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Eva Hesse und Gego in Hamburg : Die Rückkehr der vertriebenen Töchter

  • -Aktualisiert am

Die Galerie der Gegenwart in Hamburg glänzt mit Ausstellungen zu Eva Hesse und Gertrud Goldschmidt. Sie öffnet den Blick auf einen sinnlichen Minimalismus - eine Befreiung.

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          Zwei Künstlerinnen, beide wurden in Hamburg geboren und haben jüdische Wurzeln. Sie mussten im Nationalsozialismus aus Deutschland fliehen. Eva Hesse verließ 1938 im Alter von knapp drei Jahren gemeinsam mit ihrer Schwester ihr Heimatland mit einem Kindertransport. Sie wird in New York aufwachsen. Von ihrer Familie überlebten den Holocaust nur ihre Eltern und ihre Schwester. Gertrud Goldschmidt, die sich seit ihrer Kindheit Gego nannte, arbeitete als Architektin in Stuttgart, als sie 1939 mit siebenundzwanzig Jahren emigrieren musste. Sie lebte bis zu ihrem Tod 1994 in Venezuela.

          Jetzt erfahren sie erstmals angemessene Anerkennung in ihrer Geburtsstadt. Die Hamburger Kunsthalle nimmt mit den Ausstellungen „Eva Hesse. One More than One“ und „Gego. Line as Object“ eine historische Setzung vor, auf die man hier lange warten musste. Das Ausstellungshaus kämpfte in den vergangenen Jahren mit unerfreulichen Meldungen. Der Ungers-Anbau der Galerie der Gegenwart ist ja schon unabhängig von Querelen eine kuratorische Herausforderung. Nun aber ist den Leiterinnen Brigitte Kölle und Petra Roettig ein Auftritt gelungen, der das Haus überzeugend nutzt.

          Die Verstrickung des Betrachters

          Die beiden ausgestellten Künstlerinnen verbindet das Erleben einer Vertreibung - und ein Leben für die Kunst, die Linie, die Form, den Raum. Sie trennt jedoch ihr Selbstverständnis als Künstlerinnen: Eva Hesse studierte im wilden New York der sechziger Jahre, sieht sich am Ziel, als das renommierte Kunstmagazin „Artforum“ ihr eine Titelgeschichte widmet. Damals, im Jahr 1970, war sie bereits todkrank. Sie starb am 29. Mai. Gego begann, wiewohl ihr Onkel Kunsthistoriker war und zum engen Freundeskreis von Aby Warburg gehörte, erst mit 41 Jahren Kunst zu schaffen und ging stets zurückhaltend, ja fast schüchtern mit ihrem Werk um.

          Doch fangen wir oben in der Schau an. Dort thront Eva Hesse als mittlerweile häufig gesehene und als wegweisend erkannte Künstlerin mit einer souverän reduzierten Auswahl an Skulpturen, Wandobjekten und Zeichnungen. Ein Kreis schwebt im Raum, nicht gezeichnet, nicht gemalt, aus dickem schwarzem Seil. Ein zweiter, schwerer Strick hängt hindurch, reicht bis auf den Boden. Eine Etage darunter verstrickt das dichte Linienspiel von Gego den Besucher in visuelle Experimente: von strenger Ordnung durch feinste Stahlgitternetze bis zur völligen Freiheit für die Linie. Mit feiner Tusche hat sie auf einem 65 mal 50 Zentimeter großen Blatt Linien nebeneinandergezogen, aufrecht, von oben nach unten. Sie schwingen, dann berühren und überlappen sie einander, fransen überraschend aus, wie zerschlagen von einem Gegenstand. Ist er hindurchgeflogen in den imaginären Blattraum?

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