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Fotokunst in Düsseldorf : Taschenspielertricks mit Taschenspiegeln

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Gelungene Positionsbestimmung: Das NRW-Forum in Düsseldorf zeigt mit der Ausstellung „State of the Art“, was Gegenwartsfotografen umtreibt.

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          Der Anspruch ist hoch: Ein Grüppchen von Kunstexperten, darunter Klaus Biesenbach, F.C. Gundlach, Andreas Gursky und Thomas Weski, tut sich zusammen, sucht junge Fotokünstler aus und behauptet, eine fotografische Positionsbestimmung der Jetztzeit vorzulegen. Die Überraschung: Es gelingt. Im Düsseldorfer NRW-Forum ist die Schau "State of The Art - Photography" ohne jeden Pomp inszeniert, stattdessen geprägt von einer nüchternen Arbeitsatmosphäre, in der sich weitgehend unbekannte junge Positionen in Ruhe entfalten können. Sie macht dabei vor allem eines deutlich: Die Fotografie hat sich selbstbewusst und selbstverständlich als Kunstform etabliert. Fast könnte man sogar vergessen, wie kurz es her ist, dass Fotokünstler im Museum ausloteten, was Kunst sei und was angewandte Fotografie.

          Nun sind die Grenzen zwischen High und Low endgültig verwischt, ebenso wie die Grenzen zwischen analoger und digitaler Fotografie zunehmend unschärfer werden. Vor diesem Hintergrund entstehen neue Handlungsräume: Hier kann sich das Medium sowohl neu erfinden als auch von seinen veränderten Entstehungs- und Arbeitsbedingungen berichten. Wo noch vor kurzem die Behauptung das Ziel der künstlerischen Bemühungen bilden musste, stellt sich nun die Fotografie beim Schauen selbst in Frage.

          Wir glauben den historischen Bildern nichts mehr

          Dies prägt etwa die Arbeit von Jan Paul Evers: Er fotografiert analog, arbeitet mit Schablonen, verlängert oder verkürzt Belichtungszeiten und schafft so vielfach überlagerte Bildgewebe, in denen zwischen Bild und Abbild nicht mehr zu unterschieden ist. Miriam Böhm generiert aus einem scheinbar simplen Motiv wie einem Taschenspiegel Trugbilder, die nah an den optischen Täuschungen eines Cornelis Escher sind und darin grundlegende Fragen nach der Verlässlichkeit fotografischen Sehens aufwerfen. Das Fotografenduo Taiyo Onorato und Nico Krebs schließlich sucht nach dem Deus ex machina der Fotografie und erfindet dafür skurrile Apparate, die sich schon die Surrealisten ausgedacht haben könnten.

          Daneben gibt es Positionen, die den Anschluss an die großen inszenatorischen Gesten der Vergangenheit suchen, um daraus etwas Originäres zu entwickeln. "State of the Art" heißt hier: Wir glauben den historischen Bildern nichts mehr und erfinden sie lieber noch einmal selbst. Andreas Mühes kalt strahlende Fotografien vom Obersalzberg sind unerhört: Er stellt winzig wirkende Männer in SS-Uniformen in monumentale Landschaftskulissen. Die "Pissing Nazis" scheinen in die majestätische Weite zu blicken, doch wer genau hinsieht, erkennt, dass sie in die Landschaft urinieren. Wer dies als provokantes Augenzwinkern abtut, übersieht die Komplexität dieser Motive, die sich vor der Folie der jüngeren Kunstgeschichte entwickelt: Warhols "Piss-Paintings" und Wolfgang Tillmans urinierender Punk spielen hier ebenso eine Rolle wie die ausgeklügelte Verführungskraft der Nazi-Propaganda.

          Stirb und werde

          Konventioneller wirkt dagegen Alex Pragers Rückgriff auf die fünfziger Jahre, der sich auf den Spuren eines Alfred Hitchcock bewegt und darin ebenso vertraut wie neu erscheint: Pragers zeitgenössische Diven haben nichts von ihrer retroaktiven Anziehungskraft verloren. Jeremy Kost operiert mit Polaroidcollagen am nächsten an der Gegenwart. Er erinnert an die frühen Neunziger, in denen Dragqueens und Vogueing ihre Blütezeit im popkulturellen Mainstream feierten. In ihrer Lust am Zitat wirken die Ansätze dieser drei Fotokünstler frappierend aktuell. Vor allem Kosts Werk verweist auf eine neue Selbstverständlichkeit im Umgang des jüngst mit großem Erfolg wiederbelebten Sorgenkindes Polaroid.

          Bei aller Lust an Theatralität und Inszenierung sind aber auch dokumentarische Blickwinkel nach wie vor relevant, die auf die Frühzeit der Fotografie verweisen. So erscheint die stille Präsenz der Bewohner eines Hochhauses in der City von Johannesburg, die Mikhael Subotzky und Patrick Waterhouse im Aufzug fotografierten, von ähnlicher Würde geprägt wie einst die ikonischen Porträts eines August Sander. Gleiches gilt für Pepa Hristovas eindringliche Darstellungen von Frauen, die in Albanien als Männer leben, um bestimmte, Männern vorbehaltene Berufe ausüben zu können. Völlig von ihrer Vergangenheit gelöst hat sich hingegen ein anderes klassisches fotografisches Genre: die Street Photography. Hier lauert der Fotograf nicht mehr auf der Straße, um arglosen Passanten ins Gesicht zu blitzen, sondern schöpft ganz aus dem Anonymen. So versammelt Edgar Leciejewski Darstellungen unkenntlich gemachter Personen aus dem Fundus von "Google Street View". Immer noch, und es verwundert kaum bei den zur Verfügung stehenden technischen Möglichkeiten, widmen sich Künstler mehr oder weniger virtuosen Computer-Spielereien. Asger Carlsen zeigt amorphe Körpermanipulationen, die vor kurzem noch erschreckt haben mögen, aber nun langweilen. Natürlich sind die meisten Fotografien der Ausstellung digital entstanden oder bearbeitet, doch das Digitale als Effekt hat sich abgenutzt. Das Medium Fotografie stirbt und entwickelt sich zugleich dynamisch weiter: Das ist vielleicht die größte Entdeckung dieser jüngsten Trendschau.

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