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Palästina-Museum in Birzeit : Letzter gemeinsamer Grund ist aus Stein

Das Palästinensische Museum in Birzeit. Bild: Foto: Iwan Baan

Über ein Jahr lang stand das „Palästina-Museum“ nach seiner Eröffnung leer. Es ging um Macht, Geld und Politik. Jetzt wurde die erste Ausstellung eröffnet. „Jerusalem lebt“ lässt wenig lästigen Raum für Interpretationen.

          Am Ende der stufenförmig zulaufenden Terrassen steht das Palästinensische Museum. Es schmiegt sich in den zerklüfteten Fels, wie es die terrassierten Felder der örtlichen Landwirtschaft seit Jahrhunderten tun. Der 25 Millionen Euro teure Bau manifestiert einen Anspruch auf das Land. Das palästinensische Volk hat jetzt eine richtige Nationalgalerie. Wenn auch nicht in Ramallah, dem Verwaltungssitz der Autonomiebehörde, sondern in der nahe gelegenen Universitätsstadt Birzeit. Der Bau des irischen Architekturbüros Heaneghan Peng wurde neben privaten palästinensischen Spendern unter anderem von der „Bank of Palestine“ und einem kuweitischen Fonds finanziert und hat keine direkten Verbindungen zur Autonomiebehörde. Die stört sich nämlich daran, dass dem Museum lange das Attribut „National-“ anhing, wo doch schon das „Jassir-Arafat-Museum“ im benachbarten Ramallah das Nationalmuseum des palästinensischen Volkes sein soll.

          Ansicht auf das Palästinensische Museum in Birseit bei Ramallah.
          Jochen Stahnke

          Politischer Korrespondent für Israel, die Palästinensergebiete und Jordanien mit Sitz in Tel Aviv.

          Als das „Palästina-Museum“ im Mai vergangenen Jahres eröffnet wurde, blieb es leer. Seither ergießt sich Häme israelischer Siedlerorganisationen über das Projekt, zumal jüdische Radikale propagieren, dass die Juden in ein leeres Land ohne palästinensische Kultur zurückgekehrt seien. Doch die Leere der Hallen hatte viel profanere Hintergründe, welche die Realitäten in den Palästinensergebieten widerspiegeln: Es ging um Macht, Geld und Politik. Der Direktor Jack Persekian verließ das Museum schon vor der Eröffnung im Streit über seine Ausstellung „Never Part“ (unzertrennlich), in der Palästinenser Hinterlassenschaften aus ihrer alten verlassenen Heimat zusammentragen und Künstler daraus machen können sollten, was sie wollten. Möglicherweise war dies den Besitzern des Museums zu wenig politisch – oder zu unkontrollierbar, wie Persekian damals andeutete.

          Neuer Direktor, erste Ausstellung

          Nun gibt es einen neuen Direktor, er heißt Mahmud Hawari, ist eigens aus London zurückgekehrt und sagt, das Museum sei Teil des „kulturellen Widerstands“ gegen die israelische Besatzungsmacht. Am Sonntag hat er nun endlich die erste Ausstellung des Museums eröffnet. Sie heißt „Jerusalem lebt“ und lässt wenig lästigen Raum für Interpretationen. Sie stellt die Beziehungen der Palästinenser zu jenem Ort dar, den sowohl Israel als auch die Palästinenser als ihre Hauptstadt verstehen. Insgesamt 48 vorwiegend palästinensische und arabische Künstler nehmen einen multidisziplinären Bezug auf Jerusalem. Ein Gemälde zeigt eine stilisierte Maria, die statt des Jesuskindes den Felsendom auf dem Tempelberg in sich trägt. In einem Raum umgeben den Betrachter an allen vier Wänden Panoramabilder israelischer Siedlungen rund um das palästinensische Ostjerusalem, das von Israel 1967 erobert und 1980 annektiert wurde. Videoinstallationen zeigen den Umgang israelischer Soldaten mit alten palästinensischen Frauen. Da hat es die Kunst manchmal schwer, aus dem breiten Schatten der Politik zu treten.

          „Alles ist hier Politik“, sagt der Direktor, „die Besatzung betrifft jeden von uns, und Künstler sind dafür besonders sensibel.“ Die Kuratorin Reem Fadda etwa durfte das nur fünfzehn Kilometer entfernte Jerusalem während der acht Monate Vorbereitungszeit nicht betreten. „Die israelischen Behörden gaben mir keine Genehmigung“, erzählt Fadda, die zuvor für den Ableger des Guggenheim-Museums in Abu Dhabi gearbeitet hat. Dies erschwere auch den Austausch mit in Ostjerusalem lebenden palästinensischen Künstlern. Museumsdirektor Hawari wiederum hat allerdings auch keinen Kontakt zu israelischen Künstlern aufgenommen.

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