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Aardman-Ausstellung in Frankfurt : Lesen Sie gern die Bücher von Fido Dogstojewski?

Wie aus Knetmasse ein Welterfolg wird, sobald man damit Wallace & Gromit oder Shaun das Schaf formt: Das Frankfurter Filmmuseum stellt die Arbeit des britischen Aardman-Studios aus.

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          Der erste Eindruck am Eröffnungstag: Flachware. Viele Bilder hängen nämlich im obersten Geschoss des Frankfurter Filmmuseums. Das ist hier einerseits normal, Film ist ja ein Bildmedium. Andererseits hat sich das Museum immer wieder durch Präsentationen ausgezeichnet, die sich der Vorgeschichte eines fertigen Films widmeten: den Dreharbeiten, der Ausstattung. Und in der neuesten Schau des Hauses geht es ja um Aardman, jenes Animationsstudio, das wie kein zweites für seine Puppenanimation bekannt ist, also die dreidimensionale Inszenierung von Einzelbild für Einzelbild, bei der dann jeweils die Figuren um Winzigkeiten verändert werden, um bei vierundzwanzig Filmbildern pro Sekunde die Illusion kontinuierlicher Bewegung zu erschaffen. Stop-Motion-Technik heißt der Fachbegriff dafür. Es gibt bei dieser Arbeitsweise im Gegensatz zum klassischen Zeichentrickfilm regelrechte Studiobühnen für die Aufnahmen. Und Aardman mit seinen Knetfiguren ist bekannt für deren besonders detailverliebte Gestaltung. Ein Beispiel? Nehmen wir den Knetfigurenhund Gromit, der in dem Film „Wallace & Gromit – Unter Schafen“ im Knast sitzt und ein Buch liest: „Verbrechen und Strafe“ von Fido Dogstojewski. Im Kino sieht man das nur ganz kurz. Nun will man sich endlich einmal Muße für dieses Detail nehmen dürfen.

          Andreas Platthaus

          Verantwortlicher Redakteur für Literatur und literarisches Leben.

          Und man darf, denn Teil der Ausstellung „Die Kunst von Aardman“ ist auch die liebevoll konstruierte Gefängniszelle. Sie ist nur nicht so leicht zu finden an diesem Eröffnungstag, dessen Besucheransturm dem Filmmuseum einen der größten Erfolge seiner Geschichte verheißt. Über die Köpfe einer unzählbaren begeisterten Kinderschar hinweg sieht man vor allem die Bilder an den Wänden. Die Vitrinen dagegen mit einzelnen Figuren oder auch ganzen Sets wie dem aus „Unter Schafen“ muss man erst einmal in den Besucherströmen ausmachen. Sie finden sich dort, wo die Bewegung der Masse zum Stillstand kommt, weil man zum Betrachten der Detailfülle Zeit braucht, viel Zeit. Und so funktioniert diese Schau selbst nach einer Art Stop-Motion-Technik, weil der kontinuierliche Fluss durch die Ausstellungsräume immer wieder eingefroren wird. Was dagegen nie gefriert, ist das Lächeln vor den Objekten.

          Aus Skizzen und Tüfteleien zum Leben als Knetfiguren erwacht: Szene aus „Shaun das Schaf“ aus dem Jahr 2006. Bilderstrecke

          Die beiden Aardman-Gründer, Peter Lord und David Sproxton, arbeiten schon seit fünfzig Jahren zusammen. Damals gingen sie auf dieselbe Schule, waren beide zwölf Jahre alt und fertigten ihre Trickfilme aus Spaß an. Als 1970 Ernst daraus wurde, ging es zunächst einmal nur um fünfzehn Pfund. So viel zahlte der britische Fernsehsender BBC den beiden nun Sechzehnjährigen für einen nicht einmal eine Minute langen animierten Film, in dem ein Superheld von einigermaßen trauriger Gestalt nach schönster Trickfilmmanier die Tücken einer gezeichneten Welt erfährt. Für diesen Unglücksraben suchten die beiden jugendlichen Erfinder nach einem lustigen Namen, und sie fanden sehr weit vorne im Lexikon die Bezeichnung eines südafrikanischen Erdferkels: Aardvark. Also nannten sie ihren Superhelden Aardman. Und weil ihnen dieser Name gut gefiel, gaben sie ihn 1972 auch der Trickfilmfirma, die sie als Achtzehnjährige gründeten.

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