispiele gibt es dafür, dass die Kunst den öffentlichen Raum nicht nur dekoriert und in einen kontemplativen Museumsraum ohne Dach verwandelt - sondern (und das war ja das große Versprechen) Handlungsalternativen eröffnet? Wäre, sollte diese Kunst fragen, eine Stadt denkbar, in der nicht nur Schaufenster angeschaut und Sachen gekauft werden, wäre ein kollektiver Ort, eine Architektur vorstellbar, in der spontanere, wildere Formen des Miteinanders möglich werden und in dem das Gefühl von Gemeinsamkeit sich nicht auf das parallele Trinken von zwei Milchkaffees mit Blick auf die Masse der Einkaufenden beschränkt?

          Unter den jüngeren Künstlern schien kaum jemand geeigneter, diese Fragen zu beantworten, als der Künstler Tomás Saraceno - und so war es ein gutes Zeichen, dass man ihn für das staatlich und stiftungsgeförderte Projekt „Rossmarkt³“ auswählte, um auf dem kriegszerstörten und seitdem unwirtlichen Platz etwas zu tun, was nicht bloß wieder Kunst im öffentlichen Raum sein sollte.

          Saraceno, der am Frankfurter Städel erst Architektur und dann Kunst studierte, wurde bekannt mit Modellen schwebender Städte und mit filigranen Irrgärten aus komplizierten Fadennetzen, die er unter anderem auf der Biennale in Venedig 2009 zeigte. Er interessiert sich für die Statik von Seifenblasen, die Stärke und Feinheit von Spinnweben: Seine Entwürfe erinnern an die großen alten Raumutopiker Buckminster Fuller und Yona Friedman, und wie bei denen fragte man sich auch bei Saracenos beeindruckenden schwebenden Modellen, ob so eine utopische, fliegende Blasensphäre auch wirklich gebaut und nicht nur als Modell beschworen wird.

          Einkugeln im Hängemattennetz

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