https://www.faz.net/-gqz-78kfc

Franco Stella zum Siebzigsten : Rationalist mit viel Gefühl

  • -Aktualisiert am

Er bewundert Karl Friedrich Schinkel und zählt zu den modernen Rationalisten. Derzeit arbeitet der Architekt an den Plänen für die historischen Fassaden des Berliner Stadtschlosses. Man darf gespannt sein. Franco Stella zum Siebzigsten.

          1 Min.

          Wer bitte? Als am 28. November 2008 der Architekt Franco Stella Sieger im Wettbewerb für den Wiederaufbau des Berliner Stadtschlosses wurde, waren nicht nur Laien, sondern auch Architekten und Kritiker ratlos. Vielleicht erinnerte sich der eine oder andere, dass er sich am Wettbewerb um den Umbau des Berliner Reichstags beteiligt hatte. Aber der Mehrzahl war der in Thiene im Veneto geborene und überwiegend dort tätige Architekt unbekannt.

          Das sollte sich schlagartig ändern: Wer an so renommierten Büros wie denen von Hans Kollhoff oder Christoph Mäckler, Kleihues oder Kuehn Malvezzi vorbeigezogen war, durfte sicher sein, gründlich unter die Lupe genommen zu werden. Jubel erregte Stellas Entwurf nicht. Man warf ihm Kälte und Monotonie vor und attackierte vor allem den vierten, der Spree zugewandten neuen Flügel.

          Stella und der klassisch moderne Rationalismus

          Was Stella als Stadtloggia bezeichnete, die der Kleinteiligkeit des nicht mehr zu rekonstruierenden kurfürstlichen Renaissancetrakts die weltbürgerliche, dem Namensgeber des künftigen Humboldt-Forums angemessene Größe folgen lassen werde, sahen viele als ideenlose Parade von Pfeilern und rechten Winkeln.

          Sonderbar: Als kurz nach der Wende Ideenwettbewerbe für den Wiederaufbau der Stadtmitte einander jagten, waren ähnliche Kubengebilde, die Ersatz für das gesamte verschwundene Schloss sein sollten, einhellig als zeitgemäß gelobt worden. Franco Stella aber berief sich 2008 nicht darauf, sondern auf seinen eigenen architektonischen Werdegang: Er fühlt sich dem klassisch modernen Rationalismus verpflichtet, der seit den zwanziger Jahren bis hin zu den Achtziger-Jahre-Entwürfen Aldo Rossis Italiens Architektur maßgeblich geprägt hat.

          In diesem Sinne baute Stella - sein Büro eröffnete er in Vicenza - zwischen 1976 und 1998 den Hauptsitz der Firma ESTEL in Thiene, mehrere Schulen, das Rathaus von Maserà di Padova und Ausstellungshallen der Messe in Padua. Mit Deutschland verbindet ihn seine Bewunderung für Karl Friedrich Schinkel und Mies van der Rohe, und mit dem Berliner Schloss seine Liebe zum „Weiterbauen historischer Gebäude“. Noch steht kein Pfeiler der historischen Fassaden und keiner von Stellas rationalistischer Ergänzung. Doch er arbeitet intensiv an der Detaillierung der Pläne - mit viel Einfühlungsvermögen, wie man hört. An diesem Mittwoch wird Franco Stella siebzig Jahre alt.

          Weitere Themen

          Disziplinarverfahren gegen Cornelia Koppetsch

          Plagiate bei Soziologin : Disziplinarverfahren gegen Cornelia Koppetsch

          Sie habe „rücksichtslos“ gehandelt, die gute wissenschaftliche Praxis sei gravierend missachtet worden: Eine interne Untersuchungskommission der TU Darmstadt findet deutliche Worte zu den Plagiaten ihrer Soziologin Cornelia Koppetsch.

          Topmeldungen

          Blick auf London: Ein Mann überquert die Waterloo Bridge

          Großbritannien : Corona-Krise kostet 730.000 Arbeitsplätze

          Die Pandemie hinterlässt auf dem britischen Arbeitsmarkt tiefe Spuren. Neun Millionen Menschen wurden in Zwangsurlaub geschickt. Im Oktober laufen die staatlichen Hilfsprogramme aus.
          Cornelia Koppetsch im Oktober 2019 auf der Frankfurter Buchmesse

          Plagiate bei Soziologin : Disziplinarverfahren gegen Cornelia Koppetsch

          Sie habe „rücksichtslos“ gehandelt, die gute wissenschaftliche Praxis sei gravierend missachtet worden: Eine interne Untersuchungskommission der TU Darmstadt findet deutliche Worte zu den Plagiaten ihrer Soziologin Cornelia Koppetsch.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.