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F.A.Z.-Forum zur Zukunft der Museen : Was werden wir zeigen, was wollen wir sehen?

  • -Aktualisiert am

Zwischen Boom und Sorge: Die Kunstwelt diskutiert in Berlin beim F.A.Z.-Forum über das Museum der Zukunft. Kann es in Zeiten sinkender Etats und reicher Gönner seine Unabhängigkeit bewahren?

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          Was ist ein Museum? Die meisten Menschen glauben, die Antwort auf diese Frage zu kennen. Aber der gesellschaftliche Wandel geht auch am Museum nicht einfach vorbei. Welche Aufgaben hat das Museum in einer beschleunigten, vernetzten, globalisierten Welt, und wie bewältigt es sie? Kann man das Museum einfach neu laden wie eine stockende Website? Und ist ein Museum nicht ein Hort der Beständigkeit?

          Um über solche Fragen öffentlich zu streiten und natürlich auch um abseits der Diskussionen miteinander in Kontakt zu kommen, waren zweihundert Museumsdirektoren, Stiftungsmitarbeiter, Galeristen, Sammler und Kuratoren nach Berlin gereist. Zum zweiten Mal veranstaltete das Frankfurter Allgemeine Forum im Café Moskau eine Kunstkonferenz. Unter der Überschrift „Museum Reloaded“ ging es diesmal in den Vorträgen und Gesprächsrunden um eine Institution, die weltweit einen Boom erlebt und immer mehr Menschen anzieht - und dabei doch ausgerechnet in der Weltregion, in der sie einst erfunden wurde, zunehmend unter Druck steht.

          Kein Geld zum Sammeln

          Und siehe da, an Selbstbewusstsein mangelt es nicht, an Klagen aber genauso wenig. Das Museum sei das Massenmedium des 21. Jahrhunderts, war zu hören, gleichzeitig würden basale Aufgaben wie Forschung, Vermittlung, Restaurierung und das Sammeln als solches kaum noch öffentlich finanziert. Sponsoring und Spenden fingen auf, was die öffentliche Hand nicht mehr zu geben bereit sei, und die Mitarbeiter betrieben systematische Selbstausbeute.

          Die Kernaufgabe des aktiven Sammelns können Museen in Deutschland nur noch sehr begrenzt wahrnehmen; für Ankäufe ist schlicht kein Etat mehr vorgesehen. Also wartet man auf Schenkungen. Dementsprechend haben die Museumssammlungen für jüngere und jüngste Kunst das Gesicht, das private Sammler ihnen gegeben haben. Ausnahmen gehören schon wieder der Vergangenheit an, wie in der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen in Düsseldorf, für die das Land einst Werner Schmalenbach mit einem Millionenetat versah, den dieser in Eigenregie für bedeutende Arbeiten der Moderne ausgeben und mittelmäßige Dauerleihgaben dankend ablehnen konnte: So trug der jüngst verstorbene Museumsmann von 1962 bis 1990 jenseits aller Markteinflüsse eine Sammlung von Weltrang zusammen.

          Autonom bleiben in Zeiten knapper Kassen

          „Die Generation vor uns hat zu stark Sammlungen gesammelt und zu wenig einzelne Werke“, kritisierte Marion Ackermann von der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen, ganz im Sinne ihres Vorvorgängers Schmalenbach, die Ankaufspolitik der deutschen Museen; in Berlin, wo unter Generaldirektor Peter-Klaus Schuster im Rekordtempo Privatsammlungen von bisweilen schwankender Qualität in die Häuser geholt wurden, die dort nun aufwendig unterhalten werden müssen, hörte man die Botschaft mit offenen Ohren. Ein Museum, so Ackermann, müsse Rückgrat beweisen gegenüber Sponsoren und Stiftern. Isabel Pfeiffer-Poensgen von der Kulturstiftung der Länder kennt die Nöte kommunaler Museen, in die oft noch von Stadträten hineinregiert wird - wenn man sie lässt. Die Chuzpe eines Kasper König habe eben nicht jeder - zwei ihm angebotene Sammlungen in eine andere Stadt ziehen zu lassen, weil er nicht alle Werke daraus haben will.

          Königs soeben von seinem Amt zurückgetretener Nachfolger als Direktor des Museums Ludwig, der Schweizer Philipp Kaiser, hat Erfahrung sowohl mit der europäischen wie der amerikanischen Museumswelt gemacht. Als leitender Kurator am MoCA in Los Angeles erlebte er die Jahre der Finanzkrise in einer Stadt, die anders als New York keine ausgeprägte Tradition von Mäzenatentum kennt und deshalb leicht usurpiert werden kann von schwerreichen Einzelgängern wie Eli Broad. Im MoMA dagegen, erklärte dessen „Chief Curator at Large“, Klaus Biesenbach, hielten sich die Trustees gegenseitig in Schach: „Wenn Sie Trustee sind, dann sind Sie Teilhaber eines Verlustunternehmens. Aber Sie wollen natürlich wissen, womit Sie Ihr Geld verlieren“ - immerhin mindestens siebenstellige Beträge pro Jahr. Wenn man den Trustees vermitteln könne, warum man eine Ausstellung mache, dann habe man große Freiheit. Auch Besucherzahlen spielten dann kaum eine Rolle: „Die Qualität eines Krankenhauses messen Sie ja auch nicht daran, wie voll es darin ist.“

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