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Etrurien-Ausstellung : Zeugnisse von bereichernder Migration

Die Antikensammlung in München zeigt eine große Ausstellung zur anpassungsfähigen Kultur der Etrusker. Die Exponate erzählen von einer multikulturellen Gesellschaft, die alle zu integrieren wusste.

          Als seine Heimatstadt Korinth unter die Fuchtel eines Tyrannen geriet, musste Demaratos fliehen. Er wandte sich westwärts und fand in der etruskischen Stadt Tarquinia Asyl. Und mehr als das: Er heiratete eine Einheimische, trieb erfolgreich Handel und gewann so viel politischen Einfluss, dass einer seiner Söhne König der nahen Stadt Rom wurde.

          Tilman Spreckelsen

          Redakteur im Feuilleton.

          Diese erfolgreiche Migrationsgeschichte, die sich im siebten Jahrhundert v. Chr. zugetragen haben soll, erzählen die antiken Historiker Tacitus, Polybios und Livius. Überliefert ist auch, dass Demaratos Handwerker im Gefolge hatte, die den Tarquiniern zeigten, wie man etwa in Korinth Vasen formte oder bemalte. Warum aber floh Demaratos ausgerechnet zu den Etruskern, zu einem Volk, das anders sprach, andere Götter verehrte und nach anderen Gesetzen lebte?

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          Die Außenperspektive betont das Kuriose

          Wer immer sich mit den Etruskern beschäftigt, wer immer nach der Kultur dieser Ethnie fragt, die am Anfang des ersten vorchristlichen Jahrtausends fassbar wird und an dessen Ende in der überlegenen Kultur ihrer römischen Nachbarn aufging, der bekommt es mit zwei gravierenden Hindernissen zu tun. Da ist zunächst die Tatsache, dass viele der alten etruskischen Siedlungsplätze noch heute bewohnt sind, so dass systematische archäologische Grabungen oft nicht möglich sind - während andererseits ihre Grabhügel vielfach in Vergessenheit geraten waren, so dass man, als man im neunzehnten Jahrhundert gezielt nach ihnen suchte, eine stattliche Anzahl fand und leerte.

          An materiellen Zeugnissen ihrer Kultur haben wir also vor allem das, was sie ihren Toten ins Jenseits mitgaben, so dass man immer diesen Umweg beschreiten muss, wenn man etwas über das Diesseits der Etrusker erfahren möchte. Das zweite Hindernis besteht in der schriftlichen Überlieferung zu den Etruskern, die ausschließlich von ihren Nachbarn herrührt – eigene Quellen sind nur sehr spärlich vorhanden.

          Im Blick von außen aber wird gern das aus dieser Perspektive Bedenkliche oder Kuriose betont, etwa die vermeintlich lockeren Sitten der etruskischen Frauen. So gesehen, ist es ein Jammer, dass die, wie es heißt, zwanzigbändige Geschichte der Etrusker, die der römische Kaiser Claudius im ersten nachchristlichen Jahrhundert verfasste, verschollen ist - offenbar interessierten sich zu wenige spätere Kopisten für den Autor und sein Thema. Und auch das ebenfalls verlorene etruskische Wörterbuch des Claudius wäre eine unschätzbare Quelle.

          Einige Exponate werden erstmals gezeigt

          Vielleicht aber ist noch ein dritter Punkt entscheidend für unsere Schwierigkeiten, ein klares Bild dieser Kultur zu entwerfen. Denn eines der auffälligsten Merkmale der Etrusker ist die Fähigkeit zur Adaption fremder Einflüsse. In den Vasen, Stein- oder Metallarbeiten vor allem ihrer Spätzeit zeigen sie sich als passionierte Eklektiker. Und die Frage, was über diesen Umstand hinaus denn das spezifisch Etruskische ausmacht, ist allenfalls punktuell zu beantworten.

          Eine Ausstellung der Staatlichen Antikensammlungen München, die am Donnerstag ihre Tore öffnete, bietet nun dazu die beste Gelegenheit seit sehr langer Zeit, wenigstens in Deutschland. Sie ist auch lange überfällig. Denn obwohl in München seit der Kronprinzenzeit des späteren Königs Ludwig eine reiche Sammlung etruskischer Kunst zusammengetragen wurde, war dieser Bestand in München noch nie in einer eigenen großen Ausstellung zu sehen - einige Stücke werden nun zum ersten Mal öffentlich gezeigt.

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