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Fotografien aus Afghanistan : Aufklärung aus der Luft gegriffen

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Es ist Krieg in Afghanistan, das blendet die Ausstellung nicht aus. Auf einem Ausschnitt vom 10. August 2010, in Kabul aus viertausend Meter Höhe aufgenommen, ist grobkörnig das herangezoomte Wrack eines leichtgepanzerten Geländewagens vom Typ Wolf zu sehen. Er ist in eine Sprengfalle gefahren, drei Menschen kamen dabei ums Leben. Auf einem anderen Foto sieht man zwischen Gebäuden fünf übers Bild verstreute Bombenkrater (Kandahar, 21. April 2008, 1550 Meter). Es ist das Beweisfoto für einen als gelungen bezeichneten Luftschlag der Isaf. Solche Bilder werden gemacht, weil die „irregulären Kräfte“ in Afghanistan, wie die Taliban im Militärjargon heißen, bisweilen dazu neigen, ein paar Stunden nach dem Angriff Leichen am Ort der Zerstörung abzulegen, damit Tote unter der Zivilbevölkerung beklagt werden können - eine Praxis, die das Geschwader aus seinem Einsatz im Kosovo kennt.

Im Bemühen der Ausstellung, ein möglichst umfassendes Bild „des Auftrags“ zu geben, sind die Luftaufnahmen mit klassischer, farbiger Reportagefotografie durchmischt: Bildern von Kindern, einem sehr eigenwilligen Elektrofachgeschäft oder einem der in Afghanistan typischen Sandstürme, die keine Luft zum Atmen lassen und mit aufgewirbelten Fäkalien durchsetzt sind. Auch diese Aufnahmen haben zu Fotografen ausgebildete Soldaten gemacht. Das ist nicht uninteressant, nimmt den Luftbildern aber die Wucht.

Farbfotografien brauchen mehr Speicherplatz

Was man in der Ausstellung augenblicklich wahrnimmt, ist der Wandel der Bundeswehr zur Hightech-Armee: In den ersten beiden Jahren des Einsatzes wurden die Luftbilder noch mit einem analogen System (Nassfilm, 1200 Aufnahmen pro Film) gemacht, von 2009 an mit einem digitalen (50 Gigabyte Festplatte). Mit dem alten System flog der Tornado auf fünftausend Fuß Höhe sein Zielgebiet ab, was ihn selbst für leichtere Waffen angreifbar machte, er landete wieder, und der Film musste entwickelt werden.

Das allein dauerte zwanzig Minuten. Das neue „Recce Lite“-System hingegen übermittelt aus der doppelten, sicheren Höhe die Daten seiner vielen Einzelfotos, die später zu einem Gesamtbild hochgerechnet werden, in drei bis vier Sekunden direkt an die Luftbildauswertung am Boden. Dass es sich ausschließlich um Schwarzweißfotos handelt, hat pragmatische Gründe. Farbfotografien beanspruchten ein Drittel mehr Speicherplatz - und sie lenkten die Blicke derer, die die Bilder auswerten müssen, zu stark ab.

Keine Bilder vom 4. September 2009

Deren Aufgabe war und ist es - denn die unbemannte Drohne Heron 1 ist weiterhin im Einsatz -, die Bilder penibel nach vorgegebenen Schemata zu beschreiben und auf Anomalien im „Pattern of Life“, dem afghanischen Alltag, hinzuweisen. Goldene Regel: Wenn an fünf Tagen zur gleichen Uhrzeit - außerhalb der Gebetszeit - Gedränge in einem Viertel herrscht, am sechsten Tag aber niemand zu sehen ist, kann man davon ausgehen, dass etwas passiert. Denn die Bevölkerung wird vor Anschlägen meist gewarnt.

Bilder vom 4. September 2009, dem Tag, an dem der deutsche Oberst Klein das Bombardement von zwei entführten Tanklastern bei Kundus anordnete, sind nicht zu sehen. Die Fotos seien weiterhin „Nato Secret“, sagt der Luftbildauswerter - was die ausgestellten Fotos vor kurzem auch noch waren. Viel wichtiger aber sei: Die Bewertung solch heikler Fotos wolle man auf keinen Fall den Laien überlassen. So schön sie auch sein mögen.

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